Bremgarten
Nachfolge für Stadträtin: «Die FDP kann froh sein, dass sie überhaupt noch im Rat vertreten ist»

Am 7. März wählen die Bremgarterinnen und Bremgarter die Nachfolge für Stadträtin Monika Briner. Diese war bis vergangenen Juni in der FDP, ehe sie aus der Partei austrat. Die fünf Kandidatinnen und Kandidaten antworten auf die provokative Frage, ob der Sitz nicht bürgerlich bleiben müsste.

Marc Ribolla
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Nach neun Jahren als Stadträdtin tritt Monika Briner (parteilos) zurück. Wer in ihre Fussstapfen tritt, wird sich noch zeigen.

Nach neun Jahren als Stadträdtin tritt Monika Briner (parteilos) zurück. Wer in ihre Fussstapfen tritt, wird sich noch zeigen.

Chris Iseli

Die verlorene Referendumsabstimmung übers Budget 2020 brachte in Bremgarten das Fass Ende Juni 2020 zum Überlaufen. Stadträtin Monika Briner (59) zog die Konsequenzen und erklärte ihren Austritt aus der FDP. Ihre bisherige Partei hatte sich zusammen mit der SVP gegen die Vorlage engagiert und gewonnen.

Fortan politisierte Briner als Parteilose. Als einziger FDP-Vertreter verblieb Stadtammann Raymond Tellenbach im Stadtrat. «Die FDP-Ortspartei verlangte Parteidenken, das ich hier als zweitrangig und nicht weitsichtig ansah. Zudem fehlte mir die Loyalität, die wir als eigenständige, liberale Parteileute erwarten dürften», sagte Briner jüngst in einem AZ-Interview mit etwas Abstand über ihren Parteiaustritt.

Ende März wird sie nun auch vorzeitig – vor Ablauf der regulären Amtsperiode Ende Jahr – aus dem Stadtrat zurücktreten. Um ihre Nachfolge bewerben sich fünf offizielle Kandidatinnen und Kandidaten.

«Die FDP hat schon immer viel Verantwortung übernommen»

Die AZ hat sie provokativ gefragt, ob der bisherige Briner-Sitz nicht bürgerlich bleiben müsste. Angesichts der Tatsache, dass Briner bis aufs letzte halbe Jahr fast acht Jahre lang für die FDP im Gremium sass.

Sandro Schmid - Kandidat GLP.

Sandro Schmid - Kandidat GLP.

Eine pointierte Meinung dazu hat Sandro Schmid, der für die GLP antritt. Er meint: «Bei den letzten Grossratswahlen hat die GLP das viertbeste Resultat erzielt und mehr Stimmen erhalten als die FDP. Auch muss sich die Partei nicht wundern, wenn man einen solchen Ton wie bei der Abstimmung zur Steuererhöhung gegen seine eigenen Parteimitglieder anschlägt, dass Personen aus der Partei austreten. Die FDP kann froh sein, dass sie überhaupt noch im Stadtrat vertreten ist.»

Cyril Lilienfeld - Kandidat FDP.

Cyril Lilienfeld - Kandidat FDP.

Für die FDP soll Parteipräsident Cyril Lilienfeld den verlorenen Platz im Stadtrat wieder zurückholen. Für ihn ist klar: «Natürlich würden wir als FDP diesen Sitz gerne wieder bei uns sehen. Die FDP Bremgarten hat schon immer in der Stadt viel Verantwortung übernommen, und dies widerspiegelt sich auch in der Anzahl Sitze in der Stadt-Regierung und den Kommissionen.»

Stefan Hausherr - Kandidat parteilos.

Stefan Hausherr - Kandidat parteilos.

Als Parteiloser stellt sich Stefan Hausherr zur Wahl. Der 54-Jährige hat als ehemaliger Bremgarter FDP-Präsident aber eine klare politische Herkunft. Hausherr erklärt denn auch wenig überraschend: «Seit jeher setzte ich mich für eine liberale und bürgerliche Politik ein, somit würde mit mir als Stadtrat der Sitz bürgerlich bleiben.» Zudem schlägt ihn auch die SVP zur Wahl vor, die keinen eigenen Kandidaten stellt.

Claudia Bamert - Kandidatin Läbigs Bremgarte.

Claudia Bamert - Kandidatin Läbigs Bremgarte.

Ganz sicher nicht der Fall wäre dies bei einer Wahl von Claudia Bamert. Sie wurde von der Gruppierung «Läbigs Bremgarte» portiert. Zudem wird sie offiziell auch von der SP Bremgarten unterstützt. Bamert antwortet ihrerseits: «Auf Ebene der Bremgarter Exekutive gibt es keine Zauberformel wie beim Bundesrat. Aus meiner Sicht sollte der Mensch und dessen Sozial- und Fachkompetenz für eine Wahl ausschlaggebend sein.»

Norbert Joller - Kandidat parteilos.

Norbert Joller - Kandidat parteilos.

Über die Fragestellung erstaunt zeigt sich Norbert Joller (parteilos). «Wenn die fünf Sitze im Rathaus nach Parteien angeschrieben wären, so würde sich dieses Wahlprozedere ja erübrigen und wir müssten vermutlich den Begriff der Demokratie neu umschreiben.» Und er fügt mit einem lachenden Smiley nicht ohne Hintergedanken hinzu: «Monika Briner übergibt ihr Amt als Parteilose. Mein Fazit aus dieser Frage: Der freiwerdende Sitz müsste eigentlich parteilos bleiben.»

Den Entscheid wird der Souverän Anfang März fällen. Angesichts der Vielzahl an Kandidaten ist es aber sehr wahrscheinlich, dass es zu einem zweiten Wahlgang kommen könnte.