Zusammenschluss
Boswil und Bünzen möchten fusionieren – und informieren per Livestream

Die zwei Gemeinden informierten im Livestream über eine mögliche gemeinsame Zukunft. Die Transparenz ist dabei ein zentraler Punkt.

Melanie Burgener
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Gemeindeammänner Michael Weber (Boswil, links) und Marlise Müller- Dietrich (Bünzen) informierten live mit Hans Vogel.

Gemeindeammänner Michael Weber (Boswil, links) und Marlise Müller- Dietrich (Bünzen) informierten live mit Hans Vogel.

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Wenn die Vernunft und das Herz eine Übereinkunft treffen und zwei Parteien Hochzeit feiern, dann wird es in den meisten Fällen emotional. Zuvor werden häufig auch die rationalen Punkte abgewägt. Lohnt sich eine solche Eheschliessung? Was sind die Vor- und was vor allem auch die Nachteile?

Mit solchen Fragen beschäftigen sich aber nicht nur Ehepaare, sondern auch die Behörden der beiden Gemeinden Boswil und Bünzen. Und das seit über einem Jahr. Während der kommenden anderthalb Jahre soll entschieden werden, ob die Gemeinden weiter eigenständig bleiben oder sich zusammenschliessen. Die ersten Erkenntnisse zu diesem Projekt wurden der Bevölkerung vorgestern Donnerstag präsentiert.

Stimmberechtigte haben immer das letzte Wort

Bei der Entwicklung des möglichen Zusammenschlusses sei Transparenz wichtig, betonten die beiden Gemeindeammänner Marlise Müller-Dietrich aus Bünzen und Michael Weber aus Boswil gleich zu Beginn der Veranstaltung, die coronabedingt online als Livestream stattgefunden hat. «Wir wollen eine Entscheidungsgrundlage für die Abstimmung bieten. Denn die Stimmberechtigten haben in Allem das letzte Wort», erklärte Müller.

Sollte sich das Volk im Herbst 2022 an der Urne für eine Fusion entscheiden, entsteht eine Gemeinde mit rund 4000 Einwohnern. «Zusammen mit Sins wäre das die Zweitgrösste im Bezirk Muri», erläuterte Hans Vogel, externer Projektleiter und Politologe. Eine Gemeinde von solcher Grösse würde viele, hauptsächlich rationale Vorteile mit sich bringen. Die meisten davon betreffen die öffentlichen Aufgaben.

Einerseits würde eine Fusion den Einfluss der Gemeinde in der regionalen aber auch überregionalen Politik stärken. Andererseits entlaste sie Verwaltung und Verwaltungsangestellte. Diese müssen aktuell die Aufgaben in allen Bereichen erfüllen, so Vogel. In Bünzen herrsche ein Mangel an Personal. Viele Aufgaben werden deshalb ausgelagert. Eine Fusion würde eine Spezialisierung der Mitarbeitenden erlauben und so die Eigenständigkeit der Gemeinden stärken.

Beide Gemeinden würden finanziell profitieren

Auch finanziell könnten sie profitieren. Bünzen übernimmt bei einer Fusion den tiefen Steuerfuss von 101 Prozent von Boswil. Ihre Mitgift ist die gute Vermögenssituation. Zudem steuert der Kanton einen Beitrag von rund 6 Mio. Franken zum Zusammenschluss bei und würde damit unter anderem den Ertragsausfall durch die Steuersenkung wettmachen, sodass zum Schluss, wie Vogel erklärte, ein Ertragsüberschuss entstehen würde.

Angst vor Verlust von Heimatgefühl und Identität

In den Dörfern selbst würde sich nebst der Verwaltung nicht viel ändern, wie Müller und Weber betonten. Beide Schulstandorte bleiben erhalten, und auch die Kirchgemeinden sowie Kultur und Sportvereine würden nicht tangiert. Ebenso blieben die Postleitzahlen unangetastet.

Ein Risiko könnten die Identitäten der Bosmeler und Bünzer sowie ihre persönlichen Verbindungen mit ihren Dörfern darstellen. Den Verantwortlichen ist bewusst, dass einige Angst vor dem Verlust von Heimatgefühlen und Identität haben könnten. Der Name der neuen Gemeinde könnte da Abhilfe schaffen, waren sich die Gemeindeammänner einig. Von allen Möglichen Varianten schien der Favorit der Gemeinderäte der Doppelname Boswil-Bünzen zu sein. Da und ebenso beim neuen Wappen dürften die Einwohner aber noch mitbestimmen, versicherten sie.

Zu diesem und weiteren Themen dürfen die Bewohnerinnen und Bewohner beider Dörfer nun in einem anonymen Fragebogen mitreden. Was dabei rauskommt und was die Gemeinderäte entscheiden, teilen sie an der nächsten Infoveranstaltung am 10. März mit.