Bezirksgericht Muri
Gast soll dem Servicepersonal des Restaurants 5000 Franken gestohlen haben

Ein 49-Jähriger wurde von der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten angeklagt. Er soll sich während knapp anderthalb Monate unrechtmässigen Zutritt zu einem Restaurant verschafft und dort Geld entwendet haben.

Melanie Burgener
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Der Angeklagte musste sich vor dem Bezirksgericht in Muri verantworten.

Der Angeklagte musste sich vor dem Bezirksgericht in Muri verantworten.

Marc Ribolla

«Ich bin unschuldig und habe nichts von niemandem genommen», antwortete Pablo (Name geändert) auf die Vorwürfe, mit denen Gerichtspräsident Markus Koch ihn konfrontierte. Der Angeklagte sprach in schnellem Spanisch, eine Dolmetscherin übersetzt.

Der 49-jährige musste sich am vergangenen Freitag vor dem Bezirksgericht Muri stellen, weil die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten ihm mehrfachen Diebstahl sowie mehrfachen Hausfriedensbruch vorwarf. Sie beantragte eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 80 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren, eine Busse von 2400 Franken, das Bezahlen der Verfahrenskosten sowie einen Landesverweis von fünf Jahren.

Er soll 5000 Franken aus dem Restaurant geklaut haben

Im Jahr 2014 reiste Pablo zum ersten Mal in die Schweiz ein, um hier zu arbeiten, 2018 immigrierte er erneut. Seither arbeitet er als Gartenbauer und lebte bis im vergangenen Oktober in einem gemieteten Zimmer in einem Freiämter Gasthof.

In jenem Hotel soll er im vergangenen Jahr während eines Zeitraums von knapp anderthalb Monaten mehrmals die Gaststube betreten und dort aus dem Buffet Geld entwendet haben. «Dem Beschuldigten gelang es, auf diese Art und Weise rund 5000 Franken an sich zu nehmen», so die Anklageschrift. Zutritt hätte er sich ausserhalb der Öffnungszeiten und mit einem versteckt gelegenen Schlüssel verschaffen, so die Klage weiter.

Prozess: Ein Gast soll dem Servicepersonal vom «Löwen» in Sins 5000 Franken gestohlen haben.

TeleM1

Als Beweis diente die Aussage einer Serviceangestellten. Sie erwischte Pablo am 31. Juli 2020, wie er hinter dem Buffet Schubladen durchsuchte. Als sie ihn darauf ansprach, will sie gesehen haben, wie mehrere Zwanzigernoten zu Boden fielen, und auch in seiner Hosentasche habe es nach «Geldknäueln» ausgesehen, gab sie zu Protokoll. Zu diesem Zeitpunkt war das Restaurant geöffnet und Pablo als Gast im Raum.

Weiter filmte eine Überwachungskamera den Angeklagten, wie er anderthalb Monate später ausserhalb der Öffnungszeiten in der Gaststube Schränke durchsuchte. Der Beschuldigte erklärte:

«Ich hatte eine Operation an den Fingern. Eine Angestellte hat mir schon mal Eis zum Kühlen gegeben. An diesem Wochenende waren die Schmerzen wieder so stark, dass ich im Restaurant nach Eiswürfel gesucht habe.»

Er habe sich immer frei im Haus bewegt. Es habe ihm nie jemand verboten, die Gaststube zu betreten, die Verbindungstür sei nicht geschlossen gewesen.

Anschuldigungen des Strafklägers basierten auf einem Bauchgefühl

An welchen Tagen Geld entwendet wurde und wie hoch die jeweilige Summe war, konnte der Besitzer des Hotels nicht genau angeben. «Seine Angaben basieren auf seinem Bauchgefühl. Er sagte aus, es könnten 1000, aber auch 5000 Franken gewesen sein. Da sein Personal aber jeweils nach Feierabend das Geld zählt, hätte der Strafkläger wissen müssen, wie viel fehlt», sagte die Verteidigerin. Weiter müsse der Beschuldigte mangels Strafanzeige vom Vorfall des 31. Juli freigesprochen werden – vorgeworfen werden ihm nur Diebstähle ausserhalb der Öffnungszeiten. Auch konnte die Angestellte nicht mit Sicherheit sagen, ob Pablo das Geld aus der Schublade genommen und ob jene Knäuel in seiner Tasche nicht seine eigenen Scheine gewesen seien, auch die Videoaufnahmen zeigen ihn nicht beim Diebstahl.

Mit ähnlichen Argumenten begründete Markus Koch schliesslich das Urteil. Das Verfahren wegen mehrfachen Hausfriedensbruchs wurde eingestellt. Der Beschuldigte wurde wegen mangelnder Beweise auch vom mehrfachen Diebstahl freigesprochen. Er muss das Land nicht verlassen. Angeklagt wurde er lediglich für den Hausfriedensbruch am Wochenende im September. Koch sagte:

«Auch eine offene Türe berechtigt einen nicht dazu einzutreten, das muss man nicht aktiv verbieten.»

Er sprach eine Busse von 15 Tagessätzen à 80 Franken bedingt mit einer Probezeit von zwei Jahren und eine Verbindungsbusse von 300 Franken aus. Zudem muss Pablo einen Viertel der Verfahrenskosten bezahlen und, sobald es seine wirtschaftliche Lage zulässt, auch einen Viertel der Entschädigung seiner Verteidigerin.

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