Bremgarten
So viel Wasser wie seit Jahren nicht mehr – neues Schutzsystem bewährte sich beim ersten Ernstfall

Die heftigen Regenfälle der letzten Nacht haben in Bremgarten ihre Spuren hinterlassen. Die Reuss trat über die Ufer und drohte die Unterstadt zu überschwemmen. Zum ersten Mal überhaupt kam deshalb das neue Schutzsystem zum Einsatz.

Pascal Bruhin
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Im Bereich des Wällismühlewegs trat die Reuss über die Ufer.

Im Bereich des Wällismühlewegs trat die Reuss über die Ufer.

Bild: mzm

Es war eine lange Nacht auf Freitag für die Bremgarter Feuerwehrleute. Die sintflutartigen Regenfälle, die ab Donnerstagnachmittag bis in die späte Nacht hinein über das Mittelland herabstürzten, liessen auch die Reuss in Bremgarten über ihre Ufer treten.

«Um viertel vor zehn abends haben wir nach einer Lagebeurteilung den Hochwasseralarm ausgelöst», erklärt Daniel Walser, Vizekommandant der Bremgarter Feuerwehr, am Tag danach. Entsprechend wenig hat auch er geschlafen.

Daniel Walser. Vizekommandant der Feuerwehr Bremgarten, tags darauf am Reussufer.

Daniel Walser. Vizekommandant der Feuerwehr Bremgarten, tags darauf am Reussufer.

Bild: zvg

Rund 25 Feuerwehrleute waren ab sofort im Einsatz, um das Bremgarter Reussufer vor Überschwemmungen zu schützen. Denn dass etwas kommen würde, war klar. «Bremgarten selbst hat keine Messstation. Wir stützen uns auf Daten der Messstation in Mühlau», führt Walser aus. Denn das Wasser, das das Oberfreiamt passiert, trifft rund ein bis zwei Stunden später auch in Bremgarten ein.

Über 600 Kubikmeter Wasser pro Sekunde

Und die Daten aus Mühlau liessen nichts Gutes vermuten: Bis zu 591 Kubikmeter Wasser pro Sekunde wurden gemessen. Damit wurde fast der kritische Wert von 600 Kubikmeter pro Sekunde erreicht, Gefahrenstufe drei also, «erhebliche Gefahr». In Mellingen, der nächsten Messstation nach Bremgarten, wurde dieser Wert am Freitagmorgen mit 637 Kubikmeter pro Sekunde zeitweise sogar deutlich überschritten.

Die Wassermassen drohten in der Nacht die Unterstadt zu überschwemmen.

Die Wassermassen drohten in der Nacht die Unterstadt zu überschwemmen.

Bild: zvg

«So viel Wasser hatten wir schon seit Jahren nicht mehr», sagt Walser. Bei den ebenfalls sehr starken Regenfällen vor zwei Wochen seien bedeutend weniger hohe Durchflussmengen gemessen worden. Zum ersten Mal überhaupt kam deshalb in Bremgarten am Donnerstagabend die mobile Hochwasserschutzmauer zum Einsatz, um die Unterstadt vor den Wassermassen zu schützen.

2015 wurde das Schutzsystem mit den massiven Sockelmauern und den darauf zu platzierenden, mobilen Aluminiumbalken installiert. Bislang wurde es jedoch nur zu Trainingszwecken aufgebaut.

Bei der Einfahrt in die Reussgasse in Bremgarten sind Schutzwände installiert worden.

Bei der Einfahrt in die Reussgasse in Bremgarten sind Schutzwände installiert worden.

Bild: mzm

«Unser Hauptanliegen war es, die Liegenschaften und die Anwohner an der unteren Reussgasse zu schützen», sagt Walser. Das sei damit gelungen. «Zum Glück konnten wir Schäden abwenden.» Auch der Hexenturm, der sich an einer der tiefstgelegendsten Stellen direkt an der Reuss befindet, kam bislang unbeschadet davon.

Auch der Hexenturm, links im Bild, kam unbeschadet davon.

Auch der Hexenturm, links im Bild, kam unbeschadet davon.

Bild: zvg

Zusätzlich zum Hochwasser machte den Feuerwehrleuten die Situation zu schaffen, dass praktisch gleichzeitig die Notrufnummern 117 und 112 ausfielen. An jedem Notfalltreffpunkt mussten Einsatzkräfte stationiert werden. «Das Gesamtmanagement war eine Herausforderung», so Walser. Erst am Morgen wurden die Feuerwehrleute dort von Zivilschutzdienstleistenden abgelöst.

Beim Hexenturm rauscht der Fluss in rasender Geschwindigkeit vorbei und reisst ganze Baumstämme mit.

Bild: mzm

Schutzwände bleiben vorläufig stehen

Für den Vizekommandanten der Bremgarter Feuerwehr war der Tag damit aber noch lange nicht zu Ende. «Jetzt gilt es, die Hochwasserlage zu beobachten und bei Bedarf neu zu beurteilen», sagt er. Momentan seien die Wassermassen allerdings leicht rückläufig.

Die mobilen Schutzwände bleiben aber vorderhand stehen, bis sich die Lage definitiv beruhigt und der Reusspegel wieder deutlich sinkt. Derweil sind die Feuerwehrleute mit Nachputzarbeiten weiter beschäftigt.

Die Wassermassen ziehen sich langsam zurück.

Die Wassermassen ziehen sich langsam zurück.

Bild: mzm