Grundwasser
Bereits drei Freiämter Grundwasser-Pumpwerke betroffen – jetzt reagiert Bauernverband auf Pestizid-Problem

Bereits drei Freiämter Gemeinden sind betroffen – der Bauernverband empfiehlt das Mittel Chlorothalonil nicht mehr zu verwenden.

Toni Widmer
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Im Villmerger Pumpwerk Kreuzester ist ein Chlorothalonil-Wert von 0,87 mg/l gemessen worden, die Toleranzgrenze liegt bei 0,1 mg/l. Die Fördermenge wurde jetzt massiv zurückgefahren.

Im Villmerger Pumpwerk Kreuzester ist ein Chlorothalonil-Wert von 0,87 mg/l gemessen worden, die Toleranzgrenze liegt bei 0,1 mg/l. Die Fördermenge wurde jetzt massiv zurückgefahren.

Toni Widmer

Es ist eine schwierige Situation für die Bauern: Bis im Frühsommer galt Chlorothalonil als harmlos und durfte als Fungizid gegen Pilzbefall eingesetzt werden.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die Chlorothalonil enthalten, ist nach wie vor nicht verboten. Obwohl der Stoff mittlerweile schweizweit für Schlagzeilen sorgt, weil er allenfalls krebserregend ist.

Gefahrenpotenzial wurde neu eingeschätzt

Ende Juni hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) das Gefahrenpotenzial neu eingeschätzt und seither muss das Trinkwasser auch auf Chlorothalonil untersucht werden. Mit drastischen Folgen: Bisher ist bei den periodischen Trinkwasserproben nie nach diesem Stoff gesucht worden. Jetzt darf er maximal in einer Konzentration von 0,1 Milligramm pro Liter (mg/l) vorhanden sein.

Noch sind weit nicht alle Freiämter Wasserversorgungen auf Chlorothalonil-Konzentrationen getestet worden. Doch in Wohlen, Villmergen und Waltenschwil wurden Pumpwerke abgestellt oder sie können nur noch reduziert betrieben werden, weil die Werte zu hoch sind.

Jetzt wird der schwarze Peter den Bauern zugeschoben, obwohl sie nichts gemacht haben, was sie nicht hätten tun dürfen. Fungizide mit dem Wirkstoff Chlorothalonil werden seit den 70er-Jahren regulär in Getreide- und Gemüsekulturen sowie im Rebbau eingesetzt.

Hoffnung auf baldige Klärung der Situation

Ralf Bucher, der Geschäftsführer des Bauernverbandes Aargau, sagt zur Problematik: «Für die Bauern ist die aktuelle Situation problematisch. Ich hoffe sehr, dass der Einsatz von Chlorothalonil bald auch in der Schweiz offiziell verboten wird. So würde Klarheit herrschen.»

Der Bauernverband empfehle jedoch, das Mittel ab sofort nicht mehr einzusetzen: «Es gibt Alternativen», sagt Bucher, und: «Wir Bauern hätten dieses Mittel sicher schon lange nicht mehr eingesetzt, wenn wir gewusst hätten, dass es problematisch ist. Aber bis im Frühsommer haben auch wir davon nichts gewusst.»

In der Landwirtschaft, erklärt Ralf Bucher weiter, werde eh schon lange versucht, beim Pflanzenschutz neue Wege zu gehen und so Umweltbelastungen weitgehend auszuschliessen. Dabei gelte es vor allem auch, das vorhandene technische Potenzial auszuschöpfen und zu verbessern.

Ziel sei es, die nötigen Schutzmittel direkter auf die befallenen Pflanzen zu bringen. Damit könnte deren Einsatz um bis zu 90 Prozent reduziert werden. Anderseits würden bereits bei 64 Prozent des Brotgetreides weder Fungizid noch Insektizid eingesetzt. Der Ertrag falle so zwar geringer aus, dafür werde die Umwelt geschützt.

Die Gemeinden müssen auf den Bund warten

Im Freiamt sind bisher in drei Gemeinden massiv zu hohe Chlorothalonil-Werte gemessen worden. Der Wohler Wasserversorger ibw hat schon vor bald zwei Monaten das Pumpwerk Eichholz freiwillig abgestellt und wartet jetzt auf den Bund.

Man hofft, dass die Werte, die sich bedingt durch die Jahreszeit bereits spürbar reduziert haben, nach einem Verbot der Substanz noch weiter zurückgehen.
Villmergen hat vor einer Woche kommuniziert, dass die Werte in den beiden Pumpwerken Kreuzester und Unterzelg zu deutlich über dem Toleranzwert von 0,1 Milligramm pro Liter (mg/l) liegen.

Das Pumpwerk Kreuzester wird deshalb vorderhand nur noch reduziert betrieben und dafür zusätzlich Trinkwasser von Wohlen eingekauft. In Waltenschwil sind die Werte im Pumpwerk Hagächer zu hoch.

Es wurde abgestellt. Weil aus dieser Fassung im Jahresschnitt lediglich 6 bis 8 Prozent des Waltenschwiler Trinkwassers bezogen werden, kann das verkraftet werden. (to)