Wohlen
Bestürzung an der Fasnacht: Heute vor 25 Jahren wurde das Ehepaar Breitschmid brutal ermordet

Vor 25 Jahren liess der junge Artist Romano B. seine Adoptiveltern umbringen. Drei Männer waren am Mord an das Ehepaar Ursula und Peter Breitschmid beteiligt - ein Rückblick auf die heimtückische Tat.

Toni Widmer
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Der Tatort des Doppelmordes: Die Villa stand an der Rebbergstrasse 20, sie ist vor Jahren abgebrochen worden und hat einer Terrassensiedlung Platz gemacht.

Der Tatort des Doppelmordes: Die Villa stand an der Rebbergstrasse 20, sie ist vor Jahren abgebrochen worden und hat einer Terrassensiedlung Platz gemacht.

Kapo Aargau

Vor 25 Jahren ging die Fasnacht in Wohlen schon am Tag vor Aschermittwoch für viele abrupt zu Ende.

Am Dienstag, 12. Februar, verbreitete sich eine schreckliche Meldung in Windeseile im ganzen Dorf: Das bestens bekannte und beliebte Ehepaar Ursula (57) und Peter (61) Breitschmid war am Abend zuvor in seiner Villa am Rebberg brutal ermordet worden.

Die einheimischen Guggenmusiken verstummten, die allgemeine Fröhlichkeit wich Bestürzung und Trauer.

Was im engeren Umfeld der Familie schon in den ersten Stunden nach Bekanntwerden der schrecklichen Tat befürchtet wurde, bestätigte sich leider schon wenige Tage später.

Unmittelbar nach der Beerdigung seiner Eltern wurde der damals 27-jährige Adoptivsohn Romano Breitschmid festgenommen. Der Aargauer Kantonspolizei lagen Anhaltspunkte für seine Tatbeteiligung vor.

Mordkomplott geschmiedet

Im Laufe der weiteren Ermittlungen konnte der Verdacht erhärtet werden. Der Artist Romano hatte in Spanien zusammen mit seinem damals 61-jährigen Bühnen- und Lebenspartner Giorgio Sbardella ein Mordkomplott geschmiedet, um an das Familienvermögen zu kommen.

Laut Plan hätten an Weihnachten 1990 nicht nur Ursula und Peter Breitschmid sterben sollen, sondern auch Grossmutter Elsa Breitschmid sowie Christian Breitschmid, der leibliche Sohn des Ehepaares.

Das Vorhaben scheiterte, weil Familie Breitschmid 1990 Weihnachten entgegen ihrer Gewohnheit nicht zu Hause feierte.

Knapp zwei Monate später schlug der von Giorgio Sbardella angeheuerte Killer dennoch zu. Es war dessen Bruder Riccardo Sbardella, damals 57 Jahre alt.

Im Gerichtsverfahren von 1995 gaben Romano Breitschmid und Giorgio Sbardella ihre Beteiligung an der Tat mehr oder weniger zu.

Romano flüchtete sich allerdings in die Behauptung, er hätte – unter Alkoholeinfluss und Drängen seines Bühnenpartners – zwar anfänglich beim Mordkomplott mitgemacht, sich später jedoch ausdrücklich davon distanziert und Giorgio Sbardella gebeten, das Vorhaben zu stoppen.

Tatbeteiligte leben nicht mehr

Riccardo Sbardella hingegen stritt stets jegliche Beteiligung am Verbrechen ab. Das Bezirksgericht Bremgarten sah ihn jedoch anhand von Indizien des Mordes überführt.

Unter anderem konnte man ihm nachweisen, dass er zur Tatzeit in Frankreich einen weissen Renault gemietet und mit diesem eine Strecke zurückgelegt hatte, die ziemlich genau der Fahrt nach Wohlen und zurück entsprach.

Ein gleiches Auto war am 11. Februar 1991 am Rebberg in Wohlen gesehen worden.

Riccardo Sbardella wurde 1995 vom Bezirksgericht zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe verurteilt.

Die von ihm angestrengte Berufungsverhandlung vor dem Aargauer Obergericht erlebte er jedoch nicht mehr.

Er nahm sich am 2. Juli 1995 in der Strafanstalt Thorberg das Leben. Auch die beiden anderen Tatbeteiligten leben nicht mehr.

Romano Breitschmid wurde vom Bezirksgericht Bremgarten wegen Mord und Mordversuchs zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Auch er hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt, erlebte die Verhandlung aber ebenfalls nicht. Er starb am 9. Januar 1996 an den Folgen seiner HIV-Infektion.

Giorgio Sbardella war wegen Anstiftung zum Mord in erster und zweiter Instanz zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Er wurde 1999 aus der Haft entlassen und starb 2008 in England.