Bremgarten
Bremgarten bietet Badi feil – Gemeinden der Region sollen sie übernehmen

In wenigen Jahren soll eine Trägerschaft mit Partnergemeinden das Hallen- und Freibad Isenlauf weiterführen. Vorher muss diese für 6 Millionen Franken saniert werden, an der «Gmeind» vom 11. Dezember wird über das Sanierungsmodell abgestimmt.

Lukas Schumacher
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Abnehmer für die Bremgarter Anlage Isenlauf mit Freibad und Hallenbad (mittleres Gebäude im Hintergrund) gesucht.

Abnehmer für die Bremgarter Anlage Isenlauf mit Freibad und Hallenbad (mittleres Gebäude im Hintergrund) gesucht.

sl/AR

Kommentar

Zweierlei Badi-Eintrittspreise

Vor 40 Jahren baute Bremgarten das Hallen- und Freibad Isenlauf für gut 4 Mio. Franken. Seither kamen Erweiterungen, Sanierungen und Erneuerungen im Betrag von 10 Mio. Franken hinzu. Nebst diesen Investitionskosten hatte Bremgarten stets auch das Betriebsdefizit der Anlage zu tragen. Es beläuft sich inzwischen auf gut 400 000 Franken im Jahr, Tendenz
steigend.

Zunehmend bröckelt die Bereitschaft in Bremgarten, stets alleine für den Betrieb und die Erneuerung der Badi aufkommen zu müssen. Das ist verständlich. Denn gemäss aktuellen Zählungen wohnt nur jeder dritte Freibadbesucher und nicht einmal jeder vierte Hallenbadbenützer in Bremgarten. Die Mehrheit der Besucher kommen von auswärts. Das gut ausgelastete Hallenbad, notabene das einzige im Freiamt, hat fraglos eine regionale Funktion.

Jetzt steht eine weitere Sanierungsrunde an. Nochmals und letztmals will Bremgarten eine Badi-Sanierung durchziehen und finanzieren. Danach möchte der Stadtrat die Anlage an einen Trägerverband abtreten, den mehrere Partnergemeinden bilden sollen. Wie dieser Vorschlag in den Gemeinden der Region ankommt, wird sich zeigen. Klar ist die Absicht: Künftige Kosten bei Defiziten und Erneuerungen der Badi sollen breiter, fairer aufgeteilt werden. Ein gangbarer, vernünftiger Weg.

Eine gemeinsame Trägerschaft mit Rechten und Pflichten der beteiligten Gemeinden könnte durchaus funktionieren. Wichtiger Pfeiler einer solchen Verbandslösung müssten zweierlei Badi-Eintrittspreise sein. Bewohner aus Gemeinden, die dem Verband angehören und jährlich Betriebszahlungen leisten, sollten die Badi günstiger benützen dürfen. Besucher aus Nicht-Verbandsgemeinden dagegen müssten einen Aufpreis zahlen. (Lukas Schumacher)

In zwei bis drei Jahren sollen mehrere Gemeinden eine Trägerschaft gründen und die Bremgarter Badi fortan im Verbund führen. Dass Bremgarten als Standortgemeinde der Anlage in der geplanten neuen Trägerschaft mitmachen würde, versteht sich von selbst.

Zwei Fakten veranlassten den Stadtrat zum Feilbieten des Hallen- und Freibads.

Zum einen fasste die Stadtbehörde bei der grossen Badi-Umfrage 2014 den Auftrag, sich nach Partnergemeinden umzusehen; 705 Bremgarterinnen und Bremgarter hatten den Umfragebogen des Meinungsforschungsinstituts GfK ausgefüllt. Zum andern ist die Badanlage eine kostspielige Angelegenheit.

Das Freibad und das einzige Hallenbad im Freiamt verursachen zusammen jährlich ein Betriebsdefizit in der Grössenordnung von gut 400 000 Franken. Ob man als Zentrumsgemeinde diese Last Jahr für Jahr wirklich alleine tragen muss, wird im Reussstädtchen vermehrt hinterfragt.

«Wir machen die Hausaufgaben»

Bremgartens Stadtbehörde will dem geplanten Gemeindeverband eine sanierte Badanlage übergeben. «Diese Hausaufgabe werden wir machen», sagt Bremgartens Stadtammann Raymond Tellenbach, «sie ist absolute Pflicht.» Ein Sanierungsmodell zu Kosten von 6 Mio. Franken soll umgesetzt werden.

Dieses Erneuerungspaket, das Bremgarten bis 2016 verwirklichen möchte, umfasst die aufwendige Sanierung der Technik und die Sanierung des Freibad-Garderobengebäudes. Unter anderem will man die elektrischen Anlagen ersetzen, die Wasseraufbereitung von Hallenbad und Freibad entflechten, die Lüftungsanlage zum Teil erneuern, die Ölheizung ausmustern, neue Fenster montieren, die Bodenheizung sanieren, Garderoben und Toiletten erneuern und das Hallenbadbecken mit einer Folie samt LED-Leuchten ausstatten.

An der «Gmeind» vom 11. Dezember im Casino stimmen die Bremgarter über das Sanierungsmodell ab. Dann dürfte auch bekannt sein, wie die Chancen einer Trägerschaft mit Partnergemeinden stehen.

«Regionale Bedeutung gegeben»

Fürs grosse Vorhaben «Überdachte regionale Eisbahn Freiamt» erhält die Nachbargemeinde Wohlen aus dem Swisslos-Sportfonds einen ausserordentlichen Beitrag von 3 Millionen Franken. Dies hat der Regierungsrat Anfang September beschlossen. Mit dem Swisslos-Geld kann Wohlen gut einen Viertel des Eisbahn-Projekts finanzieren.

Eine ähnlich grosszügige Unterstützung aus dem Sportfonds erhofft sich der Stadtrat Bremgarten für die anstehende Badi-Sanierung. «Auch unser Hallenbad hat regionale Bedeutung», merkt Bremgartens Stadtammann Tellenbach an, «es ist ja das einzige Hallenbad in den Bezirken Bremgarten und Muri.

Ein Zustupf aus dem Swisslos-Fonds in der Grössenordnung von einem Viertel der Sanierungskosten wäre hochwillkommen.» Ein Viertel der 6 Mio. Franken teuren Sanierung macht 1,5 Mio. Franken Swisslos-Geld.

Bei der Auswertung der Badi-Umfrage vom Mai 2014 zeigte sich, dass die Einwohnergemeinde die Badsanierung nicht ohne die vermögende Ortsbürgergemeinde Bremgarten stemmen soll. 63% der Befragten wünschten eine Mitfinanzierung durch die Ortsbürgergemeinde. Ob und wie sich die Ortsbürgergemeinde zu beteiligen gedenkt, steht noch nicht fest. Gespräche mit Ortsbürger-Verstretern stehen an.

78% der Hallenbadgäste wohnen nicht in Bremgarten

Die Freizeit-, Sport- und Gesundheitsstätte Badi Isenlauf ist beliebt. Im Schnitt der letzten Jahre zog das Hallenbad jährlich rund 70 000 Gäste an, das Freibad jährlich rund 60 000.
Aktuelle Zählungen belegen: Nur 22% der Hallenbadbesucher wohnen in Bremgarten. 45% der Hallenbadbenützer kommen aus Gemeinden der Region. Zufikon führt diese regionale Tabelle mit 9% an, gefolgt von Wohlen mit 8 und Berikon mit 6%. Im Mittelfeld der regionalen Feinaufteilung mit je 3% Hallenbadbesuchern liegen die Gemeinden Rudolfstetten, Widen, Fischbach-Göslikon, Waltenschwil und Oberwil-Lieli. 33% der Bremgarter Hallenbadbenützer und somit ein Drittel wohnen in Gemeinden ausserhalb der Region.
Ein anderes Bild vermittelt die Zählung der Freibadgäste. 38% der Freibadnutzer sind in Bremgarten wohnhaft. Zufikon stellt mit 8% am zweitmeisten Freibadgäste, gefolgt von Berikon mit 5, Wohlen mit 4 und Rudolfstetten mit 3 %. Neun weitere Gemeinden der Region weisen Freibadgastanteile von je 1 bis 2% auf. Ausserregionale Freibadbesucher machen 28% aus.
Vor allem die vielen Hallenbadbenützer, die nicht in Bremgarten wohnen, sprechen für eine neue, regionale Trägerschaft der Anlage. (sl)