Villmergen
Bremgarter Gastro-Chef: «Restaurant-Sterben wegen Anti-Raucher-Gesetz»

Markus Horat, Wirt im «Jägerstübli» und Präsident von Gastro Bremgarten, kritisiert die Rauchverbote und Alkohol-Testkäufe als wirtefeindlich. Die Verbote würden das Restaurant-Sterben beschleunigen.

Lukas Schumacher
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Früher noch erlaubt

Früher noch erlaubt

Was brachte das Jahr 2010 aus Sicht der Wirtebranche unserer Region? «Allerlei Einschränkungen, Herausforderungen und Probleme», sagt Markus Horat, Wirt im Villmerger «Jägerstübli». Horat, der auch Präsident der Bezirkssektion Bremgarten des Kantonalverbandes Gastro Aargau ist, macht eine «klare Tendenz zu Gästeschwund und einem beschleunigten Restaurant-Sterben» aus.

Laut Horat greift der Staat immer ungenierter in die Gewerbefreiheit der professionellen Gastgeber ein. Verantwortung für diese Eingriffe und Einschränkungen übernehme der Staat freilich nicht.

«Stammtisch halbiert»

Das Anti-Raucher-Gesetz habe zu einer Abwertung des Stammtisches geführt, dieser «traditionell staatstragenden Einrichtung». Die eine Hälfte der Stammtischgäste sitze drinnen, wolle politisieren und diskutieren. Die andere Hälfte ziehe gezwungenermassen draussen am Glimmstängel. Bei Gesellschafts- und Hochzeitsfeiern sowie Firmenanlässen müsse der Wirt stets auf die Raucher achten, bevor man den nächsten Gang serviere. Kein Sketch, keine Ansprache, keine Produktion könne stattfinden, ohne dass der Gastgeber die Raucher wieder hereinzurufen habe.

Nach Ansicht von Markus Horat sind die Alkohol-Testkäufe «eine rechtswidrige Frechheit, weil Minderjährige zu Straftaten animiert werden». Moralisch verwerflich würden freilich auch jene Leute handeln, die den Minderjährigen Alkohol verkaufen. Gastwirte hätten die Pflicht, dieses Gesetz ernst zu nehmen und die Mitarbeitenden dafür zu sensibilisieren.

Horat vertritt die Meinung, es werde ein «regelrechter Kreuzzug gegen den Alkohol» geführt. Es gebe keine Happy Hour mehr, «3 für 2» sei verboten, und der Wirt dürfe keine Gratisrunde mehr schmeissen, weil dies der allgegenwärtige Gesetzgeber als Animation zum Alkoholkonsum auffasse.

Rückgang beim Alkoholkonsum

Die allseits geäusserten grossen Bedenken um den Alkoholkonsum hält der Präsident von Gastro Bremgarten für übertrieben. In den letzten 20 Jahren sei der Konsum von alkoholischen Getränken nämlich massiv zurückgegangen: von 128 Litern pro Kopf im Jahr 1990 auf heute knapp 101 Liter. Trotzdem müsse man sich einstellen auf baldige zeitliche und örtliche Verbotszeiten beim Ausschank alkoholischer Getränke, auf Mindestalter, Mindestpreise und höhere Besteuerung, auf Werbeverbote und anderes mehr.