Wahlergebnisse
Bezirk Muri: SVP gewinnt die Wahl – CVP-Präsident ratlos wegen Schlappe

Die SVP gewinnt zwar weitere Wähleranteile im Bezirk Muri. Doch das bürgerliche Lager hat gesamthaft gesehen Stimmenanteile eingebüsst.

, Elia Diehl
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Im Bezirk Muri gibt es mehrere Sieger und zwei deutliche Verlierer. Die SVP hat 2,63 Prozent Wähleranteil gewonnen, die FDP ist mit 1,52 Prozent mehr als vor vier Jahren ebenfalls auf der Gewinnerseite.

Aber gesamthaft hat das bürgerliche Lager nicht zugelegt, im Gegenteil. Der Wähleranteil der Bürgerlichen ging von 80,87 Prozent im 2012 sogar zurück auf 76,88 Prozent, im gleichen Zeitraum holte Links-grün von 17,51 auf 20,98 Prozent auf.

Dazu trug insbesondere die SP mit plus 3,05 und die Grünen mit nur 0,42 Prozent bei. Trotzdem kam es zu einem Rechtsrutsch, indem die CVP und BDP, die sich in der Mitte sehen, 4,53 beziehungsweise 1,85 Prozent einbüssten. Eine harte Tatsache für die CVP, die in einem ihrer Stammlande einmal mehr verlor.

Bezirk Muri: Gewählt in den Grossen Rat (2016) Stöckli Milly, Muri, SVP (bisher) 3310 Stimmen.
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Urech Daniel, Sins, SVP (bisher) 2866 Stimmen.
Müller-Boder Nicole, Buttwil, SVP (neu) 2425 Stimmen.
Huwyler Stefan, Muri, FDP (bisher) 1473 Stimmen.
Burkard Flurin, Waltenschwil, SP (bisher) 1951 Stimmen.
Bucher Ralf, Mühlau, CVP (bisher) 2833 Stimmen.
Strebel Herbert, Muri, CVP (bisher) 2542 Stimmen.

Bezirk Muri: Gewählt in den Grossen Rat (2016) Stöckli Milly, Muri, SVP (bisher) 3310 Stimmen.

Zur Verfügung gestellt

SVP mit zweiter Frau

Vor vier Jahren wurde der Wahlerfolg der SVP im Bezirk Muri dem Bettwil-Effekt zugeschrieben. Der Plan des Kantons, in der Militäranlage eine Asylunterkunft zu realisieren, brachte nicht nur einen wesentlichen Teil der Dorfbevölkerung in Rage, sondern bescherte dem damaligen Gemeindeammann Wolfgang Schibler überraschend den dritten SVP-Sitz.

Schibler ist weggezogen nach Buchs (wo er übrigens trotz 4977 Stimmen nicht mehr wiedergewählt wurde, weil die SVP im Bezirk Aarau einen Sitz verlor) und die Diskussionen um Asylunterkünfte im Bezirk Muri haben sich beruhigt. Die Unterbringung von Asylsuchenden in der Geschützten Operationsstelle (GOPS) verlief problemlos und ist inzwischen obsolet geworden ist. Trotzdem fährt die SVP ihren Siegeskurs im Bezirk Muri fort und das deutlich.

Mehr noch: Mit Nicole Müller-Boder holt eine Kandidatin Schiblers Platz, die politisch ein bisher ziemlich unbeschriebenes Blatt ist. Was ist los im Bezirk Muri, einst treues Stammland der CVP?

Offensichtlich fällt diese Partei der Mitte, wie sich selber sieht, auch im Bezirk Muri buchstäblich zwischen Stuhl und Bank. Den eher konservativen Christdemokraten scheint die Politik der CVP in verschiedenen Themen genauso zu wenig profiliert wie christlichsozial geprägten Parteianhängern.

Letztere dürften mit dem SP-Wahlzettel in der Hand versucht haben, ein Gegengewicht gegen einen Rechtsrutsch zu setzen. Die BDP ist im Bezirk ebenfalls auf dem Kriechgang und weist mit neu 1,31 Prozent Wähleranteile eine sehr bescheidene Bedeutung auf. Die Entwicklung führt deshalb auch im Bezirk Muri zu einer Polarisierung der Kräfte.

Keine Erklärung

«Ratlos», zeigt sich Herbert Strebel, mit einem sehr guten Resultat wieder gewählter Grossrat und Präsident der CVP Bezirk Muri, über das Wahlresultat seiner Partei. «Ich habe keine Erklärung. Der Verlust ist schmerzhaft. Man wollte offensichtlich Ralf Bucher und mich im Grossen Rat, stärkte aber die Partei nicht. Dabei hatten wir eine gute Liste.» Es gelinge der CVP nicht, neue Leute zu mobilisieren. Was Strebel zudem bedrückt ist die tiefe Wahlbeteiligung von 29,6 Prozent. «Offensichtlich interessieren sich zwei Drittel nicht dafür, von wem sie im Aarau vertreten werden.»

Glücklich hingegen ist Doris Gasser, Präsidentin der SP Muri: «So lässig», kommentiert sie das Plus von 3,05 Prozent ihrer Partei. Es hätten sich viele Leute stark engagiert, was sich sicher positiv auf das Wahlergebnis ausgewirkt habe. «Wir haben in den letzten Jahren in der Partei einen Aufschwung erlebt. Dieses Wahlresultat wird das sicher weiter verstärken», freut sie sich. Eine Polarisierung in der alltäglichen Politik auf Bezirks- oder lokaler Ebene befürchtet Gasser nicht: «Wir vertreten unsere Standpunkte, aber wir wollen mit allen Parteien konstruktiv zusammenarbeiten.»

Die FDP konnten zwar um 1,52 Prozent zulegen, bleiben aber mit 11,40 Prozent Wähleranteil das Schlusslicht bei den Bürgerlichen. Daran wird sich in nächster Zukunft nichts ändern. Die Liberalen haben, wie die CVP, ein Problem, Nachwuchs zu rekrutieren. Die Grünen konnten ihren Anteil nur ganz leicht steigern, Sie können sich damit trösten, dass auch in der Natur dauerhafte Gewächse eher langsam, dafür aber stetig wachsen. Seit 2009 ist das bei den Grünen der Fall, während es bei den Grünliberalen genau umgekehrt verläuft.