Population

Biber ziehen vom Aargauer Norden in den Süden an die Reuss

Die einst in der Schweiz ausgerotteten Säugetiere sind geschützt. (Archiv)

Die einst in der Schweiz ausgerotteten Säugetiere sind geschützt. (Archiv)

Die Biber haben den Aargauer Süden entdeckt. Sie verlassen öfters Reviere im Norden unseres Kantons und finden an Bächen und Flüssen im Süden neue Domizile. Ausgeprägt zeigt sich die Revierwanderung Richtung Süden an der Reuss.

Auf dem Abschnitt zwischen dem Stauwehr Bremgarten-Zufikon und der Kantonsgrenze zu Luzern hauste 2008 nur eine Biberfamilie. 2013 logierten hier, in der Aargauer Reussebene, gemäss der alle fünf Jahre erhobenen nationalen Bestandeserhebung vier Familien mit vier bis fünf Tieren pro Familie.

Nagespuren an Bäumen und Sträuchern deuten darauf hin, dass die Biberpopulation auf diesem Freiämter Reussabschnitt weiter zugenommen hat. Aktuell bewohnen das Gebiet fünf oder sechs Familien und einige wenige Einzeltiere. Biberfamilienreviere sind unter anderem der Sporen beim Dominiloch-Steg, das Werderhölzli, das Gebiet zwischen der Rottenschwiler und der Werder Brücke oder das Gelände der Reussbrücke zwischen Birri und Ottenbach.

Nahrung und Renaturierung

Eindeutige Erklärungen für die Biberwanderung Richtung Süden gibt es nicht, Mutmassungen dagegen schon. Biologen vermuten, dass es den Bibern an den angestammten Revieren bei Rhein und Aare zu eng wurde und das dortige Nahrungsangebot teilweise knapp geworden sein könnte. Auch Renaturierungsmassnahmen bei der Reuss, die man im Lauf der letzten Jahre vollzog, begünstigten die Biber-Besiedlung in unserer Region.

«Im Grunde genommen», gab der beim Kanton Aargau für die Biber zuständige Biologe Christian Tesini zu verstehen, «war es nur eine Frage der Zeit, bis die Biber in die südlichen Gefilde vordrangen.» Auch hier sei attraktiver Lebensraum vorhanden.

Markante Nagespuren unweit der Reussbrücke, die Rottenschwil mit Unterlunkhofen verbindet.

Markante Nagespuren unweit der Reussbrücke, die Rottenschwil mit Unterlunkhofen verbindet.

Grösser geworden ist der Biberbestand im Aargau nicht. Sowohl im Jahr 2008 als auch im Jahr 2013 betrug die Population je rund 270 Tiere. Gemäss Einschätzungen dürfte der kantonsweite Bestand bei der nächsten Zählung 2017 oder 2018 leicht steigen. Eine massive Zunahme wird nicht erwartet.

Konfliktgebiet Werderhölzli

Sehr wohl fühlt sich die Biberfamilie, die das Waldgebiet Werderhölzli auf Rottenschwiler Boden besiedelt. Hier findet das Elternpaar mit den zwei Jungen einen nahezu perfekten Lebensraum vor. «Die Giessen im Werderhölzli am rechten Reussufer sind für die Biber ideal», sagt Josef Fischer, der Geschäftsführer der Stiftung Reusstal und Leiter des Zieglerhauses in Rottenschwil.

Aufstossendes Grundwasser drücke von der Reuss her ins Waldgebiet, was den Bibern sehr behage. Die Tiere bauten im Werderhölzli denn auch einen 60 Zentimeter hohen Damm. Das aufgestaute Wasser vernässt den Waldboden zunehmend, Bäume drohen abzusterben. Auch werden Schäden auf den angrenzenden Kulturland- und Naturschutzflächen befürchtet.

Der Kanton Aargau wollte das Problem lösen, indem er die Schaffung eines Biber-Reservats im Werderhözli vorschlug. Die Ortsbürger von Rottenschwil, die Eigentümer des Waldgebiets, sollten 50 Jahre auf die Holznutzung verzichten und dafür finanziell durch die Abteilung Wald des Kantons entschädigt werden. An einer Konsultativabstimmung Ende November 2014 sprachen sich die Ortsbürger deutlich gegen das Biber-Reservat aus.

Gesuch hängig

Ende Januar 2015 wurde die Gemeindebehörde Rottenschwil aktiv. Im Auftrag der Ortsbürger reichte sie bei der Abteilung Jagd und Fischerei des Kantons Aargau ein Gesuch ein. Das Gesuch zielt darauf ab, den Biber-Damm im Werderhölzli zu entfernen und so die Biber zu vertreiben.

Ob das Gesuch bewilligt wird, ist offen. Laut Biologe Christian Tesini von der kantonalen Abteilung Jagd und Fischerei sind die Stellungnahmen der diversen Verwaltungsstellen eingetroffen. Der schriftliche Entscheid mit Begründung liege noch nicht vor, er werde Ende April dem Gemeinderat Rottenschwil mitgeteilt.

Fachleute halten wenig von einer Entfernung des Damms. Sie vermuten, dass die Tiere den Damm rasch wieder aufbauen würden. Auch ein mehrmaliges Zerstören des Damms sei kaum zielführend. Sesshaft gewordene Biber würden hartnäckig an einem attraktiven Revier à la Werderhözli festhalten.

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