Freiämter Fasnachtsfall
Betrunkene schlägt Prügler die Bierflasche über den Kopf – vor Bundesgericht verliert er wieder

Ein Mann prügelt auf eine Frau ein, die mit einer Bierflasche zurückschlägt. Der Vorfall an einem Freiämter Fasnachtsball landete nun vor dem obersten Gericht.

Manuel Bühlmann
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«Plötzlich kam er wie eine Furie daher, traf mich an der Seite und stiess mich zu Boden», schilderte die Frau den Vorfall. Sie schlug den Angreifer anschliessend mit einer Bierflasche. (Symbolbild)

«Plötzlich kam er wie eine Furie daher, traf mich an der Seite und stiess mich zu Boden», schilderte die Frau den Vorfall. Sie schlug den Angreifer anschliessend mit einer Bierflasche. (Symbolbild)

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Wenn der Alkoholpegel steigt und die Hemmschwelle sinkt, hat zuweilen schon ein kleiner Rempler eine grosse Wirkung. Diese Erfahrung musste eine junge Frau im Januar 2016 an einem Fasnachtsball in einer Freiämter Turnhalle machen.

Ein betrunkener Festbesucher, der sich von ihr provoziert fühlte, schubste sie und schlug mit den Fäusten auf ihren Kopf ein. «Plötzlich kam er wie eine Furie daher, traf mich an der Seite und stiess mich zu Boden», schilderte die Frau den Vorfall im Februar 2017 vor dem Bezirksgericht Bremgarten (Lesen Sie hier).

Sie bereut, er zieht Urteil weiter

Umstehende Personen hätten ihn von ihr losreissen müssen. Die ebenfalls betrunkene Frau revanchierte sich für die Attacke, indem sie eine am Boden liegende Bierflasche ergriff und diese dem Angreifer über den Kopf schlug.

Das wollte der 26-Jährige nicht auf sich sitzen lassen, weshalb er seine Kontrahentin anzeigte. Ein Vorgehen, das sich rächen sollte. Denn die Frau hätte selber wohl auf eine Anzeige verzichtet. Erst rund einen Monat nach dem Vorfall und nachdem sie von den Vorwürfen gegen sich erfuhr, zeigte sie den Festbesucher ebenfalls an.

Das Bezirksgericht verurteilte den Beschuldigten wegen versuchter einfacher Körperverletzung und Tätlichkeiten zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 130 Franken und einer Busse von 1500 Franken.

Vergeblich wehrte sich der Beschuldigte vor dem Obergericht gegen das Urteil und zog es daraufhin weiter vor Bundesgericht. Aus dem jüngst veröffentlichten Entscheid geht hervor, dass die Bundesrichter den Aussagen der Frau, die beim Vorfall bis auf einige Kratzer und Kopfschmerzen am Folgetag unverletzt blieb, deutlich mehr Glauben schenken als jenen des Beschuldigten.

Unglaubhafte Aussagen

Sie habe in allen Einvernahmen konstante, stimmige, detailreiche und präzise Aussagen gemacht. Dazu komme: Die damals 24-Jährige habe ihr Verhalten bereut und als Fehler bezeichnet, für den sie zu Recht verurteilt worden sei, heisst es in der Begründung. «Mir ist klar, so etwas geziemt sich nicht», hatte sie vor Bezirksgericht gesagt.

Weit weniger glaubwürdig schätzen die Bundesrichter die Ausführungen des Beschuldigten ein. Er habe sich mehrmals widersprochen, beispielsweise in Bezug auf den Auslöser der Schlägerei.

Zuerst sagte er aus, aus dem Nichts angegriffen worden zu sein, später gab er dem Freund des Opfers die Schuld dafür, weil dieser an seinem Kostüm gezerrt habe. Kurz: Seine Aussagen seien unglaubhaft. «Ob dies auf die Alkoholisierung des Beschwerdeführers, den Schlag mit der Bierflasche oder auf andere Gründe zurückzuführen ist, bleibt ohne Belang.»

Fest steht: Der Alkohol trug nicht nur zur Eskalation der Situation bei, sondern sorgte auch dafür, dass sich der Vorfall am Fasnachtsball nicht restlos klären liess. So bleibt die Frage offen, wann genau es zur Auseinandersetzung in der Turnhalle gekommen ist. Beide Kontrahenten waren stark betrunken, konnten im Nachhinein nur eine ungefähre Uhrzeit nennen.

Die juristische Gegenwehr zahlte sich für den Festbesucher, der einen Freispruch verlangte, schliesslich nicht aus, seine Beschwerde wurde vom Bundesgericht abgewiesen. Er muss nun auch die Gerichtskosten übernehmen – die mit 3000 Franken doppelt so hoch wie die Busse ausfallen.

Urteil: 6B_1325/2017