Muri
Blinde Kuh kommt mit «tavola nera» ins Freiamt

Künstler Philipp Galizia präsentiert im Ristorante Rossini in Muri am 10. und 11. November einen Auftritt in völliger Dunkelheit.

Fabian Hägler
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Künstler Philipp Galizia und Wirt Giulio Rossini laden gemeinsam zum Dinner-Erlebnis im Dunkeln ein. Bernhard Kägi/zvg

Künstler Philipp Galizia und Wirt Giulio Rossini laden gemeinsam zum Dinner-Erlebnis im Dunkeln ein. Bernhard Kägi/zvg

Mit dem Projekt «tavola nera» bringen der Murianer Gastwirt Giulio Rossini und vier frischgebackene Kulturmanager die Idee des Blinde-Kuh-Restaurants am Martini-Wochenende ins Freiamt. Gespeist wird im professionell verdunkelten Ristorante Rossini in Muri. Als Servicepersonal stehen Blinde und Sehbehinderte im Einsatz.

Mit dem Event soll auf lustvolle Weise Verständnis geschaffen werden für jene, die ständig im Dunkeln leben. «Es ist eine Sensation, wie sich die blinden Menschen im Finstern bewegen, als hätten sie kein Handicap», schwärmt Giulio Rossini. «Wenn ich meinen Gästen ein gutes Menü im Dunkeln serviere, essen sie mit geschärften Sinnen und entdecken neue Nuancen. Es gibt keine Bilder, die sie ablenken. Dafür entstehen Bilder im Kopf», sagt er.

Essen und Kultur ergänzen sich

Initiator des Projekts ist Reto Holzgang, der Leiter des Kinos Mansarde Muri. Er träumt schon lange davon, ein Projekt zu verwirklichen, das Kulinarik und Kultur vereint. Für den Kulturteil konnte der eigenwillige Murianer Kleinkünstler Philipp Galizia gewonnen werden, der regelmässig im Blinde-Kuh-Restaurant in Zürich auftritt. «Ich werde es extrem geniessen, einmal vor heimischem Publikum im Dunkeln aufzutreten», betont der Künstler. «Geschichten lassen sich am besten im Dunkeln erzählen. Die Leute sehen nichts und sind deshalb ganz Ohr», fügt Galizia schmunzelnd hinzu.

«Wir fanden es wichtig, das Essen im Dunkeln mit einer künstlerischen Darbietung zu verbinden», betont
Holzgang. «Im Dunkeln ist man froh, eine Stimme zu hören, die einen
begleitet. Und Philipp Galizia wird der Situation mit seinem spröden Charme sicher auch komische Seiten abgewinnen.» Unterstützt wird Reto Holzgang von der ebenfalls in Muri kulturell engagierten Franziska Haug sowie Marion Leu und Daniel Furrer, zwei Mitstreiter aus dem CAS-Kulturmanagement-Lehrgang, den die vier gemeinsam am Stapferhaus Lenzburg absolviert haben.

Verdunklung ist besonders heikel

Für den ungewöhnlichen Dinnerevent scheuen die Verantwortlichen keinen Aufwand. Das sehbehinderte Servicepersonal wurde in der ganzen Deutschschweiz rekrutiert. Eine Fachfirma sorgt mit Spezialmaterial dafür, dass nicht der kleinste Lichtschein ins Innere des Restaurants dringt. Eine besondere Herausforderung ist die Abdunkelung zwischen der Küche, in der bei Licht gearbeitet wird, und den Gasträumen. Dafür wird mit vielen Metern schwarzem Tuch eine doppelte Lichtschleuse eingerichtet. «Ein bisschen nervös sind wir schon, ob alles klappt», räumt Franziska Haug ein. «Die Verdunkelung ist ja nur ein Aspekt. Im Dunkeln kann einiges schiefgehen. Aber wir geniessen viel Unterstützung und sind optimistisch.»

«tavola nera» im Ristorante Giulio Rossini, Zürcherstrasse 21, 5630 Muri. Daten: Samstag, 10. November, 12 und 18.30 Uhr und Sonntag, 11. November, 12.30 und 18 Uhr. Reservation (Sitzzahl beschränkt): Per E-Mail an tavolanera @gmail.com oder Telefon 077 491 39 04.