Bezirksgericht Bremgarten
Bestechung: Chef schob Unfall einem Angestellten in die Schuhe – der muss nun 16'500 Franken zahlen

Ein Angestellter liess sich bei einem Unfall von seinem Chef bestechen und log für ihn vor der Polizei. Nun muss er eine Geldstrafe zahlen.

Walter Christen
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Der Filialleiter versprach dem 26-Jährigen für seine Opferbereitschaft eine Lohnerhöhung. (Symbolbild)

Der Filialleiter versprach dem 26-Jährigen für seine Opferbereitschaft eine Lohnerhöhung. (Symbolbild)

Ein Filialleiter, der trotz entzogenem Führerausweis mit dem Auto unterwegs ist, baut an einer Tankstelle im Freiamt einen Unfall. Er will seinen Kopf aus der Schlinge ziehen, indem er Jakob (Name geändert), einen in seiner Firma temporär angestellten Mitarbeiter, um einen Gefallen bittet: Er (Jakob) soll doch bei der Polizei angeben, dass er (Jakob) den Unfallwagen gelenkt habe. Wenn er sich quasi opfern würde, wäre das bestimmt nicht zu seinem Nachteil, versprach der dreiste Filialleiter seinem Angestellten. Erstens würde er seinen Temporärjob in eine Festanstellung umwandeln, zweitens bekäme Jakob eine Lohnerhöhung, und das Geschäftsauto dürfte er kostenlos auch für Privatfahrten nutzen.

Den Unfallfahrer geschützt

Jakob war damals, im Juli 2016, einer Lohnerhöhung nicht abgeneigt und willigte in den Deal ein. So kam es, dass der 26-Jährige auf dem Polizeiposten in Wohlen zur Einvernahme erschien und aussagte, mit dem unfallverursachenden Auto gefahren zu sein. Nach weiteren polizeilichen Ermittlungen gab Jakob bei einer zweiten Befragung schliesslich jedoch zu, nichts mit dem Unfall zu tun gehabt zu haben. Um den verantwortlichen Autofahrer zu schützen und der Strafverfolgung zu entziehen, habe er sich fälschlicherweise als Lenker ausgegeben, sagte er.

Aber nicht nur die Polizei kam Jakob auf die Schliche, auch im Hauptgeschäft war dem zuständigen Sachbearbeiter aufgefallen, dass das betreffende Unfallprotokoll gar nicht Jakob, sondern dessen Vorgesetzter, eben der Filialleiter, unterzeichnet hatte.

«Wie kann man nur ...»

Seine Opferbereitschaft kommt Jakob nun teuer zu stehen. Der Filialleiter, der ihn erpresst hatte, wurde fristlos entlassen. Gegen ihn läuft ein separates Verfahren, während sich Jakob vor dem Bezirksgericht Bremgarten wegen Irreführung der Rechtspflege und Begünstigung verantworten musste. Gerichtspräsident Peter Turnherr, der den Fall als Einzelrichter zu beurteilen hatte, schüttelte den Kopf: «Wie kann man sich nur selbst fälschlicherweise bei der Polizei einer strafbaren Handlung beschuldigen?» Das sei definitiv eine äusserst schlechte Idee gewesen, stellte er fest.

Jakob erkannte kleinlaut, dass er sich gehörig in die Nesseln gesetzt hatte. Denn die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten erliess einen Strafbefehl gegen ihn, indem sie ihn zu einer unbedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 130 Franken, total 11 700 Franken, verurteilte. Dazu kam die Strafbefehlsgebühr von 1300 Franken.

Der Gerichtspräsident fragte den Angeklagten, was er sich dabei gedacht hatte und wie es zu seiner selbstlosen Tat gekommen sei. Jakob gab zu, dass ihn das Geld gelockt hatte und damit ein etwas angenehmerer Lebensstil. Auch die in Aussicht gestellte Festanstellung spielte eine Rolle. Zudem sei es Sommer und kurz vor den Betriebsferien gewesen, in denen er gerne verreist wäre. Bei einem Kollegen habe er zudem noch einen Kredit für einen Autokauf offengehabt. «Hätte ich nicht mitgemacht, wäre ich vom Filialleiter entlassen worden. Das hat er mir klipp und klar zu verstehen gegeben. Ich dachte, somit hätte ich keine andere Wahl», sagte der Angeklagte, der dem Gesetz 2012 schon einmal in die Quere gekommen ist. Es ging um diverse Verkehrsregelverletzungen. Zudem hatte der Beschuldigte ein nicht betriebssicheres Fahrzeug in Verkehr gebracht. Damals kassierte Jakob eine teilbedingte Strafe.

Geldstrafe erhöht

Gerichtspräsident Turnherr sprach Jakob gemäss Anklage schuldig. Er erhöhte die Geldstrafe sogar noch auf 16 500 Franken (150 Tagessätze zu je 110 Franken), bedingt bei einer Probezeit von drei Jahren. Der Beschuldigte muss eine Busse von 3300 Franken bezahlen und die Gerichtskosten übernehmen.

In seiner Urteilsbegründung führte der Gerichtspräsident aus, dass Jakob jederzeit wieder eine Stelle gefunden hätte, selbst wenn er vom Filialleiter entlassen worden wäre. Er habe sich manipulieren und von einem anderen in die Bredouille reiten lassen. «Dieser Fall ist keine Bagatelle, weshalb ich die Tagessatzhöhe als zu tief erachtet habe», so der Präsident. Er fand deutliche Worte an die Adresse von Jakob, indem er ihm sagte, dass dies nun der letzte Zwick an der Geisel sei und er sich nun tadellos benehmen müsse.