An seiner Bürowand hängen bereits 32 Fotos, die ihn mit verschiedenen Lehrpersonen der Kanti draussen in der Natur zeigen. Ja, Matthias Angst ist der mit den Laufschuhen, der immer wieder mit irgendjemand anderes aus dem Calatrava-Gebäude spaziert und für eine Stunde wegbleibt, und das während der Arbeitszeit. Doch das über sich zu hören, ist in Ordnung für ihn. Tatsächlich war es eine seiner ersten Neuerungen, die er in den Kantialltag eingebracht hat: «Ich werde mir viel Zeit für meine Mitarbeitenden nehmen. Der Bürotisch ist für ein erstes Gespräch aber zu stier, fast schon konfrontativ. Darum will ich während meines ersten Jahres mit jedem der rund 150 Angestellten eine Stunde spazieren gehen.»

Direkt nach den jeweiligen Spaziergängen schickt er sich selbst zur Erinnerung per Handy eine Postkarte mit einzelnen Stichworten drauf und hängt sie sich an die Bürowand. So wird nicht nur seine Wand bunter, sondern «ich erhalte auch wortwörtlich ein Gesamtbild davon, wie es den Mitarbeitern der Kanti geht. Das ist mir sehr wichtig.»

Begrüssung durch Lautsprecher

Seine Laufschuhe sind aber nicht nur Symbol für diese Nähe zur Lehrerschaft und den anderen Angestellten. Sie scheinen auch zu versinnbildlichen, dass sich Angst gut gerüstet hat, um in die grossen Fussstapfen seines Vorgängers Franz Widmer zu treten. Schon als der heutige Rektor vor 16 Jahren sein Maturzeugnis an der Kanti Wohlen erhielt, war Widmer das Oberhaupt der Schule. In der neuen Ausgabe der «Bünzfischete», des Ehemaligenmagazins der Kanti, schreibt Angst über seinen Vorgänger: «Für Schülerinnen und Schüler ist und war er eine fixe Grösse, für viele der Inbegriff, ja gar ein Synonym für die Kanti Wohlen.» Widmer hat sehr viele Veränderungen an der Schule mitgemacht. «Besonders die Aufnahme der Fachmittelschule zusätzlich zum Gymnasium war ein enormer Schritt», weiss Angst. «Ich bin sehr froh, dass das geschafft ist und sämtliche Lehrerstellen besetzt sind. So konnte ich im August relativ ruhig und ohne Schwierigkeiten starten.»

Ja, problemlos war sein Amtsantritt. Aber von ruhig kann keine Rede sein. Dabei schmunzelt der neue Rektor: Am ersten Schultag hätte er sich gerne – wie noch zu seiner Schulzeit üblich – allen Schülern in der Aula persönlich gezeigt. Aber da die weit über 800 Schülerinnen und Schüler längst nicht mehr alle in die Aula passen, musste er sich etwas anderes überlegen. «Um 8.30 Uhr waren alle in ihren Klassenzimmern. Um 8.35 Uhr stand ich dann im Büro des Hauswarts am Mikrofon und begrüsste sie alle über die Lautsprecheranlage, die wir zuvor in allen Gebäuden getestet hatten», berichtet er grinsend. «So hatten die Schüler zumindest schon mal meine Stimme gehört und wussten, dass jetzt jemand neues da ist, der ihre Schule führt.»

«Welch tolle Schule»

Noch vor 16 Jahren wäre dem im Freiämter Beinwil aufgewachsenen Kantischüler Matthias Angst nie in den Sinn gekommen, dass er selbst einmal diese Schule leiten würde. In Luzern studierte er Jus und erwarb danach das Anwaltspatent. Anschliessend kam er an die Uni Luzern zurück, wo er Fakultätsmanager an der rechtswissenschaftlichen Fakultät wurde. Mit seiner Frau – kennen gelernt an der Kanti Wohlen – und den zwei gemeinsamen Kindern wohnt er in Anglikon. Als er das Stelleninserat für den neuen Kantirektor las, fühlte er sich sofort angesprochen. Doch den entscheidenden Schubser gab ihm wohl der Besuch des Jubiläumsfestes im Herbst vor einem Jahr. «Damals ist mir noch stärker bewusst geworden, welch tolle Schule die Kanti Wohlen ist.» Im Dezember wurde er dann vom Departement unter Regierungsrat Alex Hürzeler als neuer Rektor bestätigt.

Grosse Veränderungen hat Angst derzeit nicht im Sinn. Im Vorwort zur «Bünzfischete» schreibt er aber: «Ich freue mich sehr auf die Menschen und das kulturelle, sportliche und gesellschaftliche Leben an dieser tollen Schule. Es wird mein vorrangiges Ziel sein, die Kanti Wohlen weiterhin als attraktiven Studier- und Arbeitsort zu gestalten und zu etablieren.» Um an einer gut funktionierenden Schule wie der Kanti Wohlen Akzente zu setzen, ist es nach drei Monaten wohl etwas früh. Aber bisher hatte Matthias Angst auch noch nichts falsch gemacht, und das ist doch schon einmal gut.