Oberrüti
Bevölkerung will Kieswerk mitten in Oberrüti verhindern

Mit einer Aufsichtsbeschwerde gegen den Gemeinderat wehren sich die Einwohner von Oberrüti gegen ein Kies- und Betonwerk. Heftig diskutiert wurde an der Gemeindeversammlung auch über die Pläne für eine Inlinehockeyhalle.

Andrea Weibel
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Gemeindeammann Thomas Isler wollte gar nichts mehr sagen,«bevor das Resultat der Aufsichtsbeschwerde vorliegt». aw

Gemeindeammann Thomas Isler wollte gar nichts mehr sagen,«bevor das Resultat der Aufsichtsbeschwerde vorliegt». aw

«Uns ist die Brisanz des Abends bewusst, deshalb haben wir die Gemeindeversammlung für einmal in die Turnhalle verlegt», sagte der Oberrüter Gemeindeammann Thomas Isler am Freitag. Dies war auch nötig, denn von den 963 Stimmberechtigten waren 228 anwesend. Und tatsächlich boten diese Isler gleich doppelt die Stirn.

Besonders die jüngeren Oberrüter wurden von der Erarbeitung eines Studienauftrages für das Schulareal (87000 Franken) an die Versammlung gelockt, denn darin enthalten sind die Abklärungen für eine Inlinehockeyhalle der Z-Fighters Oberrüti. Der Gemeinderat hatte sich in seiner Formulierung in der Versammlungsbroschüre ungeschickt ausgedrückt, sodass sich mehrere Vereinsmitglieder verärgert zu Wort meldeten. Ihre gemeinsame Forderung war, dass der Gemeinderat die Interessen der Vereine nicht übergehen dürfe.

Isler versprach: «Wir spielen mit offenen Karten.» Es würden sämtliche Optionen für eine Turnhalle sowie eine Inlinehockeyhalle – oder beides in einem – auf dem Gebiet zwischen der Bahnhofstrasse und dem Kinderspielplatz hinter dem Schulhaus geprüft, verdeutlichte er. Dies hörten die Einwohner zum ersten Mal, denn zuvor war immer nur die Rede vom Land nördlich des Schulhauses gewesen. So konnten sie den Antrag grossmehrheitlich annehmen. Ebenso den Voranschlag 2013 mit einem Steuerfuss von 112 Prozent.

Beim Baugesuch der Vanoli AG, die im Industriegebiet ein Kies- und Betonwerk bauen will, wurden sich der Gemeinderat und die Einwohner hingegen gar nicht einig. Anwohner beantragen die Änderung der Bau- und Nutzungsordnung (BNO), um den Bau des Werks zu verunmöglichen. Ihre Argumente sind vor allem Lärm, Dreck und Sicherheitsgefährdung durch die vielen Lastwagen, die das Werk mit sich bringen würde. Der Ammann beharrte darauf, dass eine BNO-Änderung nichts nützen würde, weil das Baugesuch nach der alten Fassung eingereicht und auch danach beurteilt werden müsse.

«Wir haben uns von einem Baurechtsexperten versichern lassen, dass eine Änderung durchaus Auswirkungen auf den Bau hätte. Es liegt nur am Gemeinderat, der den Willen der Bevölkerung nicht umsetzen will», hielt ihm Urban Stenz vor, der zusammen mit anderen Werkgegnern in Aarau eine Aufsichtsbeschwerde gegen den Gemeinderat eingereicht hat. Toni Leu und Viktor Weber doppelten nach, doch Thomas Isler enthielt sich jeglichen Kommentaren: «Ich sage gar nichts mehr, bevor das Resultat der Aufsichtsbeschwerde vorliegt.» Damit goss er aber lediglich Öl ins Feuer. Jacqueline Strebel versuchte zu beschwichtigen: «Wir würden uns gerne mit dem Gemeinderat an einen Tisch setzen und das Ganze besprechen.» Doch auch das half nicht. Also verdeutlichte Pius Bensegger: «Wir möchten nicht gegen den Gemeinderat arbeiten. Aber wir sind bereit, weiterhin Zeit zu investieren und Geld in die Hand zu nehmen, um das Werk im Interesse aller zu verhindern.»