Muri

Besondere Führung: So lebte es sich hinter den Klostermauern

Josefine ist beeindruckt von all der Pracht in der Murianer Klosterkirche, die ihr Cousin, Pater Otmar, ihr zu zeigen hat.

Josefine ist beeindruckt von all der Pracht in der Murianer Klosterkirche, die ihr Cousin, Pater Otmar, ihr zu zeigen hat.

Pater Otmar lässt in einer neuen szenischen Führung Cousine Josefine und die Zuschauer die Geschichte des Klosters Muri erleben – für das spezielle Erlebnis war ein über die Region hinaus bekannter Regisseur am Werk.

Gespannte Stille herrscht in der romanischen Krypta der Klosterkirche Muri. Pater Otmar (Michael Rahn) steht in der Mitte des Raumes, nur eine Kerze spendet ein wenig Licht. Um ihn herum warten gespannt die Teilnehmer der Klosterführung. «Das ist aber recht finster hier», stellt Josefine (Kirsty Räber) pragmatisch fest, sie ist Otmars Cousine und überhaupt nicht so andächtig wie der Benediktiner.

Er hingegen betont: «Es ist ein guter Ort zum Meditieren.» Zudem sei es einer der ältesten erhaltenen Bereiche des Klosters. Josefine beeindruckt das nicht sehr, sie scheint froh zu sein, die dunkle, ein wenig klamme Krypta wieder verlassen zu können.

«Kein Wort zu irgendjemandem»

Man schreibt das Jahr 1841, die Murianer Mönche mussten gerade ihr Kloster verlassen. Pater Otmar hat die Aufgabe, die ehrwürdigen alten Mauern den Kantonsvertretern zu übergeben. Josefine sucht ihren Vetter auf, um ihm Unterschlupf bei sich auf dem Hof in Bremgarten anzubieten.

Er freut sich über ihren Besuch, kann und will das Kloster aber nicht verlassen. Da Josefine die Anlage kaum kennt, ergibt sich nun für sie eine gute Gelegenheit, sie besser kennen zu lernen. Die Zuschauer dürfen natürlich mit, auch an Orte, die früher nur den Mönchen in der Klausur zugänglich waren. «Aber kein Sterbenswort zu irgendjemandem», flüstert der Pater, bevor er die Gruppe zum Chorgestühl führt.

Es ist der helle, barocke, oktogonale Raum mit seinen prächtigen Deckenmalereien, der Josefine gleich zu Beginn der Führung besonders in den Bann zieht. Otmar erläutert: «Das Oktogon im Zentrum ist eine Besonderheit, es wurde Ende des 17. Jahrhunderts erbaut.» Bei aller Pracht scheut sich die Cousine nicht, kritische Fragen zu stellen: «Muss das alles so übermässig vergoldet sein?», will sie beispielsweise wissen. Ihre Stirnfalten verraten ihren Unmut. «Aber das ist doch zur Ehre Gottes», antwortet der Pater ein wenig ratlos.

Immer wieder bringt die verschmitzte Josefine ihren Vetter mit ihren bodenständigen Anmerkungen und kritischen Fragen aus dem Konzept – zum Amüsement der Besucher. Dabei gibt es für die Zuhörer viel Wissenswertes über die bewegte Geschichte der pittoresken Klosteranlage zu lernen. Diese ist bereits im 11. Jahrhundert erbaut worden und hat im Laufe der Jahrhunderte nicht nur viele Veränderungen erfahren, sondern hätte wohl auch jede Menge Geschichten der Leute zu erzählen, die über all die Zeit ein und aus gegangen sind.

Bekannter Regisseur am Werk

Für die spezielle szenische Führung wurde eigens der über die Region hinaus bekannte Regisseur Adrian Meyer engagiert. «Die Idee dazu hatte das Kollegium der Klosterführung», berichtet er. «Urs Pilgrim verfasste den Grundtext, und ich setzte ihn schliesslich in Absprache mit Pilgrim in Mundart und in Dialoge um.»

Seit Januar probten Meyer und die vier Klosterführer, und das, obwohl Josefine und Otmar die einzigen zwei Charaktere sind, die an der Führung teilnehmen. Doch für beide gibt es zwei Besetzungen.

Für die Kostüme ist Bernadette Meier zuständig, die viel Erfahrung als Ausstatterin hat. «Die Idee war auch, mit der Kleidung dem Gold und der Pracht im Kloster etwas entgegenzusetzen», teilt Meyer mit.

Susanne Frei vom Kollegium für Klosterführungen freut sich darüber, wie gut die Führung bereits im Vorfeld aufgenommen worden ist: «Wir hatten für den Premierensonntag vier Führungen geplant. Bei 25 Personen machen wir einen Schnitt, sonst wird es zu viel. Die Nachfrage war aber so gut, dass wir noch zwei zusätzliche Führungen anboten, sozusagen als Zugabe.»

Die Führung endet im Kreuzgang mit den farbenprächtigen Glasgemälden. Die beiden Darsteller erhalten begeisterten Applaus für ihre lebendige Darstellung. Monika und Hans Gysel aus Widen sagen: «Es hat uns sehr gut gefallen. So wird Geschichte viel fassbarer.» Auch Susi und Frank Geiger aus Muri sind sehr angetan: «Es ist spannend, die Geschichte des Klosters so zu erleben.»

Szenische Klosterführung kann nun neben anderen Führungen bei Muri Info unter www.murikultur.ch gebucht werden.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1