Boswil und Bünzen
Überraschung nach Umfrage: Die älteste Generation spricht sich am deutlichsten für eine Fusion aus

59 Prozent der Boswiler und 62 Prozent der Bünzer stimmten in der Befragung Anfang Jahr für einen Zusammenschluss der beiden Gemeinden. Nun liegen weitere Details zur Umfrage vor.

Pascal Bruhin
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Den Bahnhof teilen sich Boswil und Bünzen bereits.

Den Bahnhof teilen sich Boswil und Bünzen bereits.

Marc Ribolla

Alleingang oder Zusammenschluss? Diese Frage beschäftigt die Gemeinderäte von Boswil und Bünzen schon seit rund einem Jahr. Um herauszufinden, ob eine Fusion für die Bevölkerung der beiden Gemeinden überhaupt vorstellbar wäre, wurde Anfang dieses Jahres eine Befragung derer durchgeführt. Und das Resultat war eindeutig: 59 Prozent der Boswiler und 62 Prozent der Bünzer wollen den weiteren Weg zusammen gehen.

Am Donnerstagabend informierten nun die Bünzer Frau Gemeindeammann Marlise Müller-Dietrich und der Boswiler Gemeindeammann Michael Weber gemeinsam mit dem Experten Hans Vogel über die Details der Befragung und über das weitere Vorgehen im Zusammenschlussprojekt. Coronabedingt fand der Infoanlass per Livestream statt. Die Bevölkerung war eingeladen, am Anschluss an die Präsentation, ihre Fragen zu stellen.

In Scherz und Lupfig war die Zustimmung vor der Fusion deutlich tiefer

«Die wichtigste Botschaft ist, dass eine grosse Mehrheit einen Zusammenschluss favorisiert», resümierte Hans Vogel das Resultat der Umfrage. Als ehemaliger Gemeindeammann von Scherz hat er die Fusion seiner Gemeinde mit Lupfig 2018 vorangetrieben und betreut nun als externer Projektbegleiter den Zusammenschluss von Boswil und Bünzen.

Er betonte, dass bei einer ähnlichen Befragung der Scherzer und Lupfiger damals die Zustimmung deutlich weniger hoch ausfiel. Insofern begrüsst er das «erfreulich eindeutige Resultat» der Boswiler und Bünzer. Ebenso freute er sich über die grosse Beteiligung an der Befragung, die mit 51 Prozent in Bünzen und 39 Prozent in Boswil eher höher lag als bei einer eidgenössischen Abstimmung. Damit sei sie repräsentativ für den politisch aktiven Teil der Bevölkerung.

Überraschenderweise stimmten die Älteren eher für die Fusion als die Jungen

Ein genauerer Blick auf die Resultate verrät dann Erstaunliches: Experte Hans Vogel erläuterte:

«Wir gingen davon aus, dass je älter die Befragten sind, desto höher ihre Skepsis ist. Das hat sich nicht als richtig erwiesen.»

Tatsächlich stimmten sowohl in Boswil, als auch in Bünzen die Über-60-Jährigen am deutlichsten für einen Zusammenschluss. In Boswil waren es 60,6 Prozent, in Bünzen gar 66 Prozent.

In Boswil sagten 60,6 Prozent der über 60-Jährigen Ja zum Zusammenschluss.

In Boswil sagten 60,6 Prozent der über 60-Jährigen Ja zum Zusammenschluss.

Screenshot

Bei den 36- bis 60-Jährigen betrug die Zustimmung 59,3 respektive 61,5 Prozent. Am wenigsten von einem Zusammenschluss halten laut Befragung die Bis-35-Jährigen. 54,4 Prozent in Boswil und 55,9 Prozent in Bünzen stimmten für die weitere Prüfung einer Fusion.

Auch in Bünzen war die Zustimmung der ältesten Generation am grössten.

Auch in Bünzen war die Zustimmung der ältesten Generation am grössten.

Screenshot

Wenig überraschend war, dass die Ortsbürger beider Gemeinden zwar auch mehrheitlich Ja zum Zusammenschluss sagten, allerdings mit 53 Prozent in Boswil und 51,3 Prozent in Bünzen weniger deutlich, als die Gesamtheit der Befragten in der jeweiligen Gemeinde.

Identitätsverlust, Unterdrückung und Angst vor Steuererhöhungen

Das Argument, das denn auch in beiden Gemeinden in der Befragung am meisten gegen einen Zusammenschluss sprach, war die Angst vor dem Verlust der eigenen Identität. In Boswil direkt gefolgt vom Verlust der Eigenständigkeit. An dritter Stelle reihte sich die Befürchtung einer Steuerfusserhöhung bei einer Fusion mit Bünzen, dessen Steuerfuss derzeit höher liegt, ein.

In Bünzen dagegen fürchete man die Unterdrückung durch das grössere Boswil. An dritter Stelle folgte die die bereits vollzogene und von vielen Bünzern als missglückt empfundene Fusion der beiden Feuerwehren.

Synergien nutzen und finanzielle Vorteile schaffen

Bei den Argumenten, die für eine Fusion sprechen, waren sich die Bewohner beider Gemeinden einig: Mehr Synergien, finanzielle Vorteile und eine bessere Behördenbesetzung belegten in dieser Reihenfolge die Plätze eins bis drei. Das betonte auch Marlise Müller in der Fragerunde: «Eine vereinte Gemeinde kann mit guter Qualität Dienstleistungen für alle Bürger anbieten.»

Auch die befürchtete Steuerfusserhöhung war Thema in der Fragerunde. Experte Vogel gab allerdings Entwarnung. Mit Bezug auf die Rechnungsabschlüsse 2019 könnte der Steuerfuss der fusionierten Gemeinde voraussichtlich auf dem heutigen Niveau von Boswil belassen werden.

Fusion mit Muri kein Thema, Besenbüren und Kallern wären aber willkommen

Ein weiterer Fragender wollte wissen, wieso nicht gleich eine Fusion mit der grossen Nachbarin Muri geprüft wurde. Darauf antwortete Boswils Gemeindeammann Michael Weber:

«Diesen Gedanken haben wir uns gar nie gemacht. Als Bittsteller an Muri heranzutreten und danach ein kleiner Dorfteil davon zu werden, könnte für uns nur Nachteile haben.»
Michael Weber ist Gemeindeammann von Boswil.

Michael Weber ist Gemeindeammann von Boswil.

Screenshot

Angefragt worden waren hingegen die Gemeinden Besenbüren und Kallern, ob sie sich einer Fusion anschliessen würden. Eine konkrete Antwort blieben beide Gemeinden bis heute schuldig.

Nun gilt es Chancen und Risiken einer Fusion abzuwägen

Marlise Müller-Dietrich, ist Frau Gemeindeammann von Bünzen.

Marlise Müller-Dietrich, ist Frau Gemeindeammann von Bünzen.

Screenshot

«Kopf, Herz und in gewisser Weise auch das Portemonnaie müssen letztlich Ja sagen», sagte Marlise Müller-Dietrich zum Abschluss. «Ein Zusammenschluss ist als Gesamtpaket zu sehen.» Nun ginge es darum, die Chancen und Risiken einer Fusion zu prüfen.

Beide Gemeinderäte werden ihrer Stimmbevölkerung an den Gemeindeversammlungen am 1. Juni einen Kreditantrag für die vertiefte Abklärung eines Zusammenschlusses stellen. Eine allfällige Fusion würde dann per 1. Januar 2024 vollzogen.

Kallern und Besenbüren dürften sich übrigens nach wie vor einer Fusion anschliessen. «Sie müssten dann aber jetzt Gas geben», meinte Michael Weber.