Freiamt
Blauring und Jungwacht suchen Nachwuchs und rühren die Werbe-Trommel

Interessenwandel, neue Freizeitangebote, Mitgliederverlust – die gesellschaftliche Entwicklung macht Jubla zu schaffen. Mit dem Projekt «Jubla.bewegt» will sie neue Mitglieder angewerben.

Loredana di Fronzo
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In den Jubla sollen Kinder lernen, dass die Welt auch ohne Fernsehen, Computerspiele und Smartphones Spass machen kann. (Symbolbild)

In den Jubla sollen Kinder lernen, dass die Welt auch ohne Fernsehen, Computerspiele und Smartphones Spass machen kann. (Symbolbild)

Ingrid Arndt

Jungwacht und Blauring (Jubla) ist bei den Kindern und Jugendlichen längst nicht mehr so beliebt wie auch schon. Die Bewegung hat schweizweit mit einem Mitgliederschwund zu kämpfen. So will die Organisation auf Bundesebene Gegensteuer geben und hat dazu das Projekt «Jubla.bewegt» lanciert.

«Eine gute Sache», finden auch die Organisationen im Freiamt. Auch ihnen machen der gesellschaftliche Wandel und die Konkurrenz durch immer mehr Freizeitangebote zu schaffen.

Freizeitangebot immer grösser

«Zusammen sein, mitbestimmen, den Glauben leben, kreativ sein und die Natur erleben – die Grundsätze von Jubla, die erst 2009 aus den zuvor eigenständigen Organisationen Jungwacht und Blauring entstanden ist. Hinter dem Ofen hervorlocken lassen sich die Jugendlichen damit immer weniger: «Wir spüren die Konkurrenz durch ein Freizeitangebot, das immer grösser wird», erklärt Cédéric Meier von der Jubla Bremgarten. Sie ist selber vom Mitgliederverlust betroffen.

Meier bedauert das: «In der Jubla haben Kinder und Teenager die Chance ihre Sozialkompetenz zu verbessern und auf spielerische Art und Weise viel für das Leben zu lernen.» Auch für die Jubla Villmergen sieht die Lage nicht eben rosig aus. Jubla-Leiterin Selin Röthlisberger sagt: «Wir haben nicht mit gravierendem Rückgang zu kämpfen, aber er macht sich bemerkbar. In meiner Jubla-Zeit zählte allein meine Gruppe rund 15 Kinder. Heute sind es pro Gruppe noch rund sechs bis acht.»

Dieser Feststellung kann sich Katja Saxer, Scharleiterin der Jubla Dottikon, anschliessen. «Der Rückgang innerhalb unserer Organisation ist glücklicherweise aber nicht so schwerwiegend, dass der Fortbestand gefährdet wäre.»

Nicht überall läuft es schlecht

Über eine konstante Mitgliederzahl können sich der Blauring Muri und die Jungwacht Wohlen freuen. «Wir haben das Glück, keine Einbussen zu haben. Unser Blauring gehört mit rund 100 Kindern sogar zu den grösseren Scharen im Aargau», sagt Corina Strebel, Leiterin in Muri.

Sie glaubt, die Gründe für das schwindende Interesse an der Jubla zu kennen: «Kinder gehen in die Schule, treiben Sport und machen daneben auch noch Musik. Mit diesem ganzen Programm sind sie schlichtweg überfordert und müssen somit Prioritäten setzen.»

Oft gehe dabei die Jubla halt unter.«Schade eigentlich», findet Saxer: «In einer Zeit, in der Kinder immer häufiger am Smartphone hängen und vor dem Fernseher sitzen, wäre es extrem wichtig ihnen zu zeigen, dass man auch ohne Elektronik sehr viel Spass haben kann.»

Eltern sind der Schlüssel

Was kann man gegen diese Entwicklung tun? «Kräftig die Werbetrommel schwingen. Wir versuchen dies an den Schulen und stellen in den Pausen unsere Organisation vor», erklärt der Bremgarten-Leiter Cédéric Meier. Weiter gelte es, im Dorf präsent zu sein und die Eltern anzusprechen. Für Corina Strebel in Muri das A und O: «Es ist wichtig, dass wir das Vertrauen der Eltern gewinnen. Sie sollen wissen, dass ihre Kinder bei uns gut aufgehoben sind.» Die Eltern als Schlüssel zu den Kindern – dem kann Katja Saxer aus Dottikon nur zustimmen: «Die Eltern bestimmen letztlich wohl auch über die Freizeitaktivitäten ihrer Kinder.»

Vom Projekt «Jubla.bewegt» halten die Leiterinnen und Leiter im Freiamt viel: «Ich finde, dass die Jubla auf Bundesebene ihre Arbeit sehr gut macht» sagt Philipp Kohler von der Jungwacht Wohlen. «Dieses Projekt kann sich nur positiv und nachhaltig auf die Zukunft auswirken.» Gut findet es auch Katja Saxer. Für die Jubla Dottikon hingegen sei das Projekt nicht entscheidend. «Bei der Rekrutierung von neuen Mitgliedern sind wir in den Gemeinden auf uns selber gestellt.» Cédéric Meier bringt es auf den Punkt: «Das Projekt «Jubla.bewegt» ist nützliche Werbung für die Jubla. So gelingt es uns, viel mehr Leute anzusprechen.