Bezirksgericht Bremgarten
Aus Freunden wurden Feinde: Geldwäsche, Korruption und Drohungen warf der eine dem anderen vor

Ein jahrelang schwelender Streit zwischen zwei ehemaligen Freunden landete – schon wieder – vor Gericht. Diesmal vor jenem in Bremgarten. Ob Bezirksrichterin Corinne Moser einen endgültigen Frieden bewirken konnte? Die ganze haarsträubende Geschichte.

Nathalie Wolgensinger
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Wie aus Freunden Feinde wurden: Am Bezirksgericht Bremgarten wurde eine haarsträubende Geschichte verhandelt.

Wie aus Freunden Feinde wurden: Am Bezirksgericht Bremgarten wurde eine haarsträubende Geschichte verhandelt.

Sandra Ardizzone (6. Juni 19)

Einst waren Dragan und Ueli (Namen geändert) gute Freunde, sie verbrachten sogar gemeinsam mit ihren Familien Ferien in Kroatien. Doch das ist lange her, heute würdigen sich die beiden Männer keines Blickes mehr. Ueli erzählte vor Gericht: «Ich habe Dragan 20'000 Franken gegeben, damit er ein Auto in Deutschland kaufen konnte. Weder vom Geld noch vom Auto habe ich je wieder etwas gesehen.»

Das war aber nicht der Grund, weshalb sie sich an diesem Dienstagnachmittag vor den Schranken des Bremgarter Bezirksgerichtes trafen. Das missratene Geschäft liegt bereits einige Jahre zurück und hat in der Zwischenzeit mehrere Gerichte in den Kantonen Aargau und Zürich beschäftigt. Dass die beiden nun schon wieder vor Gericht standen, hatte einen ganz anderen Grund.

Dragan greift in die Tasten

Dragan schrieb im Spätherbst vor drei Jahren E-Mails mit pikantem Inhalt an Ueli und seine beiden Geschäftspartner Hans und Jakob. Darin beschuldigte er das Trio des Betruges, der falschen Machenschaften und des Sektierertums. Dragan verschickte im Namen von Ueli ausserdem ein E-Mail an Hans und Jakob und weitere Geschäftspartner, in dem er drohte, dass er mit seinem Insiderwissen über ihre Firma an die Öffentlichkeit gelange. Die Firma von Ueli, Hans und Jakob ist im Programmmanagement tätig.

Geschäftspartner Hans, der Gemeindepräsident einer Ostschweizer Gemeinde ist und zudem Einsitz im Kantonsrat hat, bekam wenig später auch noch sein Fett weg. Im Frühling vor zwei Jahren sandte Dragan an die Gemeinde- und Finanzverwaltung von Hans' Wohngemeinde einen anonymen Brief, in dem er ihn der Geldwäsche, der Korruption und der Urkundenfälschung bezichtigte.

Einige Tage später legte Dragan nach und bezichtigte Ueli nochmals der Geldwäsche, des Steuerbetruges und der Urkundenfälschung. Adressaten waren dieses Mal die Gemeinde- und Finanzverwaltung seiner Heimatgemeinde sowie weitere Geschäftspartner.

Geschäftsführer Jakob wurde vom gebürtigen Kroaten ebenfalls angeschwärzt. Dragan sandte ein anonymes Schreiben mit ähnlichen Anschuldigungen an seine Wohngemeinde im Wallis. Jakob empörte sich, dass ihn der Gemeindeschreiber seiner Gemeinde über das Schreiben informiert hatte. Und dies erst noch hinter vorgehaltener Hand und nach der Probe des Kirchenchores.

Dragan wird von Corinne Moser verwarnt

Nun sassen sie also vor Bezirksrichterin Corinne Moser. Dragan focht den Strafbefehl der mehrfachen üblen Nachrede und Beschimpfung an, und auch Ueli akzeptierte seinen Strafbefehl nicht, in dem er von Dragan der Beschimpfung bezichtigt worden war.

Ueli, der sein Geld als Unternehmensberater verdient, schrieb Dragan nämlich, dass sein Gebaren «kroatisch und intransparent» sei und auch die Freundschaft offenbar nichts mehr zähle. Diese Vorwürfe brachte Dragan zur Anzeige. Er fühle sich darin in seiner Ehre verletzt, begründete er.

Ueli wiederum sah darin gar nichts Verwerfliches. Corinne Moser brauchte eine Engelsgeduld, um zu ergründen, weshalb Dragan – der als Hausmann vom Einkommen seiner Frau lebt – Ueli und seine Geschäftsfreunde mit Anschuldigungen eindeckte. Es kristallisierte sich heraus, dass er sich von Ueli und seinen einflussreichen Freunden eingeschüchtert fühlte. «Die wollen mich mundtot machen», warf er ihnen vor. Sein Redefluss war fast nicht zu stoppen. Erst als Moser eine Verwarnung aussprach, bremste er sich etwas.

Im Laufe der gut zwei Stunden dauernden Verhandlung wurde eines klar: Beide Männer fühlen sich vom anderen eingeschüchtert und unter Druck gesetzt. Während Dragan schilderte, wie Ueli sogar die Geschäftspartner seiner Frau unter Druck setzte, berichtete Ueli davon, dass Dragan ihm nach der letzten Gerichtsverhandlung gedroht habe, ihn fertigzumachen. Die Situation war verfahren, eine Einigung schien in weiter Ferne.

Ende gut, alles gut?

Corinne Moser gelang es aber, die beiden Parteien Stück für Stück auf den Weg einer Einigung zu bringen. Ueli hatte vor einiger Zeit einen Vergleichsvorschlag aufgesetzt, den er der Gerichtspräsidentin vorlegte. «Was sie hier machen, kostet Zeit und Geld und bringt keiner der Parteien etwas», argumentierte sie.

Das schien zu wirken. Die beiden stimmten dem Vergleichsvorschlag zu. Darin erliess Ueli einen Teil seiner Schulden. Dragan sagte zu, seine noch hängigen Strafanträge und auch die Betreibungen zurückzuziehen. Corinne Moser legte beiden Männern ans Herz – nun, da sie reinen Tisch gemacht hätten – den Streit ein für alle Mal beizulegen.

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