Boswil und Bünzen
Die Hochzeit ist eingeläutet: Bevölkerung sagt deutlich Ja zum Fusionsprojekt

59 Prozent der Boswiler und 62 Prozent der Bünzer wollen den Weg gemeinsam gehen. Mit einer so hohen Zustimmung hatten die beiden Gemeindeammänner nicht gerechnet und sind entsprechend hocherfreut.

Pascal Bruhin
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Voraussichtlich 2022 dürfen die Boswiler und Bünzer Stimmbürger darüber entscheiden, ob künftig nicht nur der Bahnhof geteilt wird.

Voraussichtlich 2022 dürfen die Boswiler und Bünzer Stimmbürger darüber entscheiden, ob künftig nicht nur der Bahnhof geteilt wird.

Marc Ribolla

Nein, Boswil und Bünzen gehören nicht zusammen, auch wenn der gemeinsame Bahnhof anders vermuten lässt. Noch nicht. Denn seit rund einem Jahr beschäftigen sich die Gemeinderäte von Boswil und Bünzen mit der Frage eines Zusammenschlusses der beiden Oberfreiämter Gemeinden. Um Aufschluss darüber zu erhalten, ob eine Fusion für die Bevölkerung überhaupt in Frage käme, führten die Gemeinden im Januar und Februar 2021 eine Befragung in der Bevölkerung durch.

Die Umfrage stiess auf grosses Interesse, wie den heute publizierten Resultaten zu entnehmen ist. 731 Boswiler und 392 Bünzerinnen gaben ihr Votum für oder gegen den Zusammenschluss ab. Und das Ergebnis ist eindeutig: Beide Gemeinden stimmen einem Zusammenschluss deutlich zu. 59 Prozent der teilnehmenden Boswiler und Boswilerinnen wollen den Bund mit Bünzen eingehen. In Bünzen sind es gar 62 Prozent, die das Zusammenschlussprojekt befürworten. Für den Alleingang stimmen 33 Prozent der Boswiler und 32 Prozent der Bünzer.

«Es war ein riesiges Fragezeichen in der Luft»

Hocherfreut über das Resultat ist die Bünzer Frau Gemeindeammann Marlise Müller-Dietrich: «Es hat mich ausserordentlich gefreut, dass gerade auch die Bünzer so deutlich Ja gesagt haben.» Für die kleine Gemeinde sei dies nicht selbstverständlich, da mit einem Zusammenschluss auch ein Stück Identität verloren gehen könnte. «Es gab Bedenken, dass wir überfahren werden könnten», kommentiert sie die wenigen kritischen Stimmen in der Umfrage.

«Man hat aber gemerkt, dass sich die Leute sehr viele Gedanken zu diesem wichtigen, zukunftsträchtigen Thema gemacht haben.» Müller betont, dass mit dem Ja in der Umfrage lediglich ein erster Schritt von vielen in Richtung Fusion gemacht sei. «Wir vergeben uns damit noch gar nichts. Es ging jetzt darum, den Puls in der Bevölkerung zu spüren. Es sind die Leute, die den weiteren Weg vorgeben.»

Michael Weber, Gemeindeammann von Boswil, und Marlise Müller, Gemeindeammann von Bünzen.

Michael Weber, Gemeindeammann von Boswil, und Marlise Müller, Gemeindeammann von Bünzen.

Eddy Schambron

Freude herrscht ebenfalls bei Michael Weber, Gemeindeammann von Boswil: «Ich glaube, das hat uns alle gefreut», sagt er am Telefon. Mit einer so deutlichen Zustimmung hat er dabei nicht gerechnet: «Es war ein riesiges Fragezeichen in der Luft. Wir konnten das gar nicht abschätzen. Mehr als 50 zu 50 konnten wir nicht annehmen.» Für ein Ja hätte allenfalls gesprochen, dass bereits vor der Umfrage keine negativen Rückmeldungen aus der Bevölkerung kamen.

Im Juni wird der Kreditantrag zur weiteren Prüfung der Fusion den Gemeindeversammlungen beantragt

Die Gemeindeammänner Michael Weber (Boswil) und Frau Doris Müller-Dietrich (Bünzen) informiertn die Bewohner am 14. Januar über einen Livestream mit Dr. Hans Vogel (rechts) über einen möglichen Zusammenschluss der beiden Gemeinden.

Die Gemeindeammänner Michael Weber (Boswil) und Frau Doris Müller-Dietrich (Bünzen) informiertn die Bewohner am 14. Januar über einen Livestream mit Dr. Hans Vogel (rechts) über einen möglichen Zusammenschluss der beiden Gemeinden.

Screenshot

Bereits am 1. März trafen sich die Gemeinderäte der beiden Gemeinden zu einer gemeinsamen Sitzung. Nach Analyse der Befragungsresultate und Feststellung der mehrheitlichen Zustimmung zum Zusammenschlussprojekt entschieden sie, den Prozess eines Zusammenschlusses ihrer Gemeinden nun offiziell zu starten. Dies wird an den beiden Gemeindeversammlungen vom 1. Juni 2021 mit Kreditbegehren für die vertiefte Prüfung eines Zusammenschlusses geschehen.

Aufgrund der Coronasituation konnte die dafür geplante Informationsveranstaltung der beiden Gemeinden vom 10. März nicht durchgeführt werden. Die Gemeinderäte werden deshalb erst am 8. April über die Details der Befragung und ihres Entscheides orientieren – wenn Corona dies zulässt in einer Präsenzveranstaltung in der Mehrzweckhalle Boswil, falls nicht, in einem Livestream. Die Volksentscheide für oder gegen einen Zusammenschluss sind für 2022 geplant.

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