Ein Biber treibt in Oberlunkhofen sein Unwesen. Der pelzige Nager hat im Jonenbach Dämme errichtet und ärgert damit die Landwirte. Ihre angrenzenden Landwirtschaftsflächen sind besonders davon betroffen. So spüren auch Josef Frei aus Oberlunkhofen und Franz Hagenbuch aus Werd die Anwesenheit des Bibers.

Ihre Maisfelder werden von dem Säugetier heimgesucht, doch das sei weniger das Problem: «Ein guter Bauer vermag den Dachs, oder in diesem Fall den Biber», lacht Franz Hagenbuch. Das Land, das unter Wasser steht, etwa 50 bis 60 Hektaren, bereitet den Landwirten mehr Sorgen. «Ein Quadratmeter Land kostet ungefähr zehn Franken. Es geht hier um einen Schaden von fünf Millionen Franken», erklärt Hagenbuch. Die Entschädigung deckt mit ungefähr 1000 Franken nicht annähernd, was der Damm anrichtet.

Der Biberdamm staut das Wasser im Jonenbach. Dadurch sind die Drainageleitungen rund um die Felder nutzlos.

Der Biberdamm staut das Wasser im Jonenbach. Dadurch sind die Drainageleitungen rund um die Felder nutzlos.

Aber wie konnte der Biber so einen Schaden anrichten? Für die Trockenlegung der Felder rund um den künstlich angelegten Wasserkanal dienen unterirdische Leitungen, sogenannte Drainagen, als Entwässerungssystem. Sie sorgen dafür, dass das überschüssige Wasser auf den Äckern, das nicht nur vom Regen, sondern auch von der Reuss stammt, abfliessen kann. Dieses System funktioniert jedoch nur, wenn die Felder höher gelegen sind als der Bach, in den das überschüssige Wasser fliesst.

Durch die Dämme, die der Biber gebaut hat, hat sich das Wasser auf die gleiche Höhe wie die Felder angestaut. Als Folge vom erhöhten Wasserspiegel werden die Felder nicht mehr entwässert und die unterirdischen Leitungen nicht mehr gespült. Einfach entfernen darf man die Biberbauten nicht, da das Tier unter Schutz steht – es braucht ein Baugesuch, um den Damm zu entfernen.

Verletzungsgefahr für Passanten

«In den letzten zehn Jahren ist die Population des Bibers gewachsen», erklärt Christian Tesini von der Kantonalen Sektion für Jagd und Fischerei. Obwohl das Wachstum der Population in den vergangenen fünf Jahren stagnierte, gibt es zurzeit rund 300 Tiere im Kanton Aargau.

Zu Beginn dieses Jahres wurde schon einmal ein Gesuch eingereicht, um einen Biberdamm in Rottenschwil zu entfernen. Dieses wurde abgelehnt. Trotzdem stehen die Chancen gut, dass der Damm in Oberlunkhofen entfernt werden kann. Die Stiftung Reusstal wird nach Auskunft von Geschäftsführer Josef Fischer keine Einsprache erheben. Auch Revierförster Urs Huber ist für die Entfernung des Dammes. Dadurch, dass der Biber Bäume annagt, entstehe eine zusätzliche Gefahrenquelle. Für ihn steht die Sicherheit der Passanten im Fokus: «Ich möchte nicht erleben, dass ein Velofahrer oder Erholungssuchender verletzt wird, weil ein Baum auf den Weg fällt.»