Leises Summen ist zu hören, entspannt fliegen einige Bienen umher. Behutsam entfernt der 11-jährige Aaron Weibel mit einer Zange einen Holzrahmen mit Waben aus dem Bienenkasten und schiebt ihn auf ein Metallgestell. Neben ihm steht Imker Jakob Karpf, er hilft, wenn eine Wabe ein wenig klemmt. Draussen nehmen die beiden eine Zarge genauer in Augenschein. «Schau mal, da ist die Königin», sagt der Imker und weist auf eine grosse Biene mit kleinem Farbtupfer. Bei genauerem Hinsehen lassen sich in einigen Waben sogar kleine weisse Striche zu erkennen, dass sind die Eier und geben die Nachkommen der Bienenkönigin.

Liebevolles Patenverhältnis

Aaron gehört schon seit 2016 zu den Bienenpaten von Jakob Karpf und Sandra Köpfli. Zur Patenschaft bei Bienenzwirbel sei es gekommen, weil seine Mutter eine gute Bekannte der Imkerin ist: «Ich habe ihr von unserem Projekt Bienenpatenschaft erzählt, und Aaron fand das offenbar interessant.» Die Patenschaft sei ein Geburtstagsgeschenk seiner Eltern gewesen. Am Samstag hatte er die Gelegenheit, Jakob Karpf über die Schulter zu schauen und seine Bienen einmal genauer kennen zu lernen. Denn jeder Pate hat quasi sein «eigenes» Volk, das er besuchen kann.

Der Imker zeigt ihm nun, wie die Beute, also die Behausung der Bienen, überprüft wird. Für den jungen Bienenfreund eine spannende Angelegenheit. «Das war das erste Mal, dass ich so etwas gemacht habe. Es war aufregend», berichtet er später. Nach der Untersuchung steht fest: «Honig- und Brutraum sind in Ordnung.» Der 11-Jährige hält den aktuellen Zustand schriftlich fest, den Imkern ist es wichtig, alles zu dokumentieren. Die Bienen haben den Winter gut überstanden und freuten sich schon über einige warme Tage im März und April.

Die Bienenkönigin mit ihrem Volk.

Die Bienenkönigin mit ihrem Volk.

Fünf Kilogramm Honig

Die Patenschaft gelte für ein Jahr und könne nach Ablauf erneuert werden, so die Bienenzüchter. Wer sich für das Konzept entscheidet, dürfe sich über fünf Kilogramm Honig von seinem Volk mit persönlichem Etikett freuen. «Wir haben uns überlegt, wie wir den Honigertrag am sinnvollsten abgeben könnten», führt Sandra Köpfli aus. Schliesslich sei die Idee mit der Patenschaft entstanden. «Mit fünf Patenschaften haben wir 2014 angefangen, inzwischen sind es über 40. Damit haben wir unser Limit erreicht.»

Hinter der Idee stecke auch viel Aufwand. Jeder erhält einen von der Imkerin verfassten Bienen-Brief. Im Namen der Bienen schreibt sie, wie es dem Patenvolk das Jahr über ergangen ist. Grundlage dafür seien auch die schriftlichen Vermerke, die regelmässig über den Zustand der einzelnen Völker gemacht werden. Im September lädt das Paar dann alle Paten zu einem Apéro ein. Sandra Köpfli informiert: «An diesem Wochenende können die Bienen besucht werden, dafür machen wir jedes Jahr eine Ausstellung zu einem anderen Thema.» Da sei auch für sie spannend, weil sie sich so immer wieder in neue Gebiete zum Thema Bienen einarbeite. «Die Paten sind immer sehr interessiert, da kommt so viel zurück. Dafür lohnt sich der Aufwand. Der Anlass gibt uns Energie fürs nächste Bienenjahr», erzählt sie strahlend.

Bienenhege und -pflege

Das Paar betreut etwa 50 Bienenvölker an den Standorten Mühlau und Merenschwand. Jakob Karpf, der hauptberuflich als Servicetechniker arbeitet, dazu: «Das ist schon recht viel, der Schweizer Durchschnitt liegt bei zehn Völkern. Seit Januar habe ich gut 400 Stunden investiert.» Regelmässig schaut er dafür bei seinen Schützlingen nach, ob es ihnen gut geht, was die Brut macht und wie es mit dem Honig aussieht. Die sind in Bienenhäusern untergebracht, in denen Schweizerkästen eingebaut sind. «Die einen Imker bevorzugen Bienenmagazine, die anderen Bienenhäuser – es ist eine Philosophiefrage. Beides hat Vor- und Nachteile», erläutert der Imker. Mit Magazinen sei der Stock mobil und könne erweitert werden. Allerdings müsse man auch immer viel Material hinbefördern. Die Häuser bieten Raum für alles, was der Imker so braucht. «Wichtig ist immer, darauf zu achten, dass die Bienen sich in ihrer Umgebung wohlfühlen», führt er aus: «Ich empfehle, Insektenhotels aufzustellen. Wenn die gut von Wildbienen besucht werden, ist das ein sehr gutes Zeichen.»

Da es für die beiden also genügend Patenschaften gibt, ist die Frage, was ihr Anliegen ist. «Es wäre schön, wenn auch andere Imker die Idee mit den Patenschaften kopieren», findet Sandra Köpfli. Das sei zwar ein aufwendiges Vorhaben, aber man bekomme viel zurück. «Wir möchten auch mehr Bewusstsein für die Bienen schaffen und das Interesse an ihnen weitergeben.» Im eigenen Garten könne mal schon viel bewegen. «Es ist schön, wenn man jemanden davon überzeugen kann, statt eines Steingartens einen bunten Blumengarten zu gestalten. Das ist viel besser für alle Insekten.» Aaron Weibel konnte sie auf jeden Fall dafür begeistern. «Er hilft mir gerade, Blumen für seinen bienenfreundlichen Garten vorzuziehen», freut sich die Imkerin.

Informationen zur Imkerei und Bienen-Patenschaften sind auf der Website www.bienenzwirbel.ch zu finden.