Muri
Bettwils Gemeindammann wird auf Kosten der Grünen gewählt

Wahlerfolg für Wolfgang Schibler dank dem «Bettwil-Effekt». Der Gemeindeammann holt auf Kosten von Martin Köchli (Grüne) einen dritten Sitz für die SVP. Schibler freut sich sehr über die Wahl, die für ihn überraschend gekommen sei.

Fabian Hägler
Merken
Drucken
Teilen
Info-Veranstaltung zu Asylunterkunft eskaliert

Info-Veranstaltung zu Asylunterkunft eskaliert

Pascal Meier

Auf der Regierungsrats-Ebene ist der Angriff der SVP auf die Grünen fehlgeschlagen. Susanne Hochuli wurde deutlich bestätigt, Thomas Burgherr verfehlte die Wahl ebenso klar. Doch im Bezirk Muri bracht der «Bettwil-Effekt» der SVP einen dritten Sitz im Grossen Rat ein. Wolfgang Schibler, der sich als Gemeindeammann von Bettwil vehement und erfolgreich
gegen die geplante Asylunterkunft in seinem Dorf gewehrt hatte, holte auf Kosten von Martin Köchli (Grüne, bisher) einen dritten Sitz für die Volkspartei. Köchli hatte sich im vergangenen Jahr - als einziger Grossrat des Bezirks Muri - für eine Asylunterkunft in Bettwil ausgesprochen.

Wahl hat Schibler überrascht

Wolfgang Schibler freut sich sehr über die Wahl, die für ihn überraschend gekommen sei. «Ich schätzte meine Chancen im Vorfeld auf rund 40 Prozent», sagt er. Schibler, der mit einer gross angelegten Plakatkam-pagne im Oberfreiamt auf sich aufmerksam machte, freut sich speziell, «dass ich nicht auf Kosten eines anderen SVP-Grossrats gewählt wurde.»
Dass ihn die Auseinandersetzung um die Asylunterkunft in Bettwil erst bekannt gemacht habe, räumt Schibler offen ein. «Das war für mich der Auslöser, um überhaupt für den Grossen Rat zu kandidieren», sagt der 63-Jährige. Der erfolgreiche Widerstand seines Dorfes gegen die Pläne von Bund und Kanton habe gezeigt, «dass man etwas bewegen kann.»

Fokus auf Hochuli angekündigt

Schibler freut sich, dass er nun im Grossen Rat «mit einer starken SVP-Fraktion etwas machen kann für meine Partei.» Er kündigt an, Regierungsrätin Susanne Hochuli bei ihrem künftigen Vorgehen im Asylbereich «auf Schritt und Tritt zu beobachten.» Aus seiner Sicht hat die Vorsteherin des Departements Gesundheit und Soziales auch bei den geplanten Asylunterkünften in Koblenz und Merenschwand keine gute Figur gemacht.

Köchli als Opfer des Wahlsystems

Der abgewählte Martin Köchli ist «ein Opfer von Pukelsheim», wie er selber schmunzelnd sagt. Obwohl die Grünen im Bezirk Muri ihren Wähleranteil um 0,1 Prozent steigerten und Köchli fast 500 Stimmen mehr machte als 2009, muss er seinen Sitz in Aarau räumen. Grund dafür sind die massiven Verluste der Grünen in anderen Bezirken. Köchli ist aber auch selbstkritisch: «Es ist uns nicht gelungen, der SVP-Kampagne stark genug stark Paroli zu bieten», analysiert der Biobauer aus Buttwil.

Für ihn sei klar gewesen, dass die SVP-Kandidatur von Wolfgang Schibler ein direkter Angriff auf seinen Sitz gewesen sei. «Angesichts der Stimmung in der Bevölkerung war ich darauf vorbereitet, dass ich abgewählt werden könnte», sagt er rückblickend. Zudem sei es im noch stark ländlich geprägten Freiamt tendenziell schwierig, mit grünen Anliegen die Menschen zu erreichen. Nach der Abwahl ist für Köchli, mit 63 Jahren gleich alt wie Schibler, klar, dass er in vier Jahren nicht mehr antritt.