Bremgarten

Bremgarter macht die Weltmeere sicherer – sein Start-up soll die Seefahrt revolutionieren

Die Mitarbeiter von «Swiss Ocean Tech» bringen einen AnchorGuardian an.

Die Mitarbeiter von «Swiss Ocean Tech» bringen einen AnchorGuardian an.

In der Schifffahrt ist das Ankern noch dasselbe Risiko wie vor Hunderten von Jahren. So gehen viele Schiffsunglücke auf Anker zurück, die nicht richtig am Boden hielten. Das Schweizer Start-up «Swiss Ocean Tech» will das verbessern.

Im Grunde ist Ankern ganz einfach: Man verbindet sein Schiff mit etwas Schwerem, wirft dieses Schwere ins Meer und hofft, dass es hält. So jedenfalls haben die Seeleute schon immer geankert, egal ob kleine Segelboote oder Supertanker. Doch Thomas Frizlen weiss: «Ein Anker, der immer hält, ist physikalisch unmöglich. Sehr viele Schiffsunglücke gehen auf Anker zurück, die nicht richtig am Boden hielten. Und das noch heute, in der Zeit der modernen Technik.»

Der Wirtschaftsingenieur und ehemalige Segellehrer ist in Schweden aufgewachsen. Seit 25 Jahren wohnt er mit seiner Frau Suzy Chisholm und mittlerweile zwei Kindern in Bremgarten. Den Traum, dieses Risiko zu minimieren, trägt er seit vielen Jahren mit sich. Jetzt hofft er, mit dem Start-up «Swiss Ocean Tech», das das Paar mit einem internationalen Team gegründet hat, herausgefunden zu haben, wie.

An der Grenze des bisher Möglichen

«Da sich das Schiff in Wind und Wellen stets bewegt, ist es sehr schwierig, genau sagen zu können, ob der Anker sich verschiebt», hält Frizlen fest. «Dabei wäre das so wichtig.» Er zählt auf: «Verschiebt sich der Anker, kann es zu Kollisionen kommen, Schiffe können auf Grund laufen, Unterwasserpipelines können zerstört werden und der Meeresboden kann stark in Mitleidenschaft gezogen werden.» Pipeline-Betreiber gehen gar davon aus, dass die Mehrheit aller leck geschlagenen Unterwasserpipelines auf sich verschiebende Anker zurückzuführen seien.

All das soll AnchorGuardian von Swiss Ocean Tech verhindern. «Unser Team aus internationalen Experten hat lange daran gearbeitet. Wir bewegen uns hier an der Grenze des bisher Möglichen», ist Frizlen stolz. AnchorGuardian arbeitet auf drei Arten. «Zum einen geben wir Infos, die es ermöglichen, den Anker optimal zu legen, wie die Beschaffenheit des Seebodens. Zweitens gibt es einen Alarm, sobald der Anker sich zu weit bewegt. Und drittens sagen wir voraus, ob er bei zunehmendem Wind und Wellen halten wird oder nicht», erklärt Frizlen.

Alle drei Punkte sind neu, jedoch könnte vor allem der zweite die Seefahrt revolutionieren. «Bisher wurden die Anker mittels der GPS-Position des Schiffes kontrolliert. Das Problem: GPS überwacht das Schiff und nicht den Anker, was zu Fehl- oder verspäteten Alarmen führt. AnchorGuar­dian wird zwischen Anker und Ankerkette eingefügt und kommuniziert unter Wasser via Ultraschall mit dem Schiff, ohne die Unterwasserwelt schädlich zu beeinflussen. So ergeben sich ganz genaue Angaben über die Position und Lage des Ankers.»

Sie wollen die Seefahrt revolutionieren

Diese neue Erfindung, die für ein Freizeitboot den Preis eines GPS haben soll, soll die Schifffahrt sicherer machen. Das haben schon mehrere Wettbewerbsjurys erkannt. Am Montag ergatterte Swiss Ocean Tech den zweiten Platz beim führenden Schweizer Start-up-Wettbewerb Venture in der Kategorie Industry & Engineering. «Das motiviert unheimlich», so Frizlen.

Gegen Anfang 2021 sollen die ersten Prototypen von Kapitänen getestet werden können. Danach will die Firma AnchorGuardians in Serie produzieren – je nach Schiff in entsprechender Grösse. So müssen auch Thomas Frizlen und seine Familie auf ihrem Segelboot in Schweden hoffentlich künftig nicht mehr nachts wach liegen und hoffen, dass der Anker hält.

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