Fischbach-Göslikon ist zum Hanfdorf geworden. Dabei geht es aber nicht etwa um Kiffer, was viele als Erstes vermuten könnten. Dass die grösste legale Indooranlage von ganz Europa im kleinen Reussdörfchen angesiedelt ist, dürfte mittlerweile bekannt sein. In ihr werden ständig rund 30 000 CBD-Hanfpflanzen zur Blüte gebracht. Aber auch um die geht es nicht.

Neu ist, dass seit einigen Wochen ein typischer Hanfgeruch über dem Dorf hängt, vor allem im Unterdorf riecht man das gut. Mehrere Leute haben bei der Gemeinde und auf der AZ-Redaktion nachgefragt. Doch auch am Public Viewing des Schwingfests in Dottikon war der Geruch ein Thema, genauso wie in anderen Gemeinden. Woher kommt er?

«Die Ursache dieses Geruchs ist nicht die Indooranlage der Pure Holding AG, sondern die Hanffelder in der Reussebene», schreibt die Gemeindeverwaltung Fischbach-Göslikon in einer Mitteilung. Sie erklärt: «Sobald die Hanfpflanzen in die Blüte kommen, werden die Harzdrüsen der Pflanzen voll ausgebildet und der süssliche Geruch verbreitet sich. Der Geruch kann je nach Wind und Wetter mehr oder weniger intensiv ausfallen.»

750 000 Hanfpflanzen auf 75 Hektaren Land

Tatsächlich sind die Anbauflächen dieses Jahr grösser denn je. Auf 75 Hektaren wurden von 24 Bauern in verschiedenen Dörfern im Reuss- und Bünztal ganze 750 000 Hanfpflanzen angebaut. Sie gehören ebenfalls zum Hanf-Produktionsunternehmen Pure Holding AG aus Zeiningen. 2018 hat diese mit dem Nesselnbacher Bauern Andreas Hufschmid einen Anbauversuch mit 1500 Pflanzen auf 130 Aren gestartet (die az berichtete). Da der Versuch sehr gut geklappt habe, konnte Hufschmid 23 weitere Landwirte der Region ins Boot holen. Schon vor einem Jahr machten die Verantwortlichen aber deutlich, dass es sich um legalen Hanf mit THC-Gehalt von unter einem Prozent handelt. «Davon könnte man ein ganzes Feld rauchen, ohne high zu werden», wurde festgehalten.

Stevens Senn, Gründer und CEO der Pure Holding AG, erklärt: «In der Indoor-Anlage stellen wir Tabakersatzprodukte, den bekannten CBD-Hanf, her. Outdoor wird die Ernte zur Herstellung von reiner Biomasse verwendet, die dann beispielsweise pharmazeutisch weiterverwendet wird.»

Landwirtschaft riecht eben: Gülle, Mist, Raps und Hanf

Es ist spannend, zu wissen, was mit dem Hanf passiert. Aber viele Anwohner fragen sich schlicht, wie lange der Geruch nun noch über ihre Balkone wehen wird. Senn sagt: «Die Pflanzen blühen etwa von Anfang August bis zur Ernte Mitte Oktober. Und so lange wird es auch noch danach riechen.» Ausserdem: «Am stärksten wird der Geruch vermutlich Mitte September sein.»

Der Fischbach-Gösliker Gemeindeschreiber Lukas Jansen versteht, dass nicht alle den speziellen Geruch mögen. Er schreibt jedoch: «Fischbach-Göslikon ist von landwirtschaftlich genutzten Kulturflächen umgeben. Die Bewirtschaftung dieser Flächen kann temporär zu Geruchsemissionen führen. Neben Gülle und Mist riechen auch Kulturpflanzen wie Raps oder eben Hanf.»

Hanf ist zwar grundsätzlich eine Pflanze, deren Anbau hier lange Tradition hat. Dennoch wird er gerade wieder neu entdeckt. Darum will sich die Gemeinde Fischbach-Göslikon auch beim Kanton über die Rechtsgrundlage von so penetranten Gerüchen informieren. «Weil es sich um einen legalen und offenen Anbau handelt, hat die Behörde keine direkte Rechtsgrundlage, den Anbau einzuschränken oder zu verbieten», heisst es in der Gemeinde-Mitteilung.