Hochwasserschutz
Boswiler wollen keine nassen Füsse riskieren

Der Wissenbach in Boswil soll durch mehrere Baumassnahmen gezähmt werden. Kostenpunkt: knapp 5 Millionen Franken.

Celine Arnold
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Silvio Moser, Gemeindeammann Michael Weber, Projektleiter Roland Steiner und Markus Zumsteg (von links) stellten das Projekt vor. CA

Silvio Moser, Gemeindeammann Michael Weber, Projektleiter Roland Steiner und Markus Zumsteg (von links) stellten das Projekt vor. CA

«Im Juni 2007 richtete der Wissenbach grosse Schäden an, als er nach starkem Niederschlag über die Ufer trat», sagte der Boswiler Gemeindeammann Michael Weber an einer Informationsveranstaltung.

Weber zeichnete in der Mehrzweckhalle ein einschneidendes Ereignis in der jüngeren Boswiler Geschichte nach. «Dramatisches» habe sich abgespielt, «machtlos» seien die Boswiler den sumpfigen Wassermassen gegenübergestanden, so Weber. Die kantonale Gefahrenkarte und die Schutz-Defizitkarte weisen für die Siedlung entlang dem Wissenbach teilweise erhebliche Schutzdefizite aus.

Ein Ärgernis

Die Umstände klingen dramatisch, sind aber wohl vor allem ärgerlich. Der Wissenbach trat vor 2007 lediglich in den Jahren 1975, 1987 und 1999 über die Ufer. Dabei fielen aber aufwendige Aufräumarbeiten und erhebliche Kosten an. Solche Ereignisse wollen die Boswiler nicht noch einmal erleben, weshalb Wasserbauexperten einen Plan zur Sanierung des Wissenbachs zusammenstellten, um Überflutungen vorzubeugen.

Rücksicht auf Ortsbild und Natur

Wasserbauspezialist Silvio Moser und Projektleiter Roland Steiner stellten das Projekt vor. «Sanierungen sind vor allem oberhalb der Kantonsstrasse nötig, wo das Abflussvolumen bescheiden ist», erklärte Moser. Stellenweise sollen die Uferpartien des Bachs im 12 Quadratkilometer grossen Einzugsgebiet erhöht, mancherorts auch abgeflacht werden. Dies vor allem im Bereich Grottenweg bis Kirchweg. So sollen statt der aktuellen 10 Kubikmeter bis zu 22 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abfliessen können. Das sei bei einem «Jahrhundertereignis» nötig, so Silvio Moser.

Im Bereich der Mühle soll der Geschiebesammler vergrössert werden. Im Sammler, der wie eine übergrosse Badewanne funktioniert, setzt sich mitgeschwemmtes Material ab, vorab Holz und Steine. Die Durchlässe des Forstbachs sollen im Bereich Kabistrasse auf 9 Kubikmeter pro Sekunde erweitert werden. Auf dem Abschnitt Mühle bis Grottenweg seien hingegen keine Massnahmen nötig, erläuterte Roland Steiner, auch werde das bestehende Wäldchen belassen. Bei der Sanierung wolle man neben dem Ortsbild auch die Natur berücksichtigen. So wird die Gewässersohle – der Boden des Bachbetts – nicht ganz geschiebefrei bleiben, um Fischen das Laichen zu ermöglichen. «Nach einigen Jahren wird im Bachbett auch Gras zu wachsen beginnen», erläuterte Steiner.

«Gute Wartung ist wichtig»

Nach der Projektpräsentation meldeten sich einige der rund 50 anwesenden Boswiler zu Wort. Besonders wichtig war ihnen die Versicherung der Projektverantwortlichen, dass der Bach bei den kritischen Stellen gut gewartet und regelmässig geräumt werde. «Sonst nützt auch die beste Projektsanierung nichts», meinte ein Bewohner. In der offenen Runde wurde deutlich, dass den Boswilern die Sanierung des Wissenbachs am Herzen liegt. Mehr als einer fühlte sich vom gelegentlich anschwellenden Bächlein beeinträchtigt.

Kosten betragen 4,9 Mio. Franken

Sollte das Projekt von den Boswiler Bewohnern gutgeheissen und realisiert werden, wird die Gemeinde in die Tasche greifen müssen. Von den Kosten im Gesamtbetrag von 4,9 Mio. Franken tragen der Bund 35 Prozent und der Kanton 39 Prozent. Unter dem Strich bleiben der Gemeinde Boswil Kosten von 1,274 Mio. Franken. Markus Zumsteg, der Leiter der kantonalen Sektion Wasserbau, betonte, dass die Kosten-Nutzen-Rechnung ein sehr gutes Resultat ergebe.

Der Beginn der Sanierungsarbeiten ist 2015 vorgesehen. Im Jahr 2017 soll das Gesamtprojekt verwirklicht und der Wissenbach gezähmt sein.

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