Freiamt

Bezirke Muri und Bremgarten aufheben? Kein Bedarf!

Schon heute blüht die Zusammenarbeit unter den Gemeinden und über die beiden Bezirke Bremgarten und Muri hinweg – nicht nur im Zusammenhang mit dem Spital Muri.

Schon heute blüht die Zusammenarbeit unter den Gemeinden und über die beiden Bezirke Bremgarten und Muri hinweg – nicht nur im Zusammenhang mit dem Spital Muri.

Die Zusammenarbeit über die Bezirksgrenzen funktioniert heute schon zur Zufriedenheit. Auch der oberste Regionalplaner winkt ab.

«Für uns ist das nicht das vordringlichste Thema», sagt Pius Wiss, Präsident des Regionalplanungsverbandes (Repla) Oberes Freiamt. Der Vorschlag der drei Buchautoren und Politiker Yvonne Reichlin-Zobrist, Kurt Schmid und Bruno Gretener, die Bezirke aufzuheben und dafür die Regionen neu zu definieren, «drängt sich für uns nicht so auf», findet auch Hampi Budmiger, Gemeindepräsident von Muri und Obmann der Gemeindeammännervereinigung des Bezirks Muri.

Der Grund ist klar: «Bei uns sind Bezirk und Regionalplanungsverband praktisch deckungsgleich». Das sieht im Bezirk Bremgarten etwas anders aus. Hier sind die zwei Regionalplanungsverbände Unteres Bünztal sowie Mutschellen-Reusstal-Kelleramt aktiv. Allerdings ortet man auch hier kein Bedürfnis, in die Strukturen einzugreifen.

Kurt Schmid, Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes und früherer Gemeindeammann, Bruno Gretener, Gemeindeammann von Mellingen, und Yvonne Reichlin-Zobrist, Leiterin der Gemeindeabteilung beim Kanton, machen in ihrem Buch «Einmaleins der Kommunalpolitik» Zukunftsvorschläge. Unter anderem stellen sie fest, dass die Bezirke laufend an Bedeutung verlieren und dass die Zusammenarbeit der Gemeinden in Regionalplanungsverbänden und über die bestehenden Bezirksgrenzen hinaus ablaufe. Als könne man die Bezirke aufheben. Stattdessen könnten Gemeinden, die sich in einem Regionalplanungsverband gefunden haben, geltende Beschlüsse für die ganze Region fassen. «Die so gebildete Region könnte die Funktion des Wahlkreises übernehmen», erklärt Kurt Schmid.

Unterschiedliche Gebilde

«Ich sehe nicht, welche Erleichterungen eine solche Änderung bringen soll», meint Raymond Tellenbach, Stadtammann von Bremgarten und Präsident der Repla Mutschellen-Reusstal-Kelleramt. Eine Diskussion um eine Aufhebung der Bezirke sei bisher auch nie aufgekommen. «Die Regionalplanungsverbände und die Bezirke sind auch ganz unterschiedliche Gebilde.» Die Replas seien aus einer raumplanerischen Not entstanden und heute ganz unterschiedlich aktiv. «Einige verstehen sich noch als raumplanerisches Instrument, andere sehen sich als regionale Förderungsstruktur.» Die Bezirke wiederum seien politisch begründet und noch heute Gerichtsbarkeit.

Schon längst denke und arbeite man vermehrt in funktionalen Räumen, sagt Heiner Graf, Präsident des Regionalplanungsverbandes Unteres Bünztal. «Zusammenarbeit über die Bezirksgrenze hinaus gibt es in vielen Bereichen – etwa beim Zivilschutz, im Gesundheitswesen, in der regionalen Planung. Und sie funktioniert gut», sagt der Hägglinger Gemeinderat. Er sieht deshalb keinen Grund, die Bezirke aufzuheben. «Es ist eine Idee, aber den politischen Wunsch dafür habe ich bisher noch nie gespürt.»

So ergeht es auch Béatrice Koller, Präsidentin ad interim der Gemeindeammännervereinigung des Bezirks Bremgarten. «Das war bei uns noch nie ein Thema.» Die Kontakte mit den Gemeinden im Bezirk Muri seien sehr gut, die Zusammenarbeit funktioniere und werde in Zukunft wohl noch an Bedeutung gewinnen. «Wir sind zum Beispiel über das Spital Muri mit dem Nachbarbezirk verbunden. Bei uns in Jonen geht die Zusammenarbeit auch über die Kantonsgrenzen hinaus.»

Zusammenarbeit stärken

Einig sind sich alle, dass die regionale Zusammenarbeit gestärkt werden muss. «Bei uns läuft schon vieles auf regionaler Ebene», stellt Budmiger fest. «Die Beibehaltung der Bezirke schliesst ja diese Zusammenarbeit nicht aus.» Aber man könne vielleicht schon einmal grundsätzlich überlegen, was Sinn macht. Das sieht auch Wiss so: «Die Bedeutung der Bezirke ist nicht mehr gleich wie früher. Die Bezirksämter gibt es nicht mehr, die Staatsanwaltschaft arbeitet regional, es bleiben eigentlich nur noch die Bezirksgerichte.» Schon heute würden Zusammenarbeit und Planungen über die Gemeindegrenzen hinweg auf Ebene Regionalplanungsverband geschehen. «Die Replas erhalten immer mehr Aufgaben, haben aber keine Kompetenzen.»

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