Bremgarten
Konkurrenten auf der Reuss – aber ausserhalb des Wassers wie eine grosse Familie

Bei den vom Wassersport-Club Bremgarten ausgerichteten Schweizer Meisterschaft im Einzelfahren herrschte familiäre Stimmung. 500 Wettkämpfer von 32 Mannschaften schweizweit massen sich in der Traditionssportart Wasserfahren – beobachtet, begleitet und angefeuert von zahlreichen Zuschauern.

Verena Schmidtke
Drucken
Teilen

Schweizer Meisterschaft im Einzelfahren

Verena Schmidtke

Der Wassersport-Club Bremgarten richtete am Wochenende die Schweizer Meisterschaft im Einzelfahren aus. 32 Mannschaften aus der gesamten Schweiz nahmen daran teil – die Stimmung war bereits am frühen Morgen sehr gut.

Mit einiger Mühe steuerte die junge Wasserfahrerin den Weidling, also das Boot, gegen die Strömung der Reuss Richtung Ufer. Die Zuschauer unterstützten sie dabei nach Kräften: «Hopp, hopp! Nicht mehr weit, gleich hast du es geschafft.» Wenig später hatte die Wettkämpferin den Zielpunkt erreicht, glücklich und ein bisschen abgekämpft winkte sie den Leuten an Land zu.

Start in der Nähe des Hexenturms

Der erste Start, geregelt durch eine Ampel, erfolgte um Punkt 8 Uhr in Nähe des Hexenturms. Als Ausrichter hatten die Mitglieder des Wassersport-Club Bremgarten die Ehre, die Wettkämpfe einzuläuten. Von Beginn an herrschte gute Stimmung. Lautstark wurden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen durch den anspruchsvollen Parcours begleitet, bei Schwierigkeiten, gab es hilfreiche Tipps – Vereinsgrenzen spielten dabei keine Rolle. Nicole Hürlimann, die Medienverantwortliche des WSC Bremgarten, informierte:

«Wasserfahren ist eine Schweizer Traditionssportart, die auch nur hier ausgeübt wird.»

An diesem Wochenende nehmen 500 Wetterkämpfer aus 32 Vereinen an der Schweizer Meisterschaft im Einzelfahren teil. Der Bremgarter Verein sei der einzige im Freiamt.

Der Wassersport-Club Bremgarten richtete am Wochenende die Schweizer Meisterschaft im Einzelfahren aus.

Der Wassersport-Club Bremgarten richtete am Wochenende die Schweizer Meisterschaft im Einzelfahren aus.

Verena Schmidtke / Aargauer Zeitung

Um den Weidling möglichst schnell durch den Parcours zu steuern, benötigen die Wasserfahrer unter anderem Ruder und Stachel. Letztgenannter hilft dabei, sich im Wasser abzustossen. Bei Fehlern gebe es Strafsekunden. «Auf dem Wasser ist man zwar Konkurrent», so Hürlimann, «doch später unterstützen wir uns gegenseitig. Die Vereine sind wie eine grosse Familie. Durch gemeinsame Jugendlager kennen sich die Wasserfahrer alle recht gut.» Selbst als Nicht-Wassersportler war man schnell von dem sympathischen Miteinander eingenommen.

Anfeuern der Fahrer anderer Vereine gehört dazu

Für Alex Bieri vom Wassersportverein Aarau ist es selbstverständlich, auch die Wettkämpfer anderer Vereine anzufeuern. Als Bremgarten 2007 die Meisterschaft ausrichtete, war er schon mit dabei: «Da war ich als Neunjähriger der jüngste Starter.» Zwischendurch entschuldigte er sich, um den nächsten vorbeifahrenden Wettkämpfer zu unterstützen. «Es geht sehr familiär zu, wir helfen uns alle untereinander», erläuterte er gut gelaunt.

Um den Weidling möglichst schnell durch den Parcours zu steuern, benötigen die Wasserfahrer Ruder und Stachel.

Um den Weidling möglichst schnell durch den Parcours zu steuern, benötigen die Wasserfahrer Ruder und Stachel.

Verena Schmidtke / Aargauer Zeitung

Bis zum sechsten Monat noch auf dem Wasser

Eigentlich ist Judith Baumann ebenfalls aktive Wasserfahrerin, doch da sie schwanger ist, verfolgten sie und Söhnchen Joshua, 5, das Geschehen vom Ufer aus. «Bis zum sechsten Monat war ich noch auf dem Wasser, in meinem Tempo, so wie es passte», berichtete sie schmunzelnd. Zum Sport sei sie durch die Familie gekommen. Sie teilt mit:

«Da sind irgendwie alle eingebunden. Also habe ich es auch probiert – es ist ein sehr effektives Training. Joshua fährt übrigens auch schon mit.»

Zuschauer an der Meisterschaft waren grösstenteils Teilnehmer und deren Begleiter. «Das ist ganz neu für mich. Ich bin mit einem Kumpel hier, der selbst fährt. Die Stimmung ist lustig, es ist ein sehr nettes Miteinander», erzählte Isabel aus Österreich. «Es ist einfach ein toller Sport», stellte Nicole Hürlimann abschliessend fest, «wir sind bei fast jedem Wetter draussen. Ausserdem ist es spannend, quasi das Wasser zu lesen und sich anzupassen. Dazu kommt dann noch die gute Kameradschaft.»

Aktuelle Nachrichten