Geschichte
Blick in die Vergangenheit: Museen, Exilanten und ein Priesterseminar

Die Jahresschrift der Historischen Gesellschaft Freiamt «Unsere Heimat» bietet interessanten Lesestoff.

Jörg Baumann
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In der Jahresschrift findet sich auch ein Bericht über das Museum von Hanspeter Setz in der ehemaligen Bally-Schuhfabrik in Dottikon. AZ-Archiv Toni Widmer

In der Jahresschrift findet sich auch ein Bericht über das Museum von Hanspeter Setz in der ehemaligen Bally-Schuhfabrik in Dottikon. AZ-Archiv Toni Widmer

Wer weiss, wie viele Museen es im Freiamt gibt? Die Antwort gibt die Jahresschrift 2014 «Unsere Heimat» der Historischen Gesellschaft Freiamt: Es sind vierzehn, und zwar in Auw, Boswil, Bremgarten, Buttwil, Dottikon, Hilfikon, Merenschwand, Mühlau, Muri, Waltenschwil und Wohlen.

Das kleinste Museum in Auw

Das kleinste Freiämter Museum steht in Auw, im Geburtshaus der Ordensschwester Maria Bernarda Bütler (1848–1924), die 1995 selig- und 2008 als erste Frau aus der Schweiz heiliggesprochen wurde. Rosmarie Wicki-Bütler, eine Verwandte der Ordensschwester, und ihr Sohn richteten im früheren Wohnzimmer der frommen Freiämterin eine Gedenkstätte ein, die man auf Anfrage besichtigen kann.

Ihre eigenen Spezialitäten pflegen das Dorfmuseum in Boswil, das auf das hiesige Brauchtum ausgerichtet ist, das Stadtmuseum und das Museum Reuss-Kraftwerk in Bremgarten, die alte Sägerei in Weissenbach (Gemeinde Buttwil), das Privatmuseum von Hanspeter Setz mit seinen Oldtimerautos in Dottikon, das Geschichtenhaus im alten Feuerwehrmagazin in Hilfikon, das Ortsmuseum im Postlonzihus in Merenschwand und die Oldie-Scheune in Mühlau mit alten Traktoren und Arbeits- und Haushalträumen, dann das Klostermuseum, das Caspar-Wolf-Museum und das Museum zwischen Pflug und Korn in Muri, das Ortsmuseum in Waltenschwil und das Strohmuseum im Park in Wohlen.

Lebensgeschichte erschüttert

Die Hauptgeschichte widmet die Jahresschrift aber nicht der vielseitigen Museumslandschaft im Freiamt, sondern dem Leben des «Halderbuben» Ruedi Burkart (75) aus Wohlen. Burkart hat seine Geschichte selber aufgeschrieben. Seine Eltern wohnten ursprünglich in Bern. Sie waren arm. Deshalb zogen die Behörden die Notbremse und schob sie an ihre Heimatgemeinde Dietwil ab.

Burkarts Eltern erhielten als Notgroschen für die Reise ins Freiamt lediglich das Bahnbillett bezahlt. Die Alternative wäre noch gewesen, zwangsweise nach Kanada auszuwandern. Mit einem kleinen Taschengeld, das ihnen in Bern ausgehändigt wurde, mussten sie sich bei einem Bauern in Dietwil melden.

Im Bahnhof Gisikon-Root angelangt, ging es für sie zu Fuss nach Dietwil weiter, und das im Winter 1938. In Dietwil sollte Burkarts Vater als Bauernknecht arbeiten. Was mit den beiden Kindern geschehen solle, werde noch entschieden, sagte man den Eltern.

Bern hat sich nie entschuldigt

Für die Ausweisung der Familie Burkart entschuldigte sich die Stadt Bern nie. In Wohlen im Kindergarten erlebte Ruedi Burkart zwei glückliche Jahre, in der Schule hingegen oft grosse Ungerechtigkeiten. Die Prügelstrafe war noch erlaubt und wurde deshalb auch ausgeübt. Den weiteren spannenden Lebensweg von Ruedi Burkart, vom Arbeiter in einer Sägerei bis zum Chauffeur und zufriedenen Grossvater, Jodler und E-Biker, liest man am besten selber in der Jahresschrift nach. Die Aufzeichnungen könnten besonders für jene lehrreich sein, die gerne auf hohem Niveau jammern, aber auch für solche Menschen, die das gleiche Schicksal wie der «Halderbub» aus Wohlen erlebt haben.

Wie im Kloster die Uhren gingen

In einem anderen Beitrag erläutert der Historiker Pascal Pauli, warum im Kloster Muri kein Gymnasium und Priesterseminar eingerichtet wurde. Martin Allemann aus Muri, Präsident der Historischen Gesellschaft Freiamt, erklärt, wie im Kloster vor der Erfindung der Uhr die Zeit eingeteilt wurde. Die Historikerin Bettina Schöller würdigt die Dissertation über das Hermetschwiler Gebetbuch, verfasst von Ruth Wiederkehr, Germanistin und Historikerin aus Ennetbaden.

Die Jahresschrift «Unsere Heimat» kann für 30 Franken bei Info-Muri, Marktstrasse 4, Muri oder bei Daniel Güntert, Rebbergstrasse 43, Wohlen, bezogen werden. Die 84. Generalversammlung der Historischen Gesellschaft Freiamt findet am Mittwoch, 29. Oktober, 20 Uhr, im Transportmuseum von Hanspeter Setz, an der Bahnhofstrasse 66 im Ballygebiet, Dottikon, statt. Die Besichtigung des interessanten Museums ist für 18 Uhr angesagt.

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