Bremgarten
Bremgarter Stadtammann: «Wir wurden von den Medien total überrumpelt»

Raymond Tellenbach hat eine anstrengende Woche hinter sich. Das beschauliche Städtchen geriet wegen des Badi-Verbots für Asylsuchende plötzlich in die internationalen Schlagzeilen. Heute würde er einiges anders machen.

Aline Wüst
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Raymond Tellenbach

Raymond Tellenbach

Es war eine anstrengende Woche für den Bremgarter Stadtammann Raymond Tellenbach. Während seine kleine Stadt üblicherweise kaum für Aufsehen sorgt, machte sie in den vergangenen Tagen international Schlagzeilen. «Die Freibad-Rassisten von Bremgarten», titelte «Spiegel online» gestern und der «Independent» spricht von ähnlichen Zuständen wir zurzeit des Apartheid-Regimes.

«Wir wurden von den Medien total überrumpelt», sagt Stadtammann Tellenbach und wundert sich: «Warum interessiert sich das russische Fernsehen dafür, was in Bremgarten passiert?»

Während zuerst lokale und dann nationale Medien mit dem Bremgarter Stadtpräsidenten sprechen wollten, kamen Mitte Woche auch Anfragen von BBC, Al Jazeera, der Süddeutschen Zeitung und ARD. Überrascht sei er davon gewesen, wie schnell sich die Nachrichten verbreitet hätten. «Ein Onlineportal schrieb vom anderen ab und vor allem die ausländischen Medien berichteten nicht sehr differenziert.»

Heute würde er einiges anders machen, räumt der Stadtammann ein. Erstens ganz entschieden klarstellen, dass der Stadtplan mit dem Rayonverbot falsch interpretiert worden sei. Und zweitens: «Wir hätten uns früher mit dem Bundesamt für Migration kurzschliessen sollen. Schliesslich sitzen wir beide im gleichen Boot.»

Dass wegen des Badi-Verbots jetzt noch die Bundesrätin belästigt werde, da könne er nur den Kopf schütteln, sagt Tellenbach, der am Samstagmorgen wie immer im Städtchen einkaufen war und dabei keine negativen Reaktionen erhalten habe von den Bremgartern. «Viele verstehen nicht, was die ganze Aufregung soll.» Denn die Grundstimmung in Bremgarten gegenüber der Asylunterkunft sei nicht negativ», so der Stadtammann.

Keine Stellung nehmen will Tellenbach dazu, dass sich Bundesrätin Simonetta Sommaruga am Freitag öffentlich gegen das Badi-Verbot ausgesprochen hatte. Das sei eine Lehre, die er aus der vergangenen Woche gezogen habe: «Wir werden uns am Montag mit den Verantwortlichen des Bundesamts für Migration absprechen und dann über allfällige Massnahmen informieren.» Nur so könne ausgeschlossen werden, dass jemand etwas falsch verstehe, hofft der Stadtammann.

Bleibt nur noch die Sorge, dass die negative Presse seinem Städtchen geschadet haben könnte.

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