Prozess in Bremgarten

Brandstiftung im «Casa Loca»: Wirtepaar-Verteidiger fordert Freispruch, Staatsanwalt Gefängnis und Landesverweis

Villmergen: Brand zerstört das Restaurant «Mi Casa Loca» vollständig

Villmergen 2019: Ein Brand zerstörte das Restaurant «Mi Casa Loca» vollständig.

Das Wirtepaar, das angeblich das Casa Loca in Villmergen anzünden liess, stand am Donnerstag vor Gericht. Klarer wurde der Fall dadurch kaum.

Es war im Februar 2019. Das Restaurant Casa Loca in Villmergen brannte komplett aus. Die Polizei kam schnell einmal zum Schluss: Es war Brandstiftung. Einige Zeit später wurde das Wirtepaar festgenommen. Der Verdacht: Sie hätten das Lokal, welches nicht besonders gut lief, anzünden lassen, um die Versicherungssumme von 300'000 Franken abzukassieren. Doch der Verdacht erhärtete sich nicht. Die beiden wurden nach der Untersuchungshaft freigelassen.

Kurz darauf wurden sie allerdings wieder festgenommen: Der Mann, nennen wir ihn Piero, soll in Untersuchungshaft seinem Zellengenossen die Geschichte gebeichtet haben. So sei der gebürtige Italiener in sein Heimatland gereist und habe zwei Landsleuten insgesamt 5000 Euro dafür versprochen, dass sie sein Lokal niederbrennen. Mit der Versicherungssumme, so offenbar der Plan, hätte er sich mit seiner Frau ins Ausland absetzen wollen. Sein Zellengenosse erzählte daraufhin dem Staatsanwalt die Geschichte. Piero wie auch seine Frau bestritten die Vorwürfe jederzeit.

Für Anstiftung zur Brandstiftung, nebst anderen Nebendelikten, musste Piero nun gestern Mittwoch zusammen mit seiner Frau vor dem Bezirksgericht Bremgarten antraben. Es wurden eine langwierige Verhandlung. Die Frage, was nun wirklich passiert war, konnte indes nicht wirklich beantwortet werden. So nahmen sich die Richter rund um Gerichtspräsident Raimond Corboz dann auch zusätzlich Zeit für das Urteil heraus. Es soll Mitte nächster Woche ergehen.

Staatsanwalt fordert Gefängnis und Landesverweis

Für die Staatsanwaltschaft war die Sache klar. Das Restaurant lief nicht gut. Schulden wurden angehäuft, mit der Miete kam das Wirtepaar in Verzug. Mit verschiedenen Versicherungsbetrügen habe man sich eine Weile über Wasser gehalten. So habe Piero etwa ungerechtfertigt Taggelder der Suva bezogen. Nach einem Unfall konnte er auf seinem alten Beruf, Fugenspezialist, nicht mehr arbeiten. Er hätte daraufhin aber im gemeinsamen Restaurant gearbeitet. Das hätte er, nach Auffassung der Staatsanwaltschaft, der Suva melden müssen, der Anspruch auf Taggelder hätte sich dadurch verringert.

Weiter hätte das Wirtepaar mehrmals Schäden vorgetäuscht, einmal einen Windschaden, ein andermal einen angeblichen Blitzeinschlag, wieder ein ander mal angeblicher Vandalismus. Jedes Mal bekamen sie den Schaden von der Versicherung erstattet. Diese Vorfälle, so die Staatsanwaltschaft, hätte es gar nicht gegeben. Piero habe den Schaden angerichtet, um mit dem Versicherungsgeld die Miete zu bezahlen.

Zu guter Letzt, so die Staatsanwaltschaft weiter, hätten die beiden das gesamte Restaurant niederbrennen lassen, um sich mit dem Geld der Versicherung davonzumachen. Der Zellengenosse habe die Vorfälle so detailreich und glaubwürdig wiedergeben können, dass er sie nur von Piero persönlich hätte erfahren können. Für die Staatsanwaltschaft Beweis genug, um für Piero acht Jahre Gefängnis, für seine Frau sechs Jahre, gefolgt von einem jeweils 15-jährigen Landesverweis zu fordern.

Nicht gerade in ein besseres Licht rückte sich Piero dadurch, dass er sich bei der Aussage immer wieder in Widersprüche verwickelte und teilweise das genaue Gegenteil dessen behauptete, was mehrere Zeugen ausgesagt hatten. Zudem haben er, wie auch seine Frau, mehrere Vorstrafen vorzuweisen. So zog sich seine Befragung durch die Richter, während der er unter Tränen seine Unschuld beteuerte, fast den ganzen Morgen hin.

Verteidigung fordert vollumfänglichen Freispruch

Deutlich weniger klar indes war der Fall für die Verteidigung. Die Versicherungsbetrüge wurden als komplett haltlos zurückgewiesen. Die Taggelder der Suva seien korrekt bezogen worden, ob Piero nebenbei eine andere Tätigkeit ausgeübt hatte, spiele gar keine Rolle. Und die Versicherungen hätten die Vorfälle wie den Blitzeinschlag nie angezweifelt. Bleibt der Vorwurf der Anstiftung zur Brandstiftung. Die Kläger bauten ihre Argumentation um die Aussage des Zellengenossen von Piero auf. Und dessen Glaubwürdigkeit stellten beide Verteidiger in Frage.

So weigerte sich der Zeuge auch am Verhandlungstag, Fragen zu beantworten, wieso er sich an den Staatsanwalt gewandt hatte. «Es gibt einen Grund, dass der Zeuge keine Fragen beantwortet hat. Sein Motiv kennen wir nicht. Aber alleine das macht ihn schon unglaubwürdig», argumentierte der Verteidiger von Piero. Dazu kam, dass sich auch der Zellengenosse in seinen Aussagen in Widersprüche verstrickte. Am Ende gebe es schlicht zu wenig Belege dafür, dass das Wirtepaar tatsächlich etwas mit dem Brand zu tun gehabt hatte. Deshalb wurden für beide Beschuldigten Freisprüche gefordert.

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