Bezirksgericht Bremgarten

Blutspur führte ins Freiamt: Nach Tötungsversuch in Baden fanden flüchtige Tatverdächtige bei ihm Unterschlupf

Er liess Kollegen bei sich zu Hause blutverschmierte Kleider wechseln und Blutspuren von Händen und Gesicht waschen.

Er liess Kollegen bei sich zu Hause blutverschmierte Kleider wechseln und Blutspuren von Händen und Gesicht waschen.

Nach einem Tötungsversuch in Baden flüchteten vier Tatverdächtige ins Freiamt zu einem Kollegen. Dieser wurde vom Bezirksgericht Bremgarten wegen Begünstigung verurteilt.

Er liess Kollegen bei sich zu Hause blutverschmierte Kleider wechseln und Blutspuren von Händen und Gesicht waschen. Doch seine Gutmütigkeit wurde dem 24-jährigen Arul (Name geändert) vom Bezirksgericht Bremgarten zur Last gelegt, weil er vier Tatverdächtige in einem mutmasslichen Tötungsversuch in Baden in seiner Wohnung nächtigen liess, bevor sie ihre Flucht fortsetzten. Indem Arul dem Quartett Unterschlupf gewährte, machte er sich der Begünstigung schuldig.

Obdach für eine Nacht

Es war weit nach Mitternacht, als Arul von einem der Verdächtigen kontaktiert und um Obdach für eine Nacht gebeten wurde. Den Anruf hatte Aruls 25-jährige Ehefrau Babita (Name geändert) entgegengenommen. Sie nahm nach ihren Schilderungen vor Gericht jedoch nicht weiter Anteil am Geschehen, reichte das Telefon ihrem Mann weiter und legte sich wieder schlafen.

Ob sie denn niemanden in der Wohnung gesehen habe, als sie am Morgen aufgestanden sei, wollte Gerichtspräsident Peter Thurnherr von Babita wissen. «Es war niemand da, ich habe auch nichts gehört», sagte sie. Die Erklärung lieferte Arul: «Die Kollegen gingen früh aus dem Haus und waren bereits weg, als meine Frau aufstand.»

Führerausweis seit 2013 weg

Nichts mit seiner Gutmütigkeit zu tun haben die weiteren Verfehlungen Aruls, deretwegen er sich zu verantworten hatte: Fälschung von Ausweisen, Führen eines Motorfahrzeugs in fahruntüchtigem Zustand, Autofahren in angetrunkenem Zustand und trotz verweigertem, entzogenem und aberkanntem Führerausweis, mehrfaches Überqueren einer Sicherheitslinie, pflichtwidriges Verhalten nach einem Verkehrsunfall mit Sachschaden sowie mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Bei einer Kontrolle zeigte der Beschuldigte einen nicht auf seinen Namen ausgestellten Führerausweis. Zudem fanden sich im Auto noch weitere, nicht für ihn bestimmte Ausweise. Seine rechtmässige Fahrbescheinigung war Arul im Frühjahr 2013 auf unbestimmte Zeit entzogen worden.

Dennoch setzte er sich ans Steuer und flog durch seine unsichere Fahrweise im Tunnel von Oberwil-Lieli auf. Er überfuhr zunächst mehrfach die doppelte Sicherheitslinie, geriet auf die Gegenfahrbahn, wo er mit einem Randleitpfosten kollidierte und das vordere Kontrollschild des Autos verlor. Ohne sich um den Schaden zu kümmern, fuhr er nach Hause.

Die Polizei stattete ihm einen Besuch ab. Die angeordnete Blutprobe ergab eine Blutalkoholkonzentration von mindestens 1,58 Promille und einen Kokainwert von 79 Mikrogramm pro Liter.

Arul wurde schuldig gesprochen und zu einer Busse von 500 Franken verurteilt, zu einer unbedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 100 Franken und zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 7 Monaten.

Einen Freispruch gab es für Babita wegen Begünstigung, hingegen wurde sie mit 500 Franken gebüsst, weil sie ihrem Mann den Autoschlüssel überlassen hatte. Der Gerichtspräsident verurteilte sie zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 150 Franken. Probezeit: 2 Jahre.

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