Asyl-Streit

Bettwil feiert Sieg – nur der Gemeindeammann kommt nicht in Stimmung

Bettwil feiert ausgelassen Etappensieg gegen Asylunterkunft

Bettwil feiert ausgelassen Etappensieg gegen Asylunterkunft

Mit einem Traktorenkorso und Tänzen auf offener Strasse hat Bettwil den Sieg im Kampf gegen die Bundes-Asylunterkunft gefeiert. Nur Gemeindammann Wolfgang Schibler war wenig zum Feiern zumute und hatte eine Wut im Bauch.

Während im kleinen Saal des «Bauernhofs» die Mitglieder der katholischen Kirchenpflege tagen, durchbricht plötzlich ohrenbetäubender Motorenlärm die Stille, die an diesem Donnerstagabend über Bettwil liegt. Begleitet von Applaus und Jubelrufen fahren rund ein Dutzend junge Bauern mit Traktoren beim Gasthof vor und tauchen diesen in ein gespenstig-gleissendes Licht.

Das kleine Dorf am Lindenberg ist im Ausnahmezustand: Die Dorfstrasse ist blockiert und auf dem Kreisel tanzen Bettwilerinnen und Bettwiler ausgelassen zu Volksmusik. Das gab es nicht mal beim Sieg der Schweizer Nati gegen Spanien an der Fussball-Weltmeisterschaft 2010.

Richtig los geht die Party dann im «Bauernhof»: «Unsere kleine Gemeinde hat es der Obrigkeit in Bern und Aarau richtig gezeigt», sagt ein älterer Bettwiler stolz. Hinter ihm klopfen sich zwei Männer gegenseitig anerkennend auf die Schulter. Zehn Stunden, nachdem der Kanton bekannt gegeben hat, dass der Bund die geplante Asylunterkunft in der Gemeinde nicht ohne Bewilligung betreiben kann, sind die Bettwiler nicht mehr zu halten.

«Der Fall hat gezeigt, dass sich ländliche kleine Gemeinden gegen die Obrigkeit wehren können», ruft Roger Burri, Präsident des Bürgerkomitees Probettwil, in den Saal. Langer Applaus, im Hintergrund klingen Weingläser. Inzwischen sind auch die Mitglieder der Kirchenpflege hinzugestossen und prosten einander fröhlich zu.

Schibler: «Es ist kein Sieg»

Gar nicht in Feststimmung ist Gemeindeammann Wolfgang Schibler, der mit Roger Burri die Speerspitze des Widerstands gegen die Asylunterkunft bildet. Überraschend weist Schibler den az-Reporter zurecht, der die Köpfe des Erfolges beim Anstossen fotografieren möchte - ein Siegerbild für die Chronik, gewissermassen. «Wir sprechen nicht von einem Sieg, das müssen Sie begreifen», sagt Schibler . «Es ist ein Etappensieg. Nicht mehr und nicht weniger.»

Nicht in Partystimmung: Wolfgang Schibler

Nicht in Partystimmung: Wolfgang Schibler

Grund für die schlechte Laune Schiblers ist eine erste Reaktion des Bundesamtes für Migration, wonach die geplante Asylunterkunft in Bettwil trotz Entscheid des Kantons nicht vom Tisch ist. «Ich warne den Bund davor, hier einen grossen Fehler zu machen», sagt Schibler. «Wir müssen wachsam bleiben.» Die Bettwiler seien wie Pfadfinder: «Allzeit bereit.»

Unter Applaus beschliessen die über 100 Anwesenden deshalb, die Plakate gegen die Asylunterkunft weiterhin im Dorf hängen zu lassen. «Und sollte jemand auf die Idee kommen, in der Militäranlage etwas zu ‹mechen›, haben wir immer noch wirksame Mittel», stellt Schibler klar - und zieht sich langsam von der Feier zurück.

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