Wohlen

Bestatterinnen: «Es ist sehr wichtig, über den Tod zu reden»

Doris Hochstrasser-Koch und Karin Koch in ihrem Bestattungsinstitut in Wohlen. Dominique Bitschnau

Doris Hochstrasser-Koch und Karin Koch in ihrem Bestattungsinstitut in Wohlen. Dominique Bitschnau

Sterben gehört für die Wohler Bestatterinnen Doris Hochstrasser und Karin Koch zum beruflichen Alltag. Es sei wichtig, Trauer zuzulassen. Besonders wenn Kinder sterben, stossen sie aber selbst an ihre Grenzen.

An Allerheiligen trifft man Karin Koch ganz sicher auf dem Friedhof. Dort bleibt sie nicht nur vor den Gräbern ihrer verstorbenen Familienangehörigen, Freunden oder Bekannten stehen. Sie besucht auch die letzte Ruhestätte von Leuten, mit denen sie erst zu tun hatte, als diese schon tot waren.

Karin Koch ist Bestatterin. Sie und ihre Schwester Doris Hochstrasser-Koch führen in Wohlen seit über 10 Jahren das Bestattungsinstitut Koch. «Ich laufe gerne über Friedhöfe. Dabei kommen Erinnerungen im Zusammenhang mit den Verstorbenen hoch. Nicht selten sind es Erlebnisse, die mich geprägt haben.»

Der Tod ist das Geschäft der beiden Schwestern. Sie haben gelernt, damit umzugehen und trotzdem ist er nicht zur Selbstverständlichkeit geworden. «Man gewöhnt sich daran, aber eine gewisse Hemmschwelle ist dennoch immer da.» Besonders wenn Kinder sterben, stossen die Frauen an ihre Grenzen. «In diesen Situationen kommt eine geballte Ladung Trauer auf uns zu. Der Tod von jungen Menschen ist meist schwer zu verstehen und entsprechend schwierig zu verarbeiten.»

Trauer zulassen ist wichtig

«Es ist extrem wichtig, von den Verstorbenen Abschied zu nehmen und über diesen Tod zu reden. Leider versuchen viele Leute in der heutigen schnelllebigen Welt die Trauer zu verdrängen», sagt Doris Hochstrasser. Die Tendenz sei leider da, um eine Bestattung nicht mehr viel Aufhebens zu machen. «Das hat verheerende Folgen. Denn der Mensch muss die verschiedenen Phasen der Trauer bewusst verarbeiten, um weiterleben zu können.»

Doris Hochstrasser weiss, wovon sie spricht. Vor zwei Jahren hat sie ihren Mann durch einen tragischen Unfall verloren. «Zuerst kam der Schock, dann die Trauer. Ich musste lernen, den Tod meines Gatten zu akzeptieren. Erst dann konnte ich den Schritt zurück ins normale Leben wagen.»

Das persönliche Erlebnis hat ihr den Beruf als Bestatterin und Trauerbegleiterin nicht leichter gemacht. «Man wird dünnhäutiger gegenüber Menschen, die Ähnliches erleben.» Nach dem Todesfall hat sie ihre Tätigkeit als Seminarleiterin zur Trauerbegleitung vorläufig eingestellt. Sie will zuerst mit sich selber ins Reine kommen, bevor sie wieder anderen Leuten helfen kann.

«Wir brauchen nicht immer gross und stolz zu sein. Trauer ist erlaubt», sagt die Ältere der beiden Schwestern. Vor allem Männer hätten Mühe, Gefühle zu zeigen. Die Bestatterinnen versuchen die Familien zu motivieren, gebührend Abschied zu nehmen und über den Tod zu reden – auch mit den Kindern.

Kinder bemalen Sarg

Doris und Karin sind in einer zehnköpfigen Familie aufgewachsen. In ihrer Kindheit haben sie einen Bruder verloren. «Ich war damals lange wütend», sagt Doris Hochstrasser. Erst Jahre später wurde den Geschwistern bewusst, dass sie nie über das Ereignis gesprochen hatten und es somit auch nicht verarbeiten konnten.

Das wollen sie den Trauerfamilien ersparen und legen ihnen Nahe auch mit ihren Kindern ganz natürlich über den Tod zu diskutieren. Hinterbliebene können das unter anderem in den Räumlichkeiten des Bestattungsinstituts an der Rummelstrasse in Wohlen machen. Die Schwestern haben die Räume bewusst farbig und freundlich gestaltet. Das Sofa vor der Aufbahrungshalle lädt zum Verweilen ein. Die Familien sollen das Haus leichteren Herzens verlassen.

Nebst der persönlichen Beratung bieten die Unternehmerinnen Aufbereitung, hygienische Versorgung und Aufbahrung der Verstorbenen an. Aber auch die Dekoration von Kirchen oder die Gestaltung von Trauerkarten gehören zu ihrem Tätigkeitsbereich. Einmal kümmerten sie sich sogar um eine ganze Wohnungsauflösung. «Vor einigen Jahren merkten wir, dass auch andere Bedürfnisse vonseiten der Familien da sind», so Karin Koch. Sie ermöglichen auch Abschiedsrituale für Kinder, wo diese die Möglichkeit haben, den Sarg zu bemalen und so ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen.

Das Leben nach dem Tod

Die beiden Schwestern kommen tagtäglich mit dem Tod in Berührung. Trotzdem haben sie ihre Fröhlichkeit und Freude am Leben erhalten. Sie sehen ihre Tätigkeit als Berufung. «Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, den Verstorbenen eine würdevolle Bestattung zu ermöglichen und die Familien durch die schwere Zeit zu begleiten.» Der enge Kontakt mit den Menschen ist für sie erfüllend und bereichernd. «Wir erleben die Leute in einem sehr persönlichen Rahmen. Sie sind extrem menschlich und das ist schön.» Es komme auch sehr viel Dankbarkeit zurück.

Zudem sind sich die Geschwister einig: Das Leben nach dem Tod geht weiter. Sie glauben, dass jeder Mensch nur zu Gast auf Erden ist und danach weitere Erfahrungen machen wird. Doris Hochstrasser sagt: «Es steckt mehr dahinter, als unser Verstand erfassen kann.

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