Murten

Boswil klingt, Boswil jasst – und Boswil verliert

Schon die Proberunde beim «Donnschtig-Jass» geht an Schöftland, und auch beim Ernstkampf unterliegt Boswil

Es ist knapp nach 16 Uhr, zwei Cars aus Boswil stehen auf dem Parkplatz vor der Murtener Altstadt. Wie Schneeflocken strömen die Boswiler aus den Cars, sie tragen alle T-Shirts mit dem Gemeindeslogan «Boswil klingt».

Um sich im Freiburger Städtchen anzumelden und ihrem Motto gerecht zu werden, zieht der Trupp durch die Altstadt zu den Festbänken, vorne weg die Leute mit den Glocken. Die Freiämter werden mit einem warmen Applaus empfangen.

Auf einer mit Blumen und Jasskarten geschmückten Pergola stehen die Kameras bereit. «Wir beginnen mit einem Schwenk von Kamera vier, dann auf die zwei», tönt es durch den Lautsprecher. In einiger Entfernung hört man, dass sich die Tambouren einspielen.

Zwei Kinder sind wohl besonders aufgeregt, sie halten ein Transparent «Hopp Papi» in die Höhe, vor ihnen liegt ein Jassset. Ob sie in ein paar Jahren beim «Donnschtig-Jass» mitmachen werden?

Boswiler mit grösserem Fanclub

Auch die Jasser aus Schöftland haben Unterstützung, doch die Boswiler scheinen den grösseren Fanclub nach Murten gebracht zu haben. Um 16.45 Uhr beginnt die Generalprobe. «Bitte sitzen Sie jetzt ab. Ich wäre froh, wenn Sie jetzt nicht mehr rumlaufen. Psst! Ruhe bitte! Silence!»

Ein erstes Mal wird das Applaudieren geübt, die Kameramänner stehen zwischen den Bankreihen. Roman Kilchsperger begrüsst Boswil und Schöftland zur friedlichen «Schlacht von Murten». Die Schöftler sind noch nicht sehr hoffnungsvoll, die Fans lösen Kreuzworträtsel. «Drei Stunden haben Sie noch Zeit, dann müssen Sie parat sein», meint Kilchsperger.

«Sind Sie von einer Zeitung? Oder ein Spion aus Schöftland?», werde ich gefragt. «Sie können ja schon schreiben, dass Boswil gewonnen hat. Und dass wir den besseren Einzug hatten, ist auch wichtig.» Es wird eine erste Runde gejasst. An den Festbänken sitzen fast ausschliesslich Jassprofis. Interview mit André Blattmann.

Neben dem Armeechef sind Fussball-Legende Stéphane Chapuisat, die Tambouren der Schweizer Luftwaffe und der Volksmusiker «Trauffer mit Band» Gäste in der Sendung.

Die Hauptprobe verläuft nicht wie gewünscht. Schöftland hat die ersten beiden Runden besser gejasst. Sie haben 20 Differenzpunkte, die Boswiler 35. «Die Hauptprobe muss abverrecken.»

Nach der letzten Runde sieht es noch düsterer aus: Boswil hat 96, Schöftland 31 Punkte. Vor Beginn der Sendung ist Nervosität zu spüren, aber keine Feindseligkeit. Ein Jasser aus Schöftland gesellt sich zu den Boswilern, man diskutiert, wünscht sich Glück.

Ein Mann vom Fernsehen gibt letzte Instruktionen. Nicht rumlaufen in der Sendung und mehr Klatschen, so die Anweisung.

Dann geht es los. Die Kuhglocken bimmeln, RKilchsperger begrüsst die Gäste. Die Boswiler haben ihren Gegnern ein Geschenk mitgebracht: «Ihr habt ja nächsten Donnerstag nichts zu tun.»

Für Boswil jassen Urs Stocker, Janik Duss, Markus Rüttimann und Jasskönigin Marlies Müller. Der Telefonjasser aus Schöftland sagt 35 an und macht 35. Ein Raunen geht durch die Reihen, Schöftland applaudiert. Die Boswiler machen 32 Differenz, die Schöftler 9. Eine schwierige Ausgangslage für die verbleibenden Runden, ist man sich am Tisch einig.

Telefonjasser aus Schöftland hat Traumkarten

Auch die zweite Runde beginnt für die Boswiler nicht gerade vielversprechend. Der Telefonjasser aus Schöftland hat Traumkarten – keinen einzigen Trumpf. Die logische Konsequenz: Null angesagt, Null gemacht, Differenz Null.

Die Boswiler machen zusammen 14 Differenzpunkte, die Schöftler 13. Der Rückstand ist nicht viel grösser, aber auch nicht kleiner geworden.

Ab der dritten Runde wird es interessant, jetzt können die Boswiler Fans das Spiel auf dem Bildschirm verfolgen. Angesagt sind 22. Nach dem ersten Stich hat Urs Stocker 20 Punkte. «Da musst du doch Eggen geben.»

Die Nerven sind angespannt. Ein Hoffnungsschimmer, beide Boswiler haben nur 2 Differenzpunkte. Die Schöftler haben zusammen 20 Differenzpunkte. Zwischenstand 50 zu 42. «Das wird knapp.»

Eine unglaublich spannende Ausgangslage für die letzte, entscheidende Runde. Stocker sagt 25 an, zwei Trümpfe. Mit dem ersten Stich holt er fünf Punkte. Das Trumpf Ass behält er bis zur zweitletzten Runde. Aber es läuft nicht wie geplant. Der letzte Stich beschert ihm 36 Punkte, damit hat er 16 Differenzpunkte.

Damit ist die Niederlage klar. Die Boswiler sind enttäuscht, aber sie nehmen die Niederlage sportlich hin. «Ist ja nur ein Spiel.» Ein anderer meint: «Das nächste Mal gehen wir in eine Kochsendung, da kann man nicht viel falsch machen.» Endstand: 69 zu 48. Gefeiert, gejodelt und mitgeklatscht wird trotzdem noch.

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