Bremgarten
Über zwei Millionen Kubikmeter: Hier ist der grösste Freiämter Kiesabbau der nächsten 25 Jahre geplant

Im Gebiet Rauestei – nordwestlich des Restaurants Waldheim bei Hermetschwil – befindet sich ein mächtiges Kiesvorkommen. Die geplante Förderung des Rohstoffs in Bremgarten bedingt eine Teilzonenplanänderung. Das Mitwirkungsverfahren ist nun gestartet.

Walter Christen
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Hier lagert Kies im Umfang von zwei Millionen Kubikmetern: das Gebiet Rauestei oberhalb des Restaurants Waldheim in Bremgarten-Hermetschwil.

Hier lagert Kies im Umfang von zwei Millionen Kubikmetern: das Gebiet Rauestei oberhalb des Restaurants Waldheim in Bremgarten-Hermetschwil.

Walter Christen

Das grösste Kiesabbauvorhaben der nächsten Jahre im Freiamt ist in Bremgarten geplant: 2,1 Millionen Kubikmeter Material sollen innerhalb von 25 Jahren gefördert werden, da die aktuell in den Bezirken Bremgarten und Muri ausgebeuteten Kiesreserven in naher Zukunft erschöpft sein werden.

«Das Ziel besteht darin, das regionale Rohstoffvorkommen zu sichern», wie von Stadtammann Raymond Tellenbach zu erfahren war. In der Tat: Kies gilt sowohl im Hoch- als auch im Tiefbau als Ausgangsmaterial vor allem für die Realisierung von Gebäuden und Strassen und ist somit ein wertvoller Rohstoff.

Kiesvorkommen mit einer Schichthöhe von 35 Metern

Wie geologische Untersuchungen gezeigt haben, befindet sich im Gebiet Rauestei – nordwestlich des Restaurants Waldheim – ein mächtiges Kiesvorkommen mit einer Schichthöhe von etwa 35 Metern. Der Standort ist im kantonalen Richtplan als Materialabbauzone ausgeschieden.

Der sogenannte Moränen-Kies verfügt allerdings über einen erhöhten Feinanteil, weshalb das Material für den direkten Einsatz als Baustoff nicht geeignet ist. Aber durch die Verwendung einer speziellen Anlage vor Ort können 84 Prozent der Fördermengen als Kies- und Sandprodukte aufbereitet werden.

Der Abbau, das Wiederauffüllen und die Rekultivierung der Kiesgrube sollen in mehreren Etappen erfolgen. Dazu Stefan Walder, Leiter Abteilung Bau der Stadt Bremgarten:

«Am Schluss wird auf dem Gelände keine Deponie bestehen bleiben, sondern das Areal wird mit sauberem Aushubmaterial aus der Region aufgefüllt.»

Die Kiesgewinnung soll durch die Müller Kies AG aus Stetten vorgenommen werden. Dazu müssen insgesamt 2,2 Hektaren Wald gerodet sowie 5 Hektaren Landwirtschaftsfläche temporär beansprucht werden. 100 Prozent der Waldflächen werden wieder aufgeforstet und die Landwirtschaftsfläche wird in gleicher Qualität wieder hergestellt.

Innerhalb der 7,5 Hektaren grossen Materialabbauzone befinden sich die Parzellen der Einwohner- sowie der Ortsbürgergemeinde Bremgarten. Im Zuge des Kiesabbaus wird die ehemalige Kehrichtdeponie Spannhölzli saniert, welche sich auf der Parzelle der Einwohnergemeinde befindet und wo von 1959 bis 1989 Siedlungsabfälle abgelagert wurden.

Ort des geplanten Kiesabbaus

Für die Abbauplanung stellt die grosse Mächtigkeit des Kieskörpers eine Herausforderung dar. Wegen der relativ engen Verhältnisse vor Ort muss durch den grossen Flächenanspruch der Abbau- und Auffüllböschungen und aufgrund des Platzbedarfs für die Infrastruktur bereits in einer frühen Phase der gesamte Landwirtschaftsboden auf dem Gelände abgetragen werden.

Es ist deshalb vorgesehen, dieses Bodenmaterial ausserhalb der Materialabbauzone, jedoch ganz in der Nähe, in einer dafür vorgesehenen temporären Bodendepotzone auf einer Fläche von rund 2 Hektaren zu lagern. Das Depot wird dauerhaft begrünt und in der Landschaft fast nicht als solches erkennbar sein.

60 Lastwagenfahrten pro Tag für den Kiesgrubenbetrieb

Wie aus dem Projekt hervorgeht, wird für den Abbau und die Auffüllung mit einem Verkehrsaufkommen von etwa 60 Lastwagenfahrten pro Tag gerechnet. Der Werkverkehr aus dem Areal Rauestei verursacht somit auf der Waltenschwilerstrasse, zwischen der Einfahrt zum Abbaugebiet und der Luzernerstrasse, eine Zunahme der Anzahl Lastwagenbewegungen um gut 20 Prozent. Auf der Strasse Richtung Bünzen/Boswil dürfte die Zunahme 11 Prozent ausmachen. Auf allen übrigen Strecken soll der Lastwagen-Mehrverkehr gemäss Fachbericht deutlich unter 10 Prozent liegen.

Nach dem Kiesabbau soll der rekultivierte Standort nicht als künstlich angelegter Fremdkörper wahrgenommen werden, sondern er wird sich in die bestehende Landschaft eingliedern. Nebst der Wiederaufforstung und der Wiederherstellung der Landwirtschaftsflächen ist auch ein ökologischer Ausgleich vorgesehen.

Öffentlichkeit kann sich zum Projekt äussern

Damit der Kiesabbau im Gebiet Rauestei überhaupt realisiert werden kann, ist eine Teilzonenplanänderung erforderlich. In dessen Rahmen wird noch bis zum 7. Dezember ein öffentliches Mitwirkungsverfahren im Rathaus Bremgarten durchgeführt: Einzelpersonen, Behörden, Parteien und Verbände können ihre Stellungnahmen abgeben, die gegebenenfalls direkt in den Mitwirkungsbericht einfliessen werden.

Im Zusammenhang mit der Teilzonenplanänderung Rauestei wird vor Ort (Strassenverzweigung Waltenschwilerstrasse/Boswilerstrasse) am Samstag, dem 13. November, um 14 Uhr, eine öffentliche Informationsveranstaltung durchgeführt.

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