Bezirk Muri
Die Schulpflege ist bald «passé» – der Schulrat dafür neu «formé»

Am 1. Januar 2022 übernehmen die Gemeinderäte die Funktionen der Schulpflege. Bestehen bleibt jedoch der Bezirksschulrat, der sich Ende letzten Jahres in Muri fast komplett erneuerte und nun bereit für die neue Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Schulen ist.

Pascal Bruhin
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Der Bezirksschulrat Muri ist breit aufgestellt (v.l.n.r.): Nicolas Abbondanza, Präsident (FDP), Henrieta Suter, Protokoll (FDP), Tobias Schär, St.Galler Examen (GLP), Reto Jenny, Finanzen (SVP), Fabian Trüb, Vizepräsident 2 (SVP), Helena Brun Rüegg, Rechnungsrevision (SP), Ueli Frey, Vizepräsident 1 (CVP).

Der Bezirksschulrat Muri ist breit aufgestellt (v.l.n.r.): Nicolas Abbondanza, Präsident (FDP), Henrieta Suter, Protokoll (FDP), Tobias Schär, St.Galler Examen (GLP), Reto Jenny, Finanzen (SVP), Fabian Trüb, Vizepräsident 2 (SVP), Helena Brun Rüegg, Rechnungsrevision (SP), Ueli Frey, Vizepräsident 1 (CVP).

zvg/Dalia Bohn

Ende September 2020 stimmte das Aargauer Stimmvolk mit rund 58 Prozent Ja-Stimmen für neue Führungsstrukturen an der Volksschule inklusive Abschaffung der Schulpflege. Per 1. Januar 2022 tritt diese Änderung nun in Kraft. So auch im Bezirk Muri. Die Gemeinderäte übernehmen die Aufgaben der Schulpflege. Doch was wird aus dem Bezirksschulrat? Diese Frage beantwortet das Gremium um Präsident Nicolas Abbondanza gleich selbst in einer aktuellen Medienmitteilung:

«Nach der Information der Neuorganisation der Schulpflegen möchten wir mitteilen, dass der Bezirksschulrat bestehen bleibt.»

Also bleibt alles beim Alten? Nicht ganz. Denn innerhalb des siebenköpfigen Schulrats, der jeweils durch Volkswahl bestellt wird, kam es ebenfalls im letzten Herbst zu einer grösseren Rochade. Sechs der sieben Mitglieder mussten ersetzt werden.

Alle grossen Parteien – ausser die Grünen – sind vertreten

Dem Milizgremium, das durch die politischen Parteien portiert und unterstützt wird, gehören seither nebst Präsident Abbondanza (Merenschwand, FDP) Ueli Frey (Muri, CVP) als erster Vizepräsident und Fabian Trüb (Aristau, SVP) als zweiter Vizepräsident an. Die Rechnungsrevision hat Helena Brun Rüegg (Muri, SP) inne, als Kassier fungiert Reto Jenny (Benzenschwil, SVP). Henrieta Suter (Muri, FDP) ist zuständig für das Protokoll, Tobias Schär (Merenschwand, GLP) für das St.Galler Examen.

Das St.Galler Examen

Als zusätzliche Aufgabe und nur im Bezirk Muri führt der Bezirksschulrat alljährlich die Bewertung und Prämierung des St.Galler Examens durch.

1828 stiftete der letzte Fürstabt des Benediktinerklosters St.Gallen, Pankratius Forster, Geld für die Auszeichnung besonderer Leistungen von Murianer Schülern. Der Abt hatte sein Kloster infolge der politischen Situation verlassen müssen und liess sich 1819 im Kloster Muri nieder, wo er Unterricht erteilte.

Früher gab es ein schulisches und religiöses Examen für die Schüler. Heute wird jährlich ein besonders herausragendes Projekt der 3. Real-, der Sekundarschule und des Berufswahljahrs aus Muri ausgezeichnet. Jedes Jahr wird dabei ein neues Motto gewählt. Für die Durchführung 2021 steht das Thema «Natürlich!» im Vordergrund.

Beschwerdeinstanz neu gegen Entscheide der Gemeinderäte

Doch was macht denn eigentlich so ein Bezirksschulrat? Auch diese Frage beantwortet das Gremium in seiner Mitteilung: «Der Schulrat des Bezirks überwacht die Kindergärten und Volksschulen, begutachtet die Einrichtung neuer Schulen und fördert die Zusammenarbeit der Gemeinden», erklärt es seine Daseinsberechtigung. Zudem behebe er Konflikte zwischen Schulbehörden und Lehrpersonen und überwache den Vollzug der Weisungen höherer Instanzen. Des Weiteren entscheide er über Beschwerden der Schulpflegen respektive neu der Gemeinderäte in Schulpflegeaufgaben. Der Bezirksschulrat schreibt dazu:

«Erste Erfahrungen haben gezeigt, dass die Schlichtung bei Beschwerden eine wichtige Aufgabe ist, die nicht nur durch Gesetzesartikel zu lösen ist.»

Das neutrale Sammeln von Informationen und Fakten, das Anhören und Zuhören, sich in jedes Schicksal einzulesen und aus allen möglichen Perspektiven zu betrachten und zu beurteilen, erfordere Erfahrung und Fingerspitzengefühl.

Breiter Erfahrungsschatz ist im Gremium vorhanden

Der neu gewählte Schulrat sei dafür gut aufgestellt. Die Ratsmitglieder brächten fundierte Führungs- und Facherfahrung aus Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung, Politik oder Bildungswesen mit. Auch die Altersdurchmischung sei ein Vorteil. So heisst es etwa in der Mitteilung:

«Junge und erfahrene Schulrätinnen und Schulräte setzen sich für konstruktive Lösungen im Sinne der Sache ein.»

Und obwohl juristischer Sachverstand oft im Mittelpunkt stehe, sei das Gremium, das nicht hauptsächlich aus Juristen besteht, dazu eine Bereicherung. Der Bezirksschulrat freue sich auf die anstehenden Herausforderungen und sei überzeugt, auch im neuen Setting, auf konstruktive Dialoge mit Behörden und Schulen im Bezirk setzen zu können.