Autofreie Altstadt
Bremgarten wächst um seine Seele herum

Seit 20 Jahren ist die Altstadt Bremgarten autofrei. Grosse Veränderungen hat es aber natürlich nicht nur in der Altstadt gegeben, die Stadt an der Reuss ist um ihr Zentrum herum gewachsen. Es wurde für 700 Millionen Franken gebaut.

Dominic Kobelt
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Die Altstadt ist attraktiver geworden, seit die Autos aus den Gassen verbannt worden sind. Fotos: Dominic Kobelt

Die Altstadt ist attraktiver geworden, seit die Autos aus den Gassen verbannt worden sind. Fotos: Dominic Kobelt

2466 Bewohner sind dazugekommen, fast 900 zusätzliche Wohnungen und Häuser, um die 700 Millionen Franken Bauinvestitionen wurden verzeichnet.

Während es die Läden in der Altstadt schwerer haben, ist neben dem Sunnemärt ein neuer Einkaufkomplex hinzugekommen, da, wo früher die Rucher & Aubry AG war. Ein Fastfoodrestaurant, eine neue Haltestelle für die Bremgarten-Dietikon-Bahn, ganze Gebäudekomplexe wurden abgerissen und neu aufgebaut. Jüngstes Beispiel ist der Gebäudekomplex direkt neben dem Bahnhof, der noch im Bau ist, aber das Ortsbild bereits nachhaltig verändert.

Ja, es hat sich einiges geändert in den letzten zwanzig Jahren. Trotzdem ist Bremgarten eine Stadt, die schon immer ihre Geschichte zu bewahren wusste, und wer heute durch Bremgarten läuft, entdeckt eine Stadt mit vielen Facetten.

Altstadtcharme

Der Wohnraum in der Altstadt ist attraktiver geworden, seit die lärmenden Autos aus den Gassen verbannt wurden. Nur die Fahrzeuge der Anwohner, von Zeit zu Zeit ein Taxi und hin und wieder ein Polizeiauto rollen über die Pflastersteine. Die meisten Wohnungen wurden renoviert und verbinden heute moderne und praktische Inneneinrichtung mit dem mittelalterlichen Charme der Gebäude.

Auch wenn der Platz in einigen Wohnungen etwas begrenzt ist, bieten viele Zimmer einen traumhaften Blick auf die Reuss, in die altertümlichen Gassen oder über die Unterstadt, wo die Kirche majestätisch über die kleineren Häuser zu wachen scheint.

Im Gegensatz zu den Altstadtwohnungen steht das Quartier an der Ringstrasse, das neben dem Stauwehr vor rund sechs Jahren gebaut wurde. Hier sind die Wohnungsgrundrisse meist grosszügiger, dafür fehlt es an Altstadt-Charme.

Nichtsdestotrotz ist auch hier eine begehrte Wohnlage entstanden, zwischen der Reuss und einem Maisfeld. Kinderlachen tönt vom grossen Spielplatz durch die grosszügige Siedlung, Rutschen, Röhren und Karussell locken die Jüngsten nach draussen. Eine rot-weisse Katze versteckt sich unter einem Auto, ein bunter Fussball liegt verloren am Gehweg. Neben vielen jungen Familien haben sich hier auch mehrere Wohngemeinschaften niedergelassen. Wenige Gehminuten von der Altstadt entfernt hat sich ein neues Bremgarten entwickelt.

Eine gute Entscheidung

Welche Bedeutung hat die Altstadt heute noch, wo Bremgarten so gewachsen ist? Nun, das kulturelle Leben spielt sich nach wie vor zu einem grossen Teil im Städtli ab, Theater, Konzerte, Feste und Märkte profitieren von der zauberhaften Kulisse.

Auch wenn die Altstadt an manchen Tagen wie ausgestorben wirkt – an anderen ist sie sehr belebt, und wenn gerade das Altstadtfest stattfindet oder an der Gässlifasnacht die bunten Wagen durch die Strassen tuckern, dann beflügelt die Kulisse die Lebensfreude und Ausgelassenheit der Bremgarter. Und natürlich muss man an dieser Stelle auch den Christchindli-Märt erwähnen, der schönste der vielen Bremgarter Märkte, der jedes Jahr Besucher aus der ganzen Schweiz in die Gassen zu locken vermag.

Bremgarten hat seinen innersten Kern, die Seele der Stadt, vor zwanzig Jahren von Autos befreit. Das hat sicher nicht nur gute Seiten. Aber wer an einem Herbstnachmittag in eine der Beizen einkehrt und in der Gasse sein Bier geniesst, wird zum Schluss kommen, dass es eine gute Entscheidung war.