Fall Bettwil

Betreuungsfirma sucht für Bettwil Mitarbeiter für unbefristete Zeit

(Bildmontage: az)

Die ORS Service AG sucht Mitarbeiter für eine unbefristete Zeit

(Bildmontage: az)

Die Betreuungsfirma ORS sucht auf ihrer Homepage Mitarbeiter, welche die Asylbewerber in Bettwil betreuen sollen. Auf dem Stelleninserat steht jedoch nichts von einer befristeten Anstellung in Bettwil. Das soll laut ORS gute Gründe haben.

Die ORS Service AG ist ein Unternehmen, das sich auf die Betreuung und Unterbringung von Asylsuchenden spezialisiert hat. Nun sucht das Unternehmen auf ihrer Homepage Betreuer/innen «für eine Asylunterkunft in der Region Hallwilersee im Kanton Aargau» mit 80 bis 100 Asylsuchenden.

Wer die Arbeit als Betreuer/in der Asylsuchenden ausüben will, muss bereits einiges mitbringen: Erwartet wird eine «flexible, psychisch belastbare und selbstständige Persönlichkeit».

Und von den Mitarbeitern verlangt man eine abgeschlossene Berufsausbildung, Schweizer Bürger sollte man sein oder zumindest eine Aufenthaltsbewilligung C besitzen, Deutsch in Wort und Schrift beherrschen sowie über Englisch- und Französischkenntnisse verfügen. Weiter wird unter anderem ein einwandfreier Leumund, keine Einträge im Betreibungsregister und eine Berufserfahrung von mindestens drei Jahren erwartet.

Flexibilität gefordert

Brisant: Auf dem Stelleninserat, das explizit für die Bettwiler Asylunterkunft gilt, werden Betreuungs-Mitarbeiter auf unbestimmte Zeit gesucht. Für das Unternehmen soll dies einen einfachen Grund haben: «Schränken wir uns allzu stark ein, dürften wir womöglich nicht an die wirklich guten Mitarbeiter gelangen, die wir suchen. Das ist eine Erfahrung, die wir laufend machen», sagt Roman Della Rossa, Sprecher der zuständigen Firma ORS Service.

Er betont, dass das Unternehmen eine gewisse Flexibilität von den Mitarbeitern fordere: «Wir betreuen Asylunterkünfte im Kanton Solothurn, Basel und Zürich. Es kann sein, dass die Betreuer auch an anderen Standorten arbeiten werden.» Die Dauer der Einsätze sowie die Arbeitsorte würden aber mit den Mitarbeitern in einem persönlichen Gespräch besprochen, hält Della Rossa fest.

Bekannt ist betreffend Einsatzdauer in Bettwil: An der Infoveranstaltung war ursprünglich noch von einem Betrieb von «mindestens sechs Monaten bis maximal einem Jahr» die Rede. Wenige Tage später kam eine Pressemitteilung von Bundesrätin Simonetta Sommaruga, in der plötzlich nur noch von «maximal sechs Monaten» gesprochen wurde.

Was ein Betreuer leisten muss

Dass das Betreuungsunternehmen erst jetzt nach Mitarbeitern für Bettwil sucht, kritisiert Bettwils Gemeindeammann Wolfgang Schibler scharf und spricht Klartext. «Sie verlangen guten Leumund und suchen aber kurzfristig innerhalb weniger Wochen gute Mitarbeiter für einen der sensibelsten und gefährlichsten Berufe überhaupt. Diese Mitarbeiter müssen doch noch vor Ort eingearbeitet und geschult werden. Ich weiss nicht, wie das in dieser kurzen Zeit funktionieren soll», sagt Schibler gegenüber der az.

Für das Betreuungsunternehmen ORS ist die Kritik aus Bettwil «nicht verständlich»: «Wir betreuen seit 20 Jahren Asylsuchende und haben unsere Kompetenzen im Umgang mit Asylbewerbern. Wir beherrschen das», so Della Rossa.

Er bestreitet jedoch nicht, dass der Job «sensibel» sei. «Es braucht Fingerspitzengefühl und Durchsetzungsvermögen.» Aber gefährlich sei der Beruf mitnichten. «Ich war selber vier Jahre Leiter einer Unterkunft und hatte nie eine gefährliche Situation», sagt Della Rossa.

Die Mitarbeiter sind vor Ort für die Tagesstrukturierung der Asylbewerber verantwortlich und helfen den Asylbewerbern beispielsweise beim Unterhalt der Anlage. Helfen Sie denn auch, die Asylbewerber zu integrieren?

Della Rossa: «Wir helfen den Asylbewerbern bei der Tagesstrukturierung und erklären ihnen, wie das Leben in der Schweiz funktioniert und was dabei wichtig ist. Es ist keine Integration im gesetzlichen Sinn, da die Asylbewerber noch gar keine Aufenthaltsbewilligung haben.»

Nur wenige Mitarbeiter?

Laut gut unterrichteten Quellen soll das Unternehmen ausserdem Mühe bekunden bei der Rekrutierung von gutem Personal. Dies will Della Rossa jedoch nicht kommentieren. Er weile im Ausland und habe derzeit eine gewisse Distanz zur Personalrekrutierung in der Schweiz.

Fakt ist: Bereits im Februar soll die Asylunterkunft in Bettwil mit bis zu 100 Asylsuchenden betrieben werden. Die Zeit drängt - für Bund, Kanton, Gemeinde und die ORS Service AG.

Hier gehts zum Stelleninserat auf der Homepage des Unternehmens ORS Service.

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