«Bettwil, wir sind da, autonome Antifa», hallt es durch die Strassen. Rund 40 Demonstranten ziehen mit Musik und Fahnen zum Gemeindehaus und hinterlegen dort eine Protestnote, in der das Verhalten der Bevölkerung im Kampf gegen die Asylunterkunft kritisiert wird.

Aufgerufen zur Demonstration hatten linke Gruppierungen aus Basel, darunter Vertreter der Juso Basel-Stadt sowie des Grünen Bündnisses. «Wir haben Probleme, weil bei uns Asylplätze fehlen - der Aargau soll auch seinen Beitrag leisten», sagt Sarah Wyss, Präsidentin der Juso Basel Stadt. «Wir Grossstädter möchten Bettwil sagen, dass man gut mit Asylsuchenden zusammenleben kann.»

Bettwiler als «Nazis» beschimpft

Dem Protestruf aus Basel sind auch die Aargauer Jungsozialisten gefolgt. «Es geht uns nicht darum, ob eine Asylunterkunft in Bettwil Sinn macht», sagt Florian Vock, Präsident der Juso Aargau. «Wir sind entsetzt, wie die Bettwiler mit Freudentänzen die Verhinderung der Asylunterkunft gefeiert haben.» Dass sich auch Linksautonome dem Protest angeschlossen haben, ist für Vock kein Problem. «Es ist jeder willkommen und wir haben abgemacht, friedlich zu bleiben.»

Kapo-Sprecher Roland Pfister zur Demo der Linken in Bettwil

Kapo-Sprecher Roland Pfister zur Demo der Linken in Bettwil

Der Protest verläuft ohne Zwischenfälle, auch wenn vermummte Linksautonome die Bettwiler als «Nazis» beschimpfen und «Bomben auf Bettwil» rufen. Die Reaktion darauf fällt jedoch mager aus: Fensterläden sind verschlossen, Strassen mit Ausnahme des grossen Polizeiaufgebots wie leer gefegt und die Protestplakate gegen die Asylunterkunft über Nacht verschwunden.

Nur ein paar Jugendliche verfolgen als Zaungäste den Demonstrationszug, lassen sich aber nicht provozieren. Der Appell des Gemeinderats zeigt damit Wirkung: Die Bettwiler sind Zuhause geblieben. Und wer draussen ist, lässt die Demonstranten wortlos vorbeiziehen.