Berikon
Nachtruhe gilt auch für Kuhglocken – Landwirt sagt enttäuscht: «Ich gebe mich geschlagen»

In Berikon schwelte seit rund zwei Jahren ein Streit um nächtliches Kuhglockengebimmel. Nun hat der Kanton einem Kläger teilweise recht gegeben. Die Kühe dürfen nachts keine Glocken mehr tragen. Es könnte ein Präjudiz für andere Gemeinden sein.

Marc Ribolla
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In Berikon schwelte ein Disput um die Kuhglocken im Oberdorf.

In Berikon schwelte ein Disput um die Kuhglocken im Oberdorf.

Marc Ribolla (28. Oktober 2020)

Gehört Kuhglockengebimmel zur hiesigen Kultur? Oder ist es schlicht nächtliche Ruhestörung? Die Debatte um den Kuhglockenlärm im Oberdorf beschäftigte die Gemeinde Berikon schon eine ganze Weile. Seit Sommer 2019 war es ein schwelendes Thema, das die Gemüter bewegte. Beschwerden wurden eingereicht, Pro- und Kontra-Petitionen lanciert.

Nun ist ein Entscheid gefallen, der Kuhglockenstreit scheint beendet. Das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) hat der Beschwerde von Anwohner Markus Hüsser in gewissen Teilen stattgegeben. Dieser hatte verlangt beim Gemeinderat verlangt, dass Weideglocken werktags von 20 Uhr bis 7 Uhr, samstags von 18 Uhr bis 7 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen verboten werden.

Im aktuellen Polizeireglement Berikons ist nämlich eine explizite Ausnahme für Weideglocken enthalten, die von der Nachtruhe ausgenommen sind. Dies ist gemäss BVU aber nicht möglich. Die Rechtsabteilung des BVU beruft sich auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts. Laut diesem ist das Bedürfnis nach Ruhe in allen Regionen dasselbe.

So berichtet Tele M1 über den Fall.

Tele M1

Veränderung im Polizeireglement wird nötig

Vergangenes Jahr hielt Markus Hüsser in der Lärmdebatte gegenüber der «Aargauer Zeitung» fest, dass beispielsweise ein gemütlicher Abend auf dem Sitzplatz nicht möglich sei, ausser man wolle sich die ganze Zeit anschreien. Zusammen mit anderen Anwohnern des Oberdorfs, die mehrheitlich seit 30 bis 50 Jahren dort wohnen, hatte er die Petition gestartet.

Gegenüber dem SRF-Regionaljournal sagt Hüsser nun zum positiven Entscheid:

Ich glaube, es ist schon ein Signal, dass die Gemeinden das Bundesrecht nicht übersteuern können. Es wird sicher bei Gemeinden, die es so im Polizeireglement drin haben, eine Veränderung herbeiführen müssen.»

Das BVU-Urteil ist rechtskräftig. Der betroffene Landwirt, Walter Brechbühl, ist enttäuscht über den Ausgang des Beschwerdeverfahrens. Er meint: «Ich finde mich damit ab. Es ist für mich ein unglücklicher Entscheid. Ich gebe mich geschlagen und lasse ab jetzt die Kühe Tag und Nacht ohne Glocke draussen.»

Sein Argument, dass die Kühe auch nachts Glocken tragen müssen, um sie besser orten zu können, falls sie entlaufen, stiess beim BVU auf kein Gehör. Im Urteil heisst es dazu: «Es ist wahrhaftig nicht notwendig, dass die Tiere aus Sicherheitsgründen Glocken tragen müssen.» Ansonsten hätte er beispielsweise längst einen besseren Zaun gebaut.

Nur in der Nähe von Wohngebieten untersagt

Die Gemeinde Berikon wird nun in nächster Zeit ihr Polizeireglement fürs ganze Gemeindegebiet ändern, auch wenn der Entscheid aus Aarau sich prinzipiell nur um die Weide Brechbühls dreht. Ammann Stefan Bossard erklärt bei SRF: «Die Kuhglocken sind ja nicht überall verboten, sondern nur in der Nähe der Häuser. Das werden wir entsprechend so aufnehmen und anpassen.» Es betrifft also nur die Weiden in der Nähe von Wohngebieten, auf denen die Kühe nachts in Zukunft glockenlos grasen müssen.