Auf einem kleinen Tisch in der Mitte des Raumes steht eine Handtasche von Liebeskind und von den Bügeln leuchten teure Markenjeans. Der Vorraum zum Nähatelier von Elsbeth Schmid und Nadia Schwarz wirkt wie eine noble Boutique. «Viele sind überrascht und fragen: Was, das ist Secondhand?», erzählt Schwarz. Seit anderthalb Jahren bieten sie und ihre Kollegin Elsbeth Schmid in ihrem Nähatelier zusätzlich auch Kleider aus zweiter Hand an.

In ihrem Atelier findet man aber nicht einfach irgendwelche Kleidung: «In unserem Laden erhält man Markenkleider und Accessoires, die zum Teil sehr teuer waren. Viele Leute können es sich nicht leisten, in einer Boutique einzukaufen, doch bei uns erhalten sie die Stücke zu einem guten Preis», sagt Schmid. Das und der gepflegte Eindruck des Ladens werden von ihren Kunden sehr geschätzt und in Feedbacks auch immer wieder gelobt.

Zu wenig Platz für Männer

Das Kleider- und auch das Nähgeschäft von Schmid und Schwarz läuft gut. Sie haben viele Stammkunden, aber auch laufend neue Besucher in ihrem Laden. Zu Beginn seien es vor allem Leute gewesen, die ins Nähatelier kamen und sich bei dieser Gelegenheit gleich zwischen den Kleiderständern umgeschaut haben. Ihr spezielles Angebot hat sich schnell rumgesprochen. So haben sie heute auch Kunden, die nur wegen der Kleider vorbeikommen. Die Geschäftsinhaberinnen erhalten vermehrt Anfragen, ob sie nicht auch Männerkleidung in ihr Sortiment aufnehmen möchten. «Leider sind wir vom Platz her sehr gebunden», erklärt Schmid die Lage. Momentan überlegen sich die beiden, ob sie demnächst in ihrem Atelier jemandem im Beruf Textilgestaltung die Möglichkeit zu einer Ausbildung geben möchten.

Keine Feinde von Online-Shops

Während viele Kleiderläden, auch das Secondhandgeschäft Marianne in Wohlen (die AZ berichtete), in einem Konkurrenzkampf mit den Online-Kleiderverkäufern stehen, profitiere das Geschäft von Schwarz und Schmid von ihnen. Viele ihrer Kunden kaufen teure Kleider online, die dann nicht passen. Diese bringen sie entweder zur Abänderung oder zum Weiterverkauf vorbei. «Noch nie haben wir so viele Abendkleider abgeändert wie in diesem Jahr», bestätigt Schmid.

Wer ein Kleidungsstück bei Schmid und Schwarz verkaufen kann, erhält 40 % des Geldes. Ein paar Richtlinien müssen die Lieferanten aber beachten: «Wir verkaufen nur Kleider, die in einem guten Zustand und nicht älter als zwei Jahre sind», stellt Schwarz klar. Sie würden aber auch mal ein Teil von Zara oder h&m in ihr Sortiment aufnehmen, wenn es eine gute Qualität aufweist. Die beiden geben sich Mühe, möglichst alle Wünsche ihrer Kunden zu erfüllen. Wer jedoch einen echten Pelzmantel suche, der werde bei ihnen nicht fündig. «Schwierig wird es zum Beispiel auch bei Motorradbekleidung. Diese Materialien sind ziemlich dick. Dazu haben wir nicht die passenden Nähmaschinen.»