Die Biber breiten sich im Mittelland immer mehr aus. Die Population nimmt auch an der Reuss im Freiamt ständig zu, wo die geschützten Nager an verschiedenen Stellen ihr Refugium haben. Wen wunderts, dass sich nun auch auf dem Areal der Kläranlage des Abwasserverbandes Kelleramt in Unterlunkhofen diese possierlichen Pelztiere heimisch fühlen. «Unser Betriebspersonal hat schon tagsüber Biber auf dem ARA-Gelände angetroffen. Einer davon liess sich selbst dann nicht aus der Ruhe bringen, als ihm der Klärwärter mit dem Fotoapparat folgte», erzählt Verbandspräsident Anton Burkart, der im Rechenschaftsbericht 2017 titelte: «Auch das ARA-Areal bleibt von den Bibern nicht verschont.»

Der Biber besiedelt Gewässer vom Fluss bis hin zum Entwässerungsgraben. Stehen ihm nur mangelhafte Lebensräume zur Verfügung, zeigt er sich sehr anpassungsfähig und richtet sich auch an aussergewöhnlichen Plätzen ein. Aktuell gibt es wieder knapp 3000 Biber in der Schweiz, Tendenz steigend.

Biber sind bekannt dafür, dass sie Bäume fällen und selbst vor den dicksten Stämmen nicht kapitulieren. Die AZ wollte wissen, ob es in der ARA diesbezüglich schon zu Schäden gekommen sei. «Kein Baum steht so nahe am Gelände, dass ein vom Biber gefällter Baum in der Anlage Schaden anrichten könnte. Die Nagetiere tun sich viel eher am Bach- und Flussufer an kleinerem Gehölz und an Büschen gütlich», meint der Verbandspräsident. «Es ist auch so, dass keines dieser Tiere in ein Klärbecken gelangen könnte, weil die Umfassungsmauern zu hoch sind.» Das heisst mit anderen Worten: Die Biber beissen sich am Beton der ARA im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne aus.

Der Biber ist im Kelleramt heimisch geworden, weil er dort offenbar gute Lebensbedingungen vorfindet. Seit mehreren Jahren sorgen übrigens Biberdämme in der Alten Jone für Konflikte zwischen Bauern und Naturschützern. Die Biberdämme führen dazu, dass die Drainageleitungen auf den Feldern im Reusstal nicht funktionieren und die Äcker zu wenig entwässert werden.

Daneben nagen die Biber gelegentlich Zuckerrüben an, Gemüse und andere Feldfrüchte. Bloss in der Kellerämter Verbands-Kläranlage gehen sie, wie erwähnt, leer aus. Wie gelangen die Biber überhaupt auf das ARA-Areal? «Sie kommen vom Jonenbach von zwei Seiten oder von der Reuss herauf. Vom Bach her ist das Gelände offen. Also kein Problem für einen Biber, bis zur Kläranlage zu gelangen», hält Anton Burkart im Gespräch mit der AZ fest. (wch)