bezirksgericht muri
Notorische Tierhorterin schlägt und beschimpft Beamtin – nun muss sie in Therapie

Weil sie eine Mitarbeiterin des Veterinäramtes während einer Kontrolle tätlich angriff, stand eine notorische Tierhorterin vor dem Bezirksgericht Muri. Der 30-Jährigen war ein Tierhalteverbot auferlegt worden, weil sie ihre Hunde und Katzen vernachlässigt hatte. Darüber hat sich die psychisch kranke Frau immer wieder hinweggesetzt.

Nathalie Wolgensinger
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Unter anderem wurden auch fünf unterernährte junge Katzen bei Marianna beschlagnahmt.

Unter anderem wurden auch fünf unterernährte junge Katzen bei Marianna beschlagnahmt.

Sandra Ardizzone
(Symbolblid)

Marianna (Namen geändert) erscheint an diesem Hochsommertag in einer dicken schwarzen Jacke, Leggins und Wanderschuhen vor dem Murianer Bezirksgericht. Sekundiert wird sie von ihrem Lebenspartner Kevin. Er ist IV-Bezüger, sie lebt von Sozialgeld. Die gemeinsame Wohnung teilt das Paar mit seinen Tieren. Mit zu vielen.

Bei diversen Kontrollen des Veterinäramtes kam zu Tage, dass sich einige der Tiere in einem schlechten Zustand befanden. Aus diesem Grund wurde ein beschränktes Tierhalteverbot ausgesprochen.

Zu verantworten hatte die 30-Jährige diverse Vergehen gegen das Tierschutzgesetz sowie Gewalt und Drohung gegen Behörden. Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten unbedingt, eine Busse von 1000 Franken sowie 180 Tagessätze à 30 Franken.

Die Nachkontrolle des Veterinäramtes gerät ausser Kontrolle

Ein psychiatrisches Gutachten stellte fest, dass Marianna an einer Borderline-Störung leidet und pathologisch Tiere hortet. Diese Befunde seien einzeln betrachtet als schwer, in Kombination aber als sehr schwer einzustufen, so das Gutachten.

Anfang des Jahres 2020 wurde Marianna verboten, mehr als vier Hunde und fünf Katzen zu halten. Bei der Nachkontrolle des Veterinäramtes im Mai vor einem Jahr kam es dann zur Eskalation. Die Mitarbeiterinnen des Veterinäramtes trafen neun Hunde und vier Katzen an, einige der Hunde waren deutlich unterernährt.

Marianna erzählt, sie habe sich in diesem Moment in die Enge getrieben und wehrlos gefühlt, man habe sie gar nicht beachtet. Sie sagt: «Ich wollte meine Beruhigungsmittel in der Küche holen, der Polizist liess mich aber nicht dorthin.»

Bei einer Nachkontrolle stiess das Veterinäramt auf einen Pitbull-Terrier-Mix, auch er gehört zu den Listenhunden mit erhöhtem Gefährdungspotenzial.

Bei einer Nachkontrolle stiess das Veterinäramt auf einen Pitbull-Terrier-Mix, auch er gehört zu den Listenhunden mit erhöhtem Gefährdungspotenzial.

Sandra Ardizzone
(Symboldbild)

Sie habe die Frauen als «Schlampen» beschimpft

Die Anwesenheit der Polizei war gefordert, weil man von früheren Nachkontrollen her wusste, dass Marianna verbal ausfällig werden kann. Als Marianna sah, wie ihre beiden Hunde abgeführt wurden, flippte sie aus, beschimpfte die beiden Frauen als «Schlampen» und würgte eine von ihnen am Hals.

Kevin bestritt bei der Einvernahme durch Gerichtspräsident Markus Koch, dass seine Partnerin die Frau gewürgt habe. Marianna selbst konnte sich nicht mehr daran erinnern. Dass die Tiere unterernährt waren, bestritten beide. Ein Futterwechsel habe zu dieser vorübergehenden Gewichtsabnahme geführt, begründete Marianna.

Anfang des Jahres fand eine weitere Kontrolle beim Paar statt. Dieses Mal trafen die Kontrolleure auf einen unterernährten Pitbull-Mischling. Diesen hatte das Paar bei einem windigen Züchter gekauft, der die Welpen in einer Garage hielt. Die anschliessende Untersuchung ergab, dass der beschlagnahmte Hund mindestens drei Kilo schwerer hätte sein sollen.

«Sie sind auf dem Radar des Veterinäramtes»

Beide beteuerten, nicht bemerkt zu haben, dass sie einen Pitbull-Terrier- Mix kauften. Auch die Bilder der Elterntiere, die laut Aussagen von Fachleuten eindeutig auf Pitbull-Terrier hinwiesen, machten sie nicht stutzig. Der Züchter habe versichert, dass es sich um einen Bulldoggen-Mix handle, so Kevin.

Im Februar dieses Jahres stiess man bei einer weiteren Kontrolle auf fünf unterernährte Katzenwelpen und acht Ratten. Weshalb Marianna wieder mehr Tiere hielt, als ihr zugestanden wurden, hatte einen einfachen Grund: «Ich bin gegen das Kastrieren von Katzen», sagte sie. Überhaupt zeigte sie sich während der Befragung von Gerichtspräsident Markus Koch wenig einsichtig. So sagte sie beispielsweise: «Ich bin keine Tierhorterin. Es ist eine Frechheit, das zu behaupten.» Dass sie den Tieren zu wenig Futter gegeben haben soll, stritt sie ab. Sie beteuerte: «Erst kommen bei uns die Tiere, das ist uns das Wichtigste.»

Nach drei Stunden Verhandlung fällte Gerichtspräsident Koch das Urteil: Acht Monate unbedingt, aufgeschoben zu Gunsten einer ambulanten Behandlung, und 1000 Franken Busse. Ausserdem widerrief er zwei Strafbefehle aus früheren Verurteilungen. Sie habe immer weiter delinquiert, sogar während der Probezeit, deshalb sehe er keinen Grund, die unbedingte Strafe – wie das die amtliche Verteidigerin Mariannas forderte – zu verkürzen.

Er wisse um ihre psychische Krankheit, dennoch müsse sie die Rechte der Tiere wahren, so Koch. Zum Schluss mahnte er: «Sie sind auf dem Radar des Veterinäramtes, lassen Sie sich künftig nichts mehr zu Schulden kommen.»