Trauerfeier

«Bhüeti Gott, liebi Irma»: Wohlen nimmt Abschied von der «Chäber»-Wirtin

„Sie hatte ein bewegtes Leben“

„Sie hatte ein bewegtes Leben“

Verwandte, Freunde und Bekannte nahmen Abschied von der Kult-Beizerin Irma Koch. Die „Aargauerin des Jahres“ starb letzte Woche 87-jährig.

Die Trauerfeier für die vor einer Woche verstorbene Irma Koch, den «Chäber», war emotional, traurig, aber auch fröhlich – ihr hätte es gefallen.

Jazz-Musik in der Kirche – wie könnte der Abschied für Chäber anders eingeläutet werden? Einige Gäste wippten mit dem Fuss mit, so soll es sein. Eine aussergewöhnliche Feier für einen ebensolchen Menschen, sagte selbst Pfarrer Kurt Grüter: «Eine aussergewöhnliche Person mit einem grossen Herzen hat uns leider für immer verlassen – de Chäber.»

Viele ihrer Freunde und Verwandten gestalteten den Gottesdienst mit, neben ihrem Neffen Beat Koch in der Jazzband auch Ariane Gregor und Dorfhistoriker Heini Stäger. Nachdem Letzterer die Bibel vom Rednerpult entfernt hatte, erzählte er von der Urwohlerin, die damals, als sie 1964 zurück nach Wohlen kam, nicht allen Urwohlern passte.

«Den Urwohlern eigentlich schon, nur den Urwohlerinnen nicht. Eine ledige junge Wirtin, das war gschpässig. Sie ist damals über Wohlen hereingebrochen wie die Rolling Stones im Hallenstadion über Zürich», erinnerte er sich. «Nach drei Wochen liess sie eine Bühne bauen für Live-Musik. Ein solches Gaudi so nahe bei der Kirche?!»

Bilder vom Abdankungs-Gottesdienst zu Ehren der verstorbenen Irma Koch: 

Er berichtete vom Hurti-Tee und Irmas Geschichten von früher. «In ihren letzten Tagen als Wirtin erinnerte sie mich ein bisschen an Bruder Klaus», fügte Stäger an. «Sie war allein, und doch pilgerten alle zu ihr. Bruder Klaus und Schwester Chäber – nein, das passt dann doch nicht ganz», schmunzelte er.

Chäber-Kultur ist Toleranz

Auch Urs Senn, einer der «Aaschmierer», der sie seit 1973 kannte, erinnert sich gern an den Chäber: «Anfangs hatten wir beide einen sehr zwiespältigen Eindruck voneinander, Irma und ich. Sie, weil ich eine Ovo im milchlosen Lokal bestellte, und ich, weil sie mir danach bald sagte, ich solle mein Bier austrinken, sie hätten noch anderes vor.»

Er sei dennoch zum Stammgast geworden, weil die Beiz und die Wirtin einfach einzigartig waren. Über die Jahre hätte Irma die Chäber-Kultur eingeführt und aufrechterhalten: Eine Kultur von Toleranz, wo alle Platz hatten und nicht bloss am Stammtisch laferten, sondern richtig miteinander redeten. Seine Worte wurden mit dem vorgetragenen «Schacher Seppeli» untermalt, das Irma immer gerne gehört hatte.

Die Worte unterstrich auch Pfarrer Grüter mit dem Bibelzitat, das er für sie aussuchte: «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Irma setzte diesen Satz täglich in die Tat um, war quasi Sozialarbeiterin und Seelsorgerin und hatte sowohl immer ein offenes Ohr als auch ein riesengrosses Herz.» Irma habe viel gebetet und auf Gott vertraut.

«Besonders am Freitagnachmittag um 3, wenn die Glocken an den Tod Jesu erinnerten, betete sie gerne.» Darum habe man sie genau dann, nach dem Glockengeläut, beigesetzt. «Das passt zu ihr», so Kurt Grüter. «Irma wird sicher im Himmel ihren Stammtisch haben mit Kerzli, Bierli, ihren verstorbenen Stammgästen und dem Herrgott. Leb wohl im Himmel, lieber Chäber.»

Zum Abschied sagte er die Worte, die sie all ihren Gästen stets mit auf den Weg gegeben hatte: «Bhüeti Gott, liebi Irma.»

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