Es schwirrt und surrt wie vor einem Bienenhaus in der Turnhalle der Kreisschule Mutschellen. Das raumfüllende Geräusch kommt jedoch von Multicoptern und nicht von einem Bienenschwarm. Blitzschnell passieren die kleinen Fluggeräte ein Tor, dann wird eine rasante Steilkurve um eine Fahne eingeleitet und sogleich folgt eine Kehrtwende über das nächste Hindernis. Der erste Eindruck von diesen kleinen Senkrechtstartern mit vier Rotoren ist eindrücklich.

Der noch junge Verein, der FPV Rabbits Mutschellen, startet durch. Genauso wie die kleinen, wendigen Flugobjekte, die von den Piloten zielgenau gesteuert werden. Vor zwei Jahren wurde er erst gegründet und seit letztem Herbst darf sich bereits eins seiner Mitglieder Weltmeister in der Kategorie F3U (Wettrennen) nennen.

Dario Neuenschwander hatte übers Jahr auf der ganzen Welt am meisten Punkte gesammelt und sich so den Meistertitel erkämpft. Im Oktober, nach dem letzten Rennen der Saison in Sevilla (Spanien), stand fest, Neuenschwander hatte es geschafft und alle Konkurrenten hinter sich gelassen. Die offizielle Feier findet erst im April statt. Der Dachverband FAI (Fédération Aéronautique International) in Lausanne wird dann den Siegerpiloten gebührend auszeichnen.

Stark in vielen Disziplinen

Nicht nur Neuenschwander hat einen Meistertitel gewonnen, auch zwei weitere Mitglieder des Vereins haben aussergewöhnliches geleistet. Florin Ramer wurde in der Kategorie Freestyle Schweizer Meister. Dort musste er auf Musik abgestimmt eine Choreografie, eine Art Kür, fliegen. Timothy Trowbridge holte im Teamrennen «Drone Champions League» den Schweizer-Meister-Titel. «Diese Rennen sind bekannt für ihre spektakulären Austragungsorte, in Paris zum Beispiel wurde auf der Champs-Élysées vor 100 000 Zuschauern um die Wette geflogen», erzählt Raphael Ostermeier, Präsident der FPV Rabbits, begeistert.

So ein Race (Rennen) dauert gerade mal drei Minuten, dann ist der Akku leer und muss gewechselt werden. «Drei Minuten, das klingt sehr kurz. Aber ich bin jedes Mal froh, wenn nach drei Minuten Schluss ist. Die Konzentration ist enorm hoch und fordert einen ganz schön. Ein Augenblick der Unachtsamkeit kann bereits einen Crash und damit das Aus bedeuten», erklärt Mike Meier von den Rabbits.

«Die Strecke, die der Multicopter zurücklegt, wird direkt auf die Brille des Piloten übertragen und gibt ihm so das Gefühl selber mitzufliegen, manchmal ist es wie auf einer Achterbahn», sagt Meier. Das Echtzeitbild, welches auf die Brille projiziert wird, ist eingeschränkt. Es erlaubt nur einen Blick geradeaus, der Rest des Sichtfelds liegt im toten Winkel. Multicopter Races zu fliegen sei wie ein Videospiel in Echt und bei diesem Spiel stehe der Wille zu gewinnen im Vordergrund. Tatsächlich würden auch viele erfolgreiche Quereinsteiger-Piloten aus der Gamer-Szene kommen.

Hoffnung auf Trainingsgelände

Multicopter fliegen ist eine noch junge, weitgehend unbekannte Sportart. Das Ziel der FPV Rabbits ist es, sie bekannt und populär zu machen. Wie Präsident Ostermeier erklärt, hofft er, dass die FPV Rabbits von der Gemeinde gefördert werden und dass ihnen jemand ein Stück Land verpachtet, wo sie über das Sommerhalbjahr einen Parcours einrichten können, der nicht nach jedem Training abgeräumt werden muss.

Es sei toll, dass sie jetzt die Turnhalle im Winter benutzen dürften, dies sei ein erster Schritt der Anerkennung als Verein. Aber das Aufstellen und Abräumen sei sehr zeitintensiv und so ginge ihnen viel wertvolle Trainingszeit verloren. In der Halle werde jeweils ein Parcours für das Taktik-Training aufgestellt, da ginge es nicht um Geschwindigkeit, sondern darum, sich technisch weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Die Rabbits möchten sich auch ganz klar von den Hobby-Drohnenfliegern abgrenzen, deren Ruf doch recht zwiespältig ist. Sie würden oft die Grenzen nicht einhalten und die Privatsphäre nicht respektieren, führt Ostermeier aus. Aus diesem Grund nennen sie ihre Flugvehikel auch Multicopter und betrachten diese als Sportgerät und nicht etwa als fliegende Fotoapparate oder Videokameras.

Viel Potenzial vorhanden

Erst seit zwei Jahren gibt es organisierte Rennen in diesem Sport ,und von Anfang an mischten die FPV Rabbits vorne mit. In dem jungen Verein steckt noch ganz viel Potenzial und Fingerspitzengefühl, um auch weiterhin im richtigen Moment abzuheben und durchzustarten.