Besenbüren
Die «Pinte» darf bleiben: 87 Einwohner wehrten sich, jetzt wurde der Gestaltungsplan geändert

Die alte Dorfbeiz ist eigentlich nicht schützenswert. Und doch hängen die Herzen der Besenbürer so sehr daran, dass sie unter kommunalem Schutz bleibt. Der Gestaltungsplan für fünf Mehrfamilienhäuser rund herum wurde extra geändert und liegt nun zum Mitwirken bei der Gemeinde auf.

Andrea Weibel und Pascal Bruhin
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Die «Pinte» in Besenbüren ist zwar schon länger kein Restaurant mehr, das Gebäude soll aber nun als identitätsstiftendes "Nicht-Schutzobjekt" erhalten bleiben.

Die «Pinte» in Besenbüren ist zwar schon länger kein Restaurant mehr, das Gebäude soll aber nun als identitätsstiftendes "Nicht-Schutzobjekt" erhalten bleiben.

Eddy Schambron (2019)

Von der ursprünglichen Besenbürer «Pinte» sind nur noch der Gewölbekeller und ein uralter Balken erhalten. Die restliche Substanz wurde über die Jahre abgetragen, umgebaut und erneuert. Ein Wirtshaus ist es auch nicht mehr, sondern Wohnraum. Und dennoch: Es ist halt die «Pinte».

Dass sie den Besenbürerinnen und Besenbürern ans Herz gewachsen ist, weiss der Gemeinderat spätestens, seit er sie 2019 aus dem kommunalen Schutz entlassen wollte. Denn da gab es zwei Einwendungen dagegen, die von insgesamt 87 der 633 Einwohner der Gemeinde unterzeichnet waren. Gemeinderat Thomas Lang bestätigt: «Es ist schlichtweg nicht möglich, die ‹Pinte› aus dem Schutz zu entlassen, selbst wenn auch die Denkmalpflege sagt, dass an der Substanz nicht mehr viel Schützenswertes dran ist.» Also musste der Gemeinderat nochmals über die Bücher.

Die «Pinte» bleibt, Mehrfamilienhäuser entstehen rundherum

Es geht um den Gestaltungsplan Hinterdorf, der erstmals 2019 zur Mitwirkung bei der Gemeindekanzlei auflag. Damals waren sechs Mehrfamilienhäuser geplant, eines an der Stelle, wo die «Pinte» steht. «Es gab damals eine Einigungsverhandlung, doch die Fronten waren so verhärtet, dass es auch für den Bauherren sinnlos erschien, weiterhin zu fordern, dass die Pinte aus dem Schutz entlassen würde», erinnert sich Lang. «Weil er aber dennoch vorwärts machen wollte, bat er uns, stattdessen diesen Teil aus dem Gestaltungplanperimeter zu entlassen und diesen auf die restlichen fünf statt sechs geplanten Mehrfamilienhäuser zu verkleinern.»

Jetzt hat der Gemeinderat – so hofft er – einen mehrheitsfähigen Gestaltungsplan Hinterdorf erarbeitet. Lang erklärt: «Uns ist einerseits eine gute Bauqualität wichtig, darum haben wir dieses Gebiet bei der Revision der Bau- und Nutzungsordnung 2009 unter Gestaltungsplanpflicht gestellt.» Da die Gemeinde durch den öffentlichen Verkehr schlecht erschlossen ist, sei es dem Gemeinderat zudem wichtig, dass er beispielsweise bei der Anzahl der Parkplätze mitreden kann.

Das Ortsbild bleibt erhalten

Es ist schon so: Mit ihrer Stellung mitten im Dorf direkt an der Strasse hat die «Pinte» auch als kantonales «Nicht-Schutzobjekt» eine identitätsstiftende Wirkung für das engere Umfeld und das gesamte Ortsbild. Darum sollen sich die anderen Bauten ihr anpassen, finden die Besenbürerinnen und Besenbürer, nicht umgekehrt.

Der nun aufliegende Entwurf der Gestaltungsplanung sieht eine Bebauung mit fünf Mehrfamilienhäusern vor, deren Richtprojekte von den zwei Bauherren bereits vorliegen. Insgesamt sollen 40 3½- und 4½-Zimmerwohnungen entstehen. Die Unterlagen des neuen Gestaltungsplans liegen bis zum 23. März auf der Gemeindeverwaltung Besenbüren zur Mitwirkung auf und können während den ordentlichen Schalteröffnungszeiten eingesehen werden.