«So weit ich weiss, ist die Reuss seit Jahrhunderten nie ganz zugefroren», sagt der Bremgarter Heinz Koch. Doch in den letzten 100 Jahren war sie zumindest dreimal (1929, 1940 und 1963) teilweise begehbar.

An die letzte grosse «Reussgfrörni» erinnert er sich noch gut: «Ich war zwar nicht mehr in dem Alter, in dem ich das noch unglaublich faszinierend fand. Aber ein paar Schritte auf dem vereisten Fluss konnte ich dennoch nicht unterlassen», berichtet er schmunzelnd.

Motor im Schlafzimmer gewärmt

Koch selbst war damals schon in der Ausbildung zum Lehrer und musste täglich mit seinem VW nach Wettingen ins Seminar fahren. «Unterwegs habe ich in Wohlen immer zwei Schulkollegen abgeholt», erzählt er.

«An den Winter 1963 erinnere ich mich darum so gut, weil der VW morgens häufig gar nicht anspringen wollte. Darum habe ich jeden Abend den Motor ausgebaut und ihn mit ins Zimmer genommen, damit er nicht vereist», berichtet der ehemalige Lehrer und Bremgarter Stadtführer. «Trotzdem mussten mir meine Eltern sehr häufig früh am Morgen helfen, den VW die Zürcherstrasse hinunter anzuschieben.»

Seminaristen auf der Limmat

Die «Reussgfrörni» habe er hauptsächlich am Radio mitverfolgt: «Es gab immer wieder Waghalsige, die zu nah an die Eiskante herangingen und in den eisigen Fluss gefallen sind.»

Im Seminar in Wettingen hätten die angehenden Lehrer die dicke Eisschicht auf der Limmat genossen: «Die Turnstunden durften wir schlittschuhlaufend auf dem Fluss verbringen. Das gefiel uns sehr.»

Auf der Reuss konnte man damals zwar spazieren, aber nicht richtig Schlittschuh fahren. «Man darf nicht vergessen, dass die Reuss ein ziemlich wilder Fluss ist», so Koch. Lediglich die beiden äusseren, ruhigeren Kanäle seien vereist gewesen. In der Mitte habe die Reuss wie eh und je getobt.

Der Hallwilersee und der Zürichsee seien hingegen vollkommen zugefroren. «Ganze Bremgarter Schulklassen sind nach Zürich zum Schlittschuhlaufen gefahren», weiss er noch. «Das war ein riesiges Volksfest mit Würstchenbuden und allem Drum und Dran.»

Erinnerung an den Gyrenweiher

Woran sich Koch viel besser erinnert als an die «Reussgfrörni» ist der zugefrorene Gyrenweiher in Widen. «Er gefror meist zu Beginn des neuen Jahres zu. Dann haben wir Kinder nach dem Mittagessen unsere Schlittschuhe, einen Apfel oder ein Stück Brot und – wer hatte – den Eishockeystock gepackt und sind dort hinaufmarschiert», schwelgt er in schönen Erinnerungen.

«Manchmal kam man mit einem blauen Auge oder ohne Schuhabsatz nach Hause, denn die Schlittschuhe bestanden damals nur aus Kufen, die man sich an die Schuhe schraubte. Aber wir hatten eine tolle Zeit dort auf dem Eis.»