Stadtmusik/Künstlervereinigung Bremgarten
Bilder zur Musik gemalt – wie eine der Künstlerinnen das gemeinsame Projekt erlebte

Die Stadtmusik und die Künstlervereinigung Bremgarten haben zusammengespannt. Zwanzig Künstler wurden ausgewählt, zu einem Musikstück ein Werk zu kreieren. Wie es ist, als Künstlerin einem solchen Projekt nachzugehen, erzählt die Autorin gleich selbst.

Susanna Vanek
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Inspirationen aus der Musik
6 Bilder
Susanna Vanek vor ihrem Bild, das sie zum Stück «Die Katakomben» gemalt hat
Roger Russenberger, Präsident der Stadtmusik, Niki Wüthrich, Dirigent, Romy Latscha, Präsidentin Künstlervereinigung, und Raymond Engler, Musikkommission der Stadtmusik
Yvonne Nüesch diskutiert ihr Werk «Fabelwesen», das sie nach dem Stück «Die Hütte der Baba-Jaga» gemalt hat
Annemarie Fuhlroth erklärt ihr Bild «Farben- und Fanfarenklänge», einer Interpretation von «Der Ochsenkarren»
Elisabeth Heiniger Wirz vor ihrem Bild «Tanzen und Fliegen ins Morgenrot», das von «Ballett der Küken in ihren Eierschalen» inspiriert wurde

Inspirationen aus der Musik

AZ

Ein begeisterndes Konzert der Stadtmusik Bremgarten in der Stadtkirche mit heiteren wie auch düsteren Tönen, dazu im zweiten Teil des Konzertes Bilder, die auf eine Leinwand projiziert wurden: Selten hat mich ein Konzert so berührt wie das Kirchenkonzert der Stadtmusik vom Sonntagabend. Stolz war ich, dass ich als Mitglied der Künstlervereinigung Bremgarten zu diesem Projekt, bei dem zwei kulturell tätige Vereine der Stadt Bremgarten zusammenspannten, meinen Teil beitragen durfte.

Wobei, das sei zugegeben, der Weg zum Ziel für mich nicht immer einfach war. Die Ausgangslage war es, dass einem ein Musikstück zugeteilt wurde, zu dem man ein Bild malen sollte. Um welches Musikstück es sich handelte, das wurde einem nicht gesagt. So sollte einzig die Musik für Inspirationen beim Malen sorgen, nicht etwa der Titel oder weitere Informationen. Gespannt öffnete ich die mir per Mail zugesandte Datei und hörte mir das Musikstück an. Mein Plan war es, hinterher ganz einfach zum Pinsel zu greifen und «es malen zu lassen». Weit gefehlt. Das Stück war düster, eine Inspiration wollte sich nicht einstellen.

Also musste ich umdenken. Immer wieder hörte ich «mein» Stück, notierte meine Assoziationen, Gedichtzeilen etwa, oder das Werk «Der Schrei» von Edvard Munch. Waren vielleicht auch hellere Töne zu entdecken? Ich hörte nochmals hin und fand sie. Endlich hatte ich eine Idee im Kopf: Jemand betrachtet einen Ort des Schreckens, verspürt aber gleichzeitig vor etwas Hochachtung.

Skizzieren, skizzieren, skizzieren

Mit dieser Idee begann ich zu skizzieren, skizzieren und nochmals zu skizzieren. Nach und nach baute ich verschiedene Assoziationen in das Bild ein. Munchs schreiende Person etwa beschloss ich als Zitat zu verwenden, verfremdet. Ein Stück Holz, auf das ich mit leichtem Pinselstrich ein Gesicht malte, diente diesem Zweck. Ein Betrachter ist es geworden, der entsetzt den Kopf von der Szenerie wendet. Wenn man genau hinsieht, kann man Munchs Figur erahnen.

Spontan hatte ich malen wollen. Spontan wurde es indes erst, als ein guter Teil meines Konzeptes auf Leinwand umgesetzt war. Erst dann fügte sich Teil zu Teil, fast wie von selber.

Die Auflösung

Bei der Abgabe meines Bildes erfuhr ich den Titel des Stücks, es heisst «Die Katakomben» aus dem Zyklus «Bilder einer Ausstellung» von Modest Mussorgskis. Neugierig googelte ich das Bild, das den russischen Komponisten zu seiner düsteren Melodie inspiriert hatte. Und siehe da, es gibt tatsächlich Betrachtende – allerdings sind es drei, und sie wenden nicht den Kopf – und auch einen Kontrast von hell und dunkel. Mein persönliches Fazit lautete demnach, dass auch ein in Sachen klassischer Musik wenig bewanderter Mensch wie ich viel aus einem Stück herauszuhören vermag, so er sich wirklich auf das Hören einlässt.

Ausstellung

Bilder zur Musik

Modest Mussorgski liess sich bei «Bilder einer Ausstellung» von Werken seines Freundes Viktor Hartmann inspirieren. Die Stadtmusik Bremgarten wählte den Zyklus aus zehn Bildern für ihr Kirchenkonzert vom 20. März 2016 und fragte die Künstlervereinigung an, ob ihre Mitglieder Bilder für das Projekt malen würden. Zwanzig Personen beteiligten sich, ihnen wurde ein Musikstück zugeteilt, allerdings ohne Nennung des Namens oder des Komponisten. Allein die Musik sollte die Inspirationsquelle sein. Die so entstandene Ausstellung ist noch bis zum 28. März 2016 im Klösterli der St. Josef-Stiftung Bremgarten zu sehen, und zwar an Werktagen von 9 bis 16 Uhr und an den Feiertagen von 14 bis 16.30 Uhr. (sv)

Konzert

Musik zu Bildern

Mit Werken von Dmitri Schostakowitsch, Peter Illitch Tschaikowski und Modest Mussorgski bot die Stadtmusik Bremgarten den Zuhörern in der voll besetzten Stadtkirche ein breit gefächertes Konzert, das alle Facetten, von leise bis laut, von traurig bis heiter, umfasste. Das anspruchsvolle Programm, das die Stadtmusik unter der Leitung von Niki Wüthrich mit Bravour absolvierte, diente unter anderem als Vorbereitung auf das eidgenössische Musikfest von Montreux. Ein weiteres Vorbereitungskonzert ist auf den 2. Juni 2016 angesetzt, und zwar findet es ab
18 Uhr im Casino Bremgarten statt. (sv)