Ein weisses Schaf kickt mit seinen Hinterhufen ein schwarzes Schaf aus der Schweiz. Ein Bild, das die SVP immer wieder für ihre Kampagnen braucht, ein Bild, das sich in den Köpfen festgekrallt hat. Die meisten ihrer Schüler würden sich nicht für Politik interessieren, bedauert Matilde Russo, Teamleiterin an der kantonalen Schule für Berufsbildung (ksb) in Wohlen. Doch: «Von den Politikkampagnen der SVP fühlen sich viele angegriffen.» Viele Schüler und Schülerinnen der ksb haben selber einen Migrationshintergrund.

Diese persönliche Betroffenheit versucht die Schule auszunutzen, um bei den Jugendlichen das politische Interesse zu entfachen. Darum wird bei den alljährlichen Podiumsdiskussionen häufig ein Thema zurückgegriffen, das sich um Ausländerfragen dreht. Vor drei Jahren haben die Schüler im Casino Wohlen über die Masseneinwanderungsinitiative diskutiert, dieses Jahr über «Integration». Was bedeutet, sich erfolgreich integrieren? Und wie können die dadurch mit sich bringenden sozialen und gesellschaftlichen Spannungen gelöst werden? Darüber diskutierten auf der Bühne Forscherin Stefanie Tamara Kurt, zusammen mit den Nationalräten Ruth Humbel (CVP), Yvonne Feri (SP) und Walter Wobmann (SVP). Geleitet wurde die Diskussion von Mathias Küng, Politikchef Aargau bei der Aargauer Zeitung.

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Wobmann muss sich verteidigen

Interessant war vor allem der zweite Teil, als die Schüler selber zum Mikrofon griffen und die arrivierten Politiker mit ihren Fragen konfrontierten. «Was halten Sie von Flüchtlingen, die in der Schweiz ein besseres Leben erarbeiten wollen?» «Wie viele Personen müssten noch ins Land kommen, damit wir ein Problem hätten?»

Eine Schülerin richtete sich mit ihrem Votum direkt an Walter Wobmann, der auf der nationalen Politbühne vor allem durch seine Minarett-Initiative Bekanntheit erlangte und jetzt wegen seiner Burka-Initiative in den Medien präsent ist: «Ich bin Ausländerin», stellte sie dabei gleich zu Beginn klar, «ich sehe häufig auf Plakaten der SVP, dass wir kriminell sind.» Ihr Fazit: «Die SVP vorverurteilt Ausländer.» Wobmann erwiderte: «Für die hohe Ausländerkriminalität kann die SVP nichts. Wir sind dazu da, um auf Probleme aufmerksam zu machen und Lösungen zu bieten.»

«Alles, was die Schüler zum Nachdenken anregt, ist positiv», sagt Matilde Russo, die gemeinsam mit ihren Lehrerkollegen die Podiumsdiskussion organisierte. Dieses Nachdenken war für die Schüler nach der Veranstaltung noch nicht abgeschlossen. Nebst einer Zusammenfassung mussten sie auch noch eine eigene Stellungnahme formulieren. Damit sollen sie lernen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Russo war bereits bei einigen Podiumsdiskussionen dabei: «Meist ergibt sich noch eine ‹lässige› Diskussion im Klassenzimmer.»